Sonntag, 7. Oktober 2012

Jeff Lynne - Long Wave

Interpret: Jeff Lynne
Album: Long Waves
Spielzeit: 27:28 min.
Plattenfirma: Frontiers

Veröffentlichung: 05.10.2012
Website: http://www.jefflynne.com/



 Wertung:  6,5 von 10


Tracklist: 


01 – She
02 – If I Loved You
03 – So Sad
04 – Mercy, Mercy
05 – Running Scared
06 – Bewitched, Bothered and Bewildered
07 – Smile
08 – At Last
09 – Love Is a Many-Splendored Thing
10 – Let It Rock
11 – Beyond the Sea



Gemeinsam mit der überraschend guten ELO-Neueinspielungs-Greatest Hits-CD (siehe: ELO-Review ) kommt auch ein Jeff Lynne Solo-Album auf den Markt, welches als sein erstes seit 20 Jahren vermarktet wird. Nun ja das stimmt an sich nur bedingt, denn was die Promomaschine verschweigt ist, dass es sich bei "Long Wave" leider nur um eine Sammlung von Coversongs handelt, noch dazu von Songs aus den 1940ern bis 1960ern. Also nicht unbedingt direkt die Zielgruppe von Rockfreunden oder auch ELO-Fans ansprechend, auch wenn die Plattenfirma "Frontiers" heisst. Einen ersten dicken Punktabzug gibt es für die mehr als lausige Spielzeit von weit unter 30 Minuten. Wer denkt, dass die CD dafür zum "Nice Price" veröffentlicht wird hat sich geschnitten. Für den Fan wäre die CD als Bonus-Disc zur ELO-CD sicherlich passender und fanfreundlicher gewesen so  kassiert man für relativ wenig dafür doppelt ab. Gelb-Rote Karte Herr Lynne!! Vom Konzept her ist die CD ähnlich aufgebaut wie dir kürzlich von Phil Collins erschienene "Going Back"- CD, auf der ein paar favorisierte Songs aus der Jugend von Phil vertont wurden. Im Unterschied zu Meister Lynne jedoch mit 18 Songs und einer akzeptablen Spielzeit. 
Viele der Tracks auf dem Album sind naturgemäß sehr ruhig und fast schon schlagerartig zu bezeichnen. Nachdem dem Presseinfo (absichtlich??) nicht entnehmbar war, von wem die Songs im Original sind, musste man sich erstmal im Netz Gewissheit verschaffen, was Jeff Lynne denn hier überhaupt aufgenommen hat.  Der Opener "She" beispielsweise stammt aus dem Jahr 1974 und war ein Hit für Charles Aznavour. Gut an der Scheibe ist , dass die Songs allesamt der typischen Jeff Lynne Soundbearbeitung unterzogen wurden und durchaus auf ELO getrimmt wurden, auch wenn das bei manchen nur schwer vorstellbar ist. Überflüssig zu sagen, dass Lynne wiederum sämtliche Instrumente selber eingespielt hat und natürlich auch Produzent war. "If I Loved You" stammt vom 1945er Broadway Musical "Carousel". Das Country-angehauchte "So Sad" stammt von den Everly Brothers und war für diese ein Top 5 Hit im Jahr 1960. Das endlich etwas flottere "Mercy Mercy" ist ein alter R&B Hit aus 1964 von einem gewissen Don Corvay. Jeff Lynne klingt wirklich noch wie zu besten ELO-Zeiten in den 70ern. Seine Stimme scheint sich so gut wie nicht verändert zu haben. Das schnulzige "Running Scared" ist unverkennbar eine Roy Orbison Nummer, wo sich einem vor Schmalz dann doch etwas die Fussnägel hochrollen. Schlager in Reinkultur. "Bewitched, Bothered and Bewildered" stammt abermals von einem Musical namens "Pal Joey" und wurde auch schon von Frank Sinatra vertont. Auch sehr laid back die Nummer.  "Smile " ist die älteste Nummer der Scheibe (1936), Fans der Werke von Charlie Chaplin (richtig gelesen!) eventuell bekannt, da es sich um einen Song von ihm handelt, der auch in einigen Filmen von ihm auftauchte. Nett und nicht wehtuend. "At Last", ein Filmsong aus dem Jahr 1941, ist eine Bluesballade, die auch schon Etta James vertont hat.  "Love Is a Many-Splendored Thing" ist ebenfalls ein Film-Song, diesmal aus dem Jahr 1955. "Let It Rock" macht seinem Namen wenigstens alle Ehre und rockt ziemlich straight, handelt es sich doch um einen Song von Chuck Berry. Unverkennbar, woher Lynne seine Inspirationen für spätere ELO-Hits wie "Rock and Roll is King" her hat. "Beyond The Sea" kennt man von der Melodie her auch, wenngleich ich nun nicht wusste, dass der Track von Bobby Darin aus 1960 stammt. Schön hierbei die Queen-ähnlichen Gitarrenharmonieren, die hier eingestreut wurden.
Tja das war es dann nach 27 Minuten und 28 Sekunden bereits wieder. Wer die CD blind wegen "Jeff Lynne" auf dem Cover kauft, wird eventuell eine böse Überraschung erleben. Irgendwie ist mir nicht ganz klar, wer die Zielgruppe dieser Scheibe sein soll. Ein "richtiges" Solo-Album  mit neuen Stücken wäre mir ehrlich gesagt lieber gewesen als die (sicherlich top aufgenommene und arrangierte) Sammlung von alten Songs von anno dazumal. Dieses ist aber für das Jahr 2013 angekündigt. Zum schnellen Nebenbeihören oder für ruhigere Momente oder den Nachmittagstee bei der Großmutter ganz ok aber auch nicht mehr. Verbleiben für mich 6 Punkte plus einem halben für die wie immer klasse Produktion, der man vom ersten Takt an anhört, dass es sich um Jeff Lynne handelt. 

Martin

Love.Might.Kill - 2 Big 2 Fail


Band: Love.Might.Kill
Album: 2 Big 2 Fail
Spielzeit:  55:18  min.
Plattenfirma: Massacre Records

Veröffentlichung: 19.10.2012
Website: www.lovemightkill.com



Wertung:   8,5  von 10


Tracklist:

01. Save my soul
02. XTC
03. Burn the night
04. The one
05. Restless heart
06. Home
07. The great escape
08. Too big to fail
09. We fall
10. The big screen pleasure (and pain)
11. Alone
12. The perfect mistake

Love.Might.Kill sind alles andere als eine Newcomertruppe. Kopf der deutsch-italienischen Truppe ist Drummer Michael Ehre´, den man von Gammy Ray, Uli Jon Roth oder Metallium kennt. Nach ihrem Debutalbum vom Sommer 2011 erscheint mit "2 Big 2 Fail" bereits ein gutes Jahr später zusätzlich verstärkt mit Ex-Mob-Rules-Keyboarder Sascha Onnen der Nachfolger. Fleißig die Band! Beim selbstbewusst betitelten "2 Big 2 Fail" handelt es sich aber mitnichten um einen Schnellschuss - im Gegenteil. Stilistisch ist die Band nicht auf ein Genre festzulegen, es gibt speedige Melodic-Metal-Tracks, kommerzielle Rocker und auch ein paar bluesige Töne, was für die Abwechslung spricht. Eintönig ist die Scheibe in keinem Fall. Nach dem kurzen Keyboard Intro namens "Save My Soul" startet "XTC" mit messerscharfen Gitarrenriffs voll durch und bereits hier hört man, dass die Produktion fett und 1a ist. Der Track selber ist sehr gut aufgebaut, hat eine tolle Bridge und einen Refrai, der ins Ohr geht. So kann es weitergehen." Burn The Night" strapaziert die Double-Bass Drums und ist ein reinrassiger Melodic-Metal Song erster Güte. Der Gesang ist sehr variabel und auch die dezent eingesetzten Keys passen hervorragend. "The One" tritt etwas auf die Bremse, der Refrain kann nicht so gut überzeugen wie auf den beiden Vorgängertracks. Etwas Rainbow und Dio-angehaucht ohne aber deren Klasse zu erreichen. Eher einer der schwächeren Songs der CD. "Restless  Heart" beginnt mit verfremdeten Vocal-Effekten und auch wieder einem richtig fetten Gitarrenriff, einer der wirklichen Pluspunkte des Rundlings, der Gitarrensound ist einfach fabelhaft. Die mehrstimmigen Chöre wissen ebenfalls zu gefallen, auch hier wieder eine tolle Bridge und ein schöner melodischer Refrain, der einem spätestens nach dem zweiten Hören nicht mehr aus dem Ohr geht. Geiler Song! "Home" ist vom Riffing her sehr stark an Whitesnake's "Crying In The Rain" orientiert, das Riff ist schon etwas arg geklaut. Beim Refrain bekommt der Track dann aber trotzdem noch eine eigene Note. Bei "The Great Escape" lässt Shouter Jan Manenti mal seine "evil" Seite raus, dennoch ein etwas schwächerer Track. Mein persönliches Highlight ist der Titelsong "Too Big To Fail" (als Song ausgeschrieben im Titel), da haben sich die Jungs wirklich selber übertroffen. Sicherlich der kommerzielleste Song derPlatte, aber die Melodie dieses fast schon als AOR zu bezeichnenden Stückes ist einfach ein echter Hammer und könnte auch von einer international bekannten Toptruppe stammen. Ein wirklicher Hit. Ab damit an die Rock-Radiostationen! "We Fall" ist dann wieder metallisch speedig für alle Nicht-Weichspüler-Freunde, erinnert etwas an die alten Helloween zu Kiske-Zeiten. "Big Screen Pleasure (and Pin)" hat auch wieder einen ohrenschmeichlerischen Refrain, da hat die Band wirklich ein gutes Händchen, denn nichts ist besser als ein gewisser  Wiedererkennungswert. "Alone" lebt von den vozüglichen Backing-Vocals und ist als schleppender Song eher als Halbballade zu bezeichnen, geht jedoch abermals gut ins Ohr. "The Perfect Mistake" schmeisst einen schön vor sich hin hardrockend aus der Scheibe, die doch eine mehr als positive Überraschung in der allmonatlichen Veröffentlichungsschwemme darstellt. Da zeigen Love.Might.Kill so manchen etablierteren Acts, die in letzter Zeit Alben veröffentlicht haben, die Rücklichter. Wirkliche Schwachpunkte sind nicht auszumachen, der Sound ist top, die Songs haben durchweg hohes Niveau und mit dem Titeltrack gibt es sogar einen  Übersong. Das Artwork kann ebenfalls überzeugen und passt sich dem hohen Standard an. Was will man mehr? Dicke 8,5 Punkte für Love.Might.Kill sind mehr als gerechtfertigt. 

Wer die Band live sehen will hat im Oktober auf insgesamt 7 Gigs (leider nur im Norddeutschen Raum) Gelegenheit dazu. Mehr Infos hierzu gibt es auf der Band-Website.

Der folgende Albumtrailer mit Ausschnitten aus allen Songs von "2 Big 2 Fail" gibt einen guten Eindruck der klasse Scheibe wieder. Fast schon Kaufpflicht. 



Martin

Samstag, 6. Oktober 2012

KIX – Live In Baltimore






Band: KIX
Album: Live in Baltimore
Spielzeit: 78:18 Min.
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 21.09.2012
Homepage: http://kix-band.com/


WERTUNG: 7,0 von 10 

Trackliste: 

01. No ring around Rosie
02. Atomic Bombs
03. Lie like a rug
04. Don’t close your eyes
05. Girl Money
06. Cold Blood
07. Cold Shower
08. She Dropped Me The Bomb
09. Blow My Fuse
10. Kix Are For Kids
11. Midnite Dynamite
12. Yeah, Yeah, Yeah

Line-up:

Steve Whiteman – Vocals
Jimmy “Chocolate“ Chalfant – Drums
Brian ”Damage” Forsythe – Guitar
Ronnie ”10/10” Younkins – Guitar
Mark Schenker – Bass




Hand aufs Herz – wer kennt denn eigentlich noch die Band “KIX“ ????

Wenn Ihr sie nicht kennt, oder Euch nicht mehr erinnert – macht das auch nichts, denn “KIX“ spielten nie in der oberen Liga der Hardrock-Bands. Im Zuge des s.g. Hair-Metall oder Glam-Metal gelangten sie insbesondere in ihrer Heimat USA zu einem gewissen Bekanntheitsgrad.
Entstanden als “The Shooze“ legten sie unter ihrem späteren Namen “KIX“ zwischen 1981 und 1995 sechs Studioalben vor.

Jetzt – 17 Jahre nach dem Erscheinen ihres letzten Albums sind sie wieder mit einem Live-Album in den Listen der Neuveröffentlichungen. “Live In Baltimore“ heißt das Scheibchen – und wird außer als reine Audio-CD noch zusätzlich als DVD mit erweiterter Setlist erscheinen. Bis auf “Mark Schenker“ (Bass) ist das Line-Up der ersten Stunde am Start. Frontmann und Sänger, “Steve Whiteman“ scheint immer noch gut bei Stimme.

Auf dem Album befinden sich keinerlei neue Songs, ausschließlich Songs aus den Alben

  • KIX (1981)
  • Midnite Dynamite (1985)
  • Blow My Fuse (1988)
  • Hot Wire (1991)

Wer also einen Querschnitt des Schaffenswerk dieser Band möchte, ohne sich die 6 Alben zuzulegen, der kommt mit dieser Live-CD voll auf seine Kosten.
Die CD ist hervorragend produziert und kommt druckvoll und kraftvoll und frisch durch die Lautsprecher. Die Setlist ist stimmig und ist als ein “Best of“ zu verstehen.
Ohne ein Fan dieser Band zu sein machte das Hören dieser Scheibe durchaus Spaß und dass satte 78 Min. lang.

Irgendwo hab ich auch noch gelesen, dass 2013 das 7. Studio-Album geplant ist. – Na, wenn’s denn sein muss………..


Oldwoodstock



Badmouth - Heavy Metal Parking Lot

Band: Badmouth
Album: Heavy Metal Parking Lot
Spielzeit:  44:58 min.
Plattenfirma: Sound Pollution / Danger Music & Media (Rough Trade)

Veröffentlichung: 12.10.2012
Website: www.badmouththeband.com



Wertung: 7 von 10


Tracklist:
  1. Son of Sam
  2. Radiator
  3. Judas
  4. Silver lining
  5. City is burning
  6. Tired
  7. Bottoms up
  8. Blue ribbon days
  9. Heavy Metal parking lot
  10. Jake Brakes
  11. Facing my demons

Auch wenn die (Künstler?)-Namen der Bandmitglieder nicht darauf hindeuten, Badmouth stammen aus Schweden und haben sich im Gegensatz zu vielen Ihrer Kollegen nicht den Melodicrock auf ihre Fahnen geschrieben sondern eher dreckigen Hard&Heavy Rock & Roll (sofern es das gibt), den man nicht ganz ernst nehmen sollte. Bei dem Cover (welches doch ziemlich gruselig ist) hatte ich an sich erst eine Ramones-ähnliche Mucke erwartet. Nach einer EP und der von Paul Sabu produzierten Debüt-CD erscheint nun ein Jahr nach dem Release in Skandinavien "Heavy Metal Parking Lot" auch in unseren Breitengraden. Die Jungs wirken für mich irgendwie wie Wig Wam im Metal-Zirkus, das Konzept ist nicht unähnlich und sie nehmen sich nun wirklich nicht allzu ernst und setzen auch leicht auf den Comedy-Faktor, wie ja auch das Cover schon anzudeuten vermag. "Son of Sam" leitet die Scheibe knackig hardrockig ein, mit einer guten Melodie ausgestattet, nicht zu verwechseln aber mit gleichnamigem Shinedown-Song. "I Need A Radiator - cause Baby is so damned Hot" sind die ersten Zeilen von "Radiator", auch ein etwas an Wig Wam erinnernder Song nur mit etwas härterer Ausrichtung. Macht durchaus Laune. "Judas" ist dann eine richtige Speedgranate, wenngleich der Refrain doch etwas eintönig geraten ist.  Die Produktion klingt recht nach low Budget und ist doch sehr trocken ausgefallen, passt aber ganz gut zur Musik. "Silver Lining" kommt etwas schwachbrüstig daher und der Gesang erinnert einmal mehr an Wigwam's Glam, jedoch plätschert das Lied etwas vor sich hin, da helfen auch die Korsakenchöre nicht wirklich. "City Is Burning" zieht im Tempo wieder an bleibt aber auch nicht wirklich hängen und rockt sich durch seine knapp fünf Minuten. Zu "Tired" gibt es auch ein Video (siehe unten), der Song rockt gut und hat einen etwas punkigen Touch. "Bottoms Up" ist keine Van Halen Coverversion sondern ist ein Gute-Laune-Rocker, der sicher auch im Live-Concert gut rüberkommen wird. "Blue Ribbon Days" ist ein vom Tempo her schleppender Track, der wieder für Abwechslung sorgt. Ganz nett aber nicht mehr. Der Titelsong erinnert mich irgendwie an die Scorpions zu ihren früheren Zeiten, der Song kommt recht unverkrampft und frisch an und die Lyrics "let's smoke some pot in the Heavy Metal Parking Lot" sind auch wieder mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Mit "Jake Breaks" gibt es dann die einzige Ballade der CD, die sich durchaus zu einem Hit entwickeln könnte und zu den besten Stücken der Rundlings zählt. Sehr gelungen. "Facing My Demons" ist dann nochmal eine Speedgranate als Rausschmeisser, die noch mal gehörig Arsch tritt.
Die Scheibe hat irgendwie ihren Charme auch wenn sie sicherlich kein absoluter Knaller ist. Wer auf flotten Hardrock mit witzigen Texten steht, dem sei ein Reinhören in "Heavy Metal Parking Lot" durchaus empfohlen. Die Band ist übrigens im Herbst Vorturner der alten Recken von W.A.S.P. auf deren Europatour. Sympathische Truppe und nettes Album, das mir 7 Punkte wert ist. 

Martin




Freitag, 5. Oktober 2012

Night Ranger - 24 Strings And A Drummer Live & Acoustic

Band: Night Ranger
Album: 24 Strings And A Drummer - Live & Acoustic
Spielzeit: 64:04 min.
Plattenfirma: Frontiers

Veröffentlichung: 19.10.2012
Website: www.nightranger.com


 Wertung:  8 von 10


Tracklist: 

1. This Boy Needs To Rock
2. When You Close Your Eyes
3. Sing Me Away
4. Growin' Up In California
5. The Secret Of My Success
6. Sentimental Street
7. Four In The Morning
8. Let Him Run / Goodbye
9. Forever All Over Again
10. Don t Tell Me You Love Me
11. Sister Christian
12. (You Can Still) Rock In America
13. Boys Of Summer (Bonus Track) 


Von Night Ranger gibts ja unendlich viele Livealben kommt es mir vor, vor allem in Japan sind die Jungs ja nach wie vor groß im Geschäft und im letzten Jahr konnte man sich auch in unseren Breitengraden davon überzeugen, das die Herren eine schlichtweg geniale Band sind auch wenn sie beim "Rock The Nation" Festival lediglich 50 Minuten Spielzeit zur Verfügung hatten.
Als Nachbrenner zur genialen "Somewhere in California"-Studioscheibe heuer also eine Live & Acoustic-Scheibe. Ich habe da immer so gemischte Gefühle. Rocksongs sind Rocksongs und sind eben meist geschrieben für elektrische Instrumente mit gehörig Schmackes. Vielerorts nimmt das "Unplugged" doch etwas vom Drive mancher Songs weg und verwässert die eigentliche Grundidee eines Songs doch manchmal sehr. Die einzige Band, die mich bislang  unplugged auf längere Distanz überzeugt hat war bislang Tesla und die sind schließlich seit "Five Man Acoustical Jam" die eigentlichen Erfinder des Ganzen. Wie schlagen sich nun Night Ranger? Nicht übel muss ich sagen. Wobei der Einstieg mit "This Boy Needs To Rock" mir nicht sonderlich zusagt. Im Original ein schmissiger Song, hier jedoch recht lasch mit "Huhu's" im Chor. Passt irgendwie nicht so recht. "When You Close Your Eyes" überzeugt da schon mehr, da sich hier wieder mehr an das Originalarrangement gehalten wird. Dass die Jungens spielen können ist natürlich bekannt. Gerade wer die Gitarreros Brad Gillis und Joel Hoekstra einmal live gesehen hat wird mir Recht geben wenn ich sage, dass die zwei wohl mit zum Virtuosesten gehört, was die Hard-Rock-Welt zu bieten hat. Die Harmonien sind schlichtweg Weltklasse, was aber elektrisch noch deutlicher zum Tragen kommt. Jack Blades klingt etwas rauher als im Studio aber das ist nicht mal verkehrt. Auch die Backing Vocals kommen sehr gut zur Geltung, ebenfalls ein Markenzeichen der Band. Vom letztjährigen Werk gibt es leider nur den Titelsong. Die restlichen Tracks stellen letztlich ein Night-Ranger-Best-of dar, wobei der Band 11 Songs sicherlich nicht ganz gerecht werden. Einzige Überraschung ist vielleicht "Forever All Over Again" vom unterschätzten "Neverland"-Opus von 1997, einem zu Unrecht eher unbekannten Song. Vielleicht sind eine Spur zu viele ruhige Stücke auf der Scheibe, aber die kommen dann akustisch natürlich auch entsprechend gut aus den Lautsprechern. Bei "You Can Still Rock in America" wird aber nochmals ordentlich gerockt, bevor es mit Don Henleys "Boys Of Summer" noch einen Bonustrack gibt, den es angesichts der Masse an erstklassigen Night-Ranger -Songs nicht unbedingt gebraucht hätte, aber trotzdem verpackt in einer guten Version. "24 Strings..." erscheint zum fanfreundlichen Preis einer CD als CD/DVD-Package, die zugehörige DVD liegt mir aber leider nicht vor.
Alles in Allem eine gelungene Kompilation, zwar ohne besondere Überraschungen aber durchaus kurzweilig und der perfekte Soundtrack für den ausklingenden Sommer. Zu hoffen bleibt, dass Night Ranger bald wieder eine neue Studioscheibe auf den Markt bringen werden und in unseren Breitengrade endlich einmal für eine vollwertige Tour erscheinen. Das wünsche ich mir nun einmal für Weihnachten. In diesem Sinne gibt es 8 solide Punkte für die Live & Akustik-Scheibe von Night Ranger.  

Martin 

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Electric Light Orchestra - Mr Blue Sky - The Very Best Of Electric Light Orchestra

Band: Electric Light Orchestra
Album: Mr Blue Sky - The Very Best Of Electric Light Orchestra
Spielzeit: 48:54 min.
Plattenfirma: Frontiers

Veröffentlichung: 05.10.2012
Website: www.elo.biz


Wertung:  8 von 10 


 Tracklist:


1. Mr. Blue Sky
2. Evil Woman
3. Strange Magic
4. Don't Bring Me Down
5. Turn to Stone
6. Showdown
7. Telephone Line
8. Livin Thing
9. Do Ya
10. Can t Get It Out of My Head
11. 10538 Overture (40th Anniversary Edition)
12. Point of No Return (Bonus)


Es gibt wohl von ELO mehr Best Of-Alben als reguläre Scheiben befürchte ich, und zum vierzigsten Jubiläum der Truppe gibt es erneut eine Compilation, die auf das Fanvolk losgelassen wird. "Band" ist natürlich relativ, wird ELO doch nur noch von Jeff Lynne  am Leben gehalten. Das letzte Studio-Lebenszeichen war die starke "Zoom"-Scheibe von 2001, die jedoch floppte und die damals bereits geplante Tour wurde auch abgesagt. Schade. Anno 2012 erscheint nun also eine weitere Greatest-Hits -Sammlung, diesmal aber jedoch komplett neu eingespielt von Jeff Lynne alleine. Ja er spielt wirklich alle Instrumente selber und hat natürlich auch selber produziert. Wenn der Junge da nicht mal vereinsamt in seinem Studio. Bei Neueinspielungen alter Klassiker ist das ja immer so eine Sache. Fast immer ist der Grund für die Neuaufnahmen finanzieller Natur, denn oftmals haben die Künstler ihre Rechte an den eigenen Songs an die Plattenfirma abgetreten und sehen so nur wenig an Royalties in ihrer Geldbörse. So war es bei Kiss und bei Def Leppard und auch bei der (ziemlich schlechten) Loverboy-CD mit alten Tracks neu aufgelegt. Ob dies auch Jeff Lynnes Beweggrund war weiss ich nicht, er hatte aber schon früher ein paar Mal verlauten lassen, dass er hier und da ein paar "Verbesserungen" an seinen alten Hits vornehmen wollte. Nun ist dies also geschehen. Ganze 11 Hits hat er neu eingespielt, angesichts der Fülle an ELO-Material geradezu ein Hohn, gibt es doch mindestens Material für ein Doppel- wenn nicht gar Triple-Album an Hits. Beim ersten Hören kann man es kaum glauben, dass es sich um Neueinspielungen handeln soll. Der Sound klingt wirklich wie früher, nur klarer und lauter und auch die Stimme von Jeff hat sich nicht die Bohne verändert. Ob da wirklich alles neu ist? Manchmal habe ich da meine Zweifel gerade was die Vocals angeht, denn die klingen wirklich wie in den 70ern. Jedenfalls sind die Verschlimmbesserungen  wirklich mit der Lupe zu suchen. Ein paar Arrangements sind vielleicht leicht verändert aber alles in allem sind nur soundmäßige Änderungen zu vernehmen. Die Gitarren kommen auch klarer durch und Jeff Lynnes typischer Bombast-Produktionsstil ist auf anno 2012 gepimpt worden. Nicht mehr und nicht weniger. Die Hits im Einzelnen durchzugehen halte ich für überflüssig, die sollte wirklich jeder mitpfeifen können. Es macht Spass, nach längerer Zeit mal wieder ELO zu hören, noch dazu in feinerem Soundgewand. ELO war ja schon seit jeher Jeff Lynne (auch wenn die Puristen unter den Fans nun aufschreien werden), von daher halte ich es für legitim, dass er unter dem ELO-Banner weitermacht. Es soll auf Frontiers auch bald eine Expanded -Version von "Zoom" und ein paar andere Schmankerl rauskommen. Mit 65 ist Lynne also noch lange nicht müde.
Als besonderes Extra gibt es sogar einen bislang unveröffentlichten Track namens "Point Of No Return", der wie eine Mischung aus ELO und den Travelling Wilburys klingt und durchaus ein zusätzliches Argument für die Kaufentscheidung darstellt. Somit gibt sich für die Bewertung folgende Gleichung: 10 Punkte für die Songs abzüglich einen Punkt für die Tatsache, dass nur 11 Songs (plus 1 neuer) auf dem Werk zu finden ist und nochmals 1 Punkt Abzug für das doch nicht gerade kreative Konzept. Bleiben 8 Punkte für eine der besseren Neueinspielungen, die wohl demnächst noch von mehrern älteren Bands zu erwarten sind. Ebenfalls Ausschau halten sollte man nach dem neuen Solo-Album von Jeff Lynne , welches gleichzeitig mit der hier rezensierten ELO-Scheibe herauskommt. Fleißig der Mann.

Martin

Dark Sky - Initium


Band: Dark Sky
Album: Initium 
Spielzeit: 56:09 Min. 
Plattenfirma: Pure Legend Records 
Veröffentlichung: 19.10.2012 
Homepage: www.dark-sky.de 

WERTUNG: 8,5 von 10 

Trackliste: 
01. Initium 
02. The Vision 
03. Food for a million 
04. Judas 1 – Dancing with the devil 
05. Last Supper 
06. Gethsemane 
07. I swear 
08. Lost in confusion 
09. Interludium 
10. Judas 2 – Take my life 
11. You're alive 
12. The Rock 
13. Shout it out 
14. Eternity 
 
Mit “Initium“ liegt mir hier der 5. Longplayer von “Dark Sky“ aus Rottweil, Baden Württemberg, vor.
Nachdem ich die Scheibe in einem ersten Durchgang gehört habe, habe ich die Scheibe erst einmal wieder beiseite gelegt, - hatte ich die Band doch anders in Erinnerung. - Also, hin zu meinem Plattenarchiv und das 2002er Album “Edge Of Time“ in den Player gelegt.
Aha – Hardrock im Stile von Gotthard oder Human Zoo.

Also wieder zurück zum neuen Scheibchen “Initium“. Den Sound, den meine Boxen hier an meine Ohren herantragen weicht eindeutig vom Stile des obengenannten 2002er Albums ab. Abweichung ist vielleicht auch nicht der richtige Ausdruck, vielmehr hat sich das Klangspektrum der Jungs aus Rottweil eindeutig erweitert. Den Stil kann man als -Hardrock, Melodic-Powermetal mit Anleihen vom Symphonic-Metal- wohl am besten beschreiben.

Vorab kann man sagen , dass es der Band gelungen ist die Songs in ein sehr melodisches Gewand zu kleiden. Der Gesang von “Frank Breuninger“ ist sowieso über jeden Zweifel erhaben und verleiht der Band einen guten Wiedererkennungswert.

Die Tracks “Last Supper“, “The Rock“ und“Shout it out“ basieren auf guten alten Hardrockwurzeln. “Shout it out“ hat sogar einen gewissen Ohrwurmcharakter.

Mit “I swear“ kommt ein Song daher, der es mit einer der zahlreichen Gotthard-Balladen locker aufnehmen könnte. Im zweiten Teil wird der Song sogar richtig gut, gewinnt er hier doch an Dynamik und Tempo.

Alle anderen Songs (bis auf den letzten) kommen im neuen, oben beschriebenen Soundgewand daher und sind sehr vom Keyboarder, Claudio Nobile, geprägt, ohne jedoch aufdringlich zu wirken. Die Rhythmus-Fraktion, Winny Zurek (Bass) und Uwe Mayer (Drums) arbeiten druckvoll und präzise. Das Gitarrenspiel von Steffen Doll rundet die ganze Sache ab.

Die Ballade “Eternity“ beendet dann ein wirklich gelungenes Album.

Anspieltipps erspare ich mir, da alle Songs ihre Momente haben. - Und damit komm ich auch zum Problem der Bewertung des Albums. Grundsätzlich kann man sagen, dass mit “Initium“ ein Album ohne nennenswerte Schwächen vorliegt. Aber schon die Tatsache, dass ich hier keine Anspieltipps geben kann liegt eindeutig daran, dass auch ein oder zwei absolute Höhepunkte fehlen.

Sei's drum – das Album gehört eindeutig in die bessere Kategorie. Langeweile kommt nicht auf. Ich hoffe auf mehr und drücke den Jungs auch bei der kommerziellen Vermarktung ihres Werkes viel Erfolg. - Verdient haben sie es !


Oldwoodstock

Dienstag, 2. Oktober 2012

Pride Of Lions - Immortal





Band: Pride Of Lions
Album: Immortal
Spielzeit: 52:12 min.
Plattenfirma: Frontiers

Veröffentlichung: 21.09.2012

Website: aprideoflions.com


Wertung:  7 von 10 


 Tracklist:

01. Immortal
02. Delusional
03. Tie Down The Wind
04. Shine On
05. Everything That Money Can’t Buy
06. Coin Of The Realm
07. Sending My Love
08. Vital Signs
09. If It Doesn’t Kill Me
10. Are You The Same Girl?
11. Ask Me Yesterday


Langsames balladeskes Intro - Einsatz Gesang Jim Peterik - Tempowechsel hin zu flott - Einsatz Toby Hitchcock - Bridge - Refrain - Gitarrensolo - Outro. So sind sehr, sehr viele Jim Peterik Songs im Pride Of Lions Lager aufgebaut. Nicht dass ich dem Mann zu nahe treten will, er hat ja mancherorts Legendenstatus. Aber man kann ja manches durchaus auch mal etwas kritischer sehen und da fällt mir bei Meister Peterik doch oftmals die  Formelhaftigkeit  seiner Songs unangenehm auf. Fließbandproduktionen nennt man das wohl. Er schreibt ja auch für viele andere und ist für mich fast so wie ein kleiner Bohlen, nur eben im Melodicrock-Lager. Das derzeitige Outfit (mit 60 eine lila Perücke) trägt auch nicht gerade dazu bei, jemanden ernst zu nehmen, aber lassen wir mal Äußerlichkeiten aussen vor und konzentrieren uns auf "Immortal", die erste neue Pride Of Lions-Scheibe nach 5 Jahren. Exakt wie eingangs beschrieben geht die Scheibe mit dem Titelsong los. Eine typische POL-Hymne, wie geschaffen für einen Opener. Die Produktion ist leider nicht so gut wie die der Vorgänger-Alben und klingt eher trocken als voluminös, eine Tatsache, die mich bei vielen Melodicrock-Releases eher negativ berührt. Aber es kann auch an der mp3-Vorabversion liegen, vielleicht ist die endgültige Version ja soundmäßig  besser. "Delusional" stellt die Vorabsingle dar, zu der es auch ein Video gibt (siehe unten). Leider ist dieses absolut mißlungen und kitschig wie auch der Text des Songs. " He sings into his hairbrush in front of the mirror - at the top of his lungs his passion is clear. He says he wants to be like his idols on the screen...". Nunja - das ist mir dann doch eine Spur zu kitschig (und das ist nicht die einzige lyrische Bauchlandung auf dem Album) und gab es unter dem Titel "Jukebox Hero" schon bei weitem niveauvoller. Der Song für sich ist an sich nicht übel aber als Vorabsingle dann doch eher Negativwerbung mit so einem Promo-Video. "Tie down The Wind" ist eine smoothe AOR-Halbballade, die auch recht gut reinläuft. Der recht belanglose Refrain könnte hier aber etwas besser sein. "Shine On" ist auch wieder der typische Malen-nach-Peterik-Melodicrock-Song mit besagtem obigen Aufbau, der mir aber auch etwas zu kitschig ist und teilweise schon an manche Bohlen-Superstar-Songs erinnert, nur eben etwas härter instrumentiert. "Everything That Money Can't Buy" ist dann die erste reinrassige Ballade, die mich ebenfalls an Bohlen und seine Superstar-Marionetten erinnert (warum eigentlich), von den Versen und vom Chorus her könnte das die Weihnachtssingel der Superstar-Cast sein. Cheesy hoch drei und ein Skipsong. "Coin Of The Realm" klaut ungeniert den Rhythmus und Aufbau von "Eye Of The Tiger", ohne natürlich dessen einmalige Klasse zu erreichen. Sicher erwartet heutzutage im Melodicrock keiner mehr Innovationen, im Gegenteil, aber so dreist zu klauen ist schon eine Nummer zu viel. Dennoch ein ganz netter Song. "Sending My Love" würde mit deutschem Text auch bei Carmen Nebel oder Florian Silbereisen-TV-Shows nicht negativ auffallen und auch die dortige Schunkelfraktion begeistern. Auch hier sind Text und Song selber mir zu musicallastig. Einzig Toby Hitchcock reisst es hier heraus. Der singt wie immer wie ein junger Gott und sollte auch an manchen Stellen die Passagen von Jim Peterik übernehmen, der im direkten Vergleich mit ihm doch ziemlich abkackt. "Vital Songs" war tatsächlich für gleichnamiges Survivor-Album vor Urzeiten geplant , wurde aber damals nicht verwendet. Schade an sich, der flotte Song wäre sowohl damals wie auch  heute ein Höhepunkt gewesen. Hammernummer!"If It Doesn't Kill Me" fällt wieder lyrisch negativ auf, musikalisch geht der Song in Ordnung, zwar auch etwas in die Musical-Richtung gehend aber gerade noch mal die Kurve bekommend. Bei "Are You The Same Girl" haut es den Hörer dann aber wirklich aus dieser Kurve, denn das ist wieder ein übler Kitsch-Schlager, den man am besten gleich übergeht, ausser man hat eine Freundin, deren Lieblings-CDs auf "Kuschelrock 1-123" lauten. Schwächster Song des Albums, aufgesetzter Pathos und cheesy Text. Zum Glück gibt es "Ask Me Yesterday", der den Höhepunkt der Scheibe darstellt. Ein bisschen mehr dieser Güte und ich hätte mehr wie wohlwollende 7 Punkte zu vergeben. Ein paar Kitschnummern zu viel und einigee zu auffällige Selbstzitate kosten dann doch einige Punkte. Für reine AOR-Fans sicher eine Offenbarung. Auf melodicrock.com gibts dafür natürlich wieder knapp die Höchstwertung, als neutraler Hörer kann ich aber leider nicht mehr Punkte vergeben. Zwar die schwächste POL-CD aber immer noch besser als so mancher Melodic-Release der letzten Zeit.


Martin


Alvin Lee - Still On The Road To Freedom






Alvin Lee - Still On The Road To Freedom
www.alvinlee.com    Label: Repertoire
43:02 Min.     VÖ : 31.08.2012

Wertung : 8 von 10


Alvin Lee, Jahrgang '44, passionierter Gibson-ES335 "Big Red"- Spieler, mit Ten Years After in Woodstock aufgetreten und mit diversen Projekten á la Ten Years Later oder Alvin Lee & Company, sowie zahlreichen Solo-Projekten jahrelang gut im Geschäft, wirft just via Repertoire eine neue Langrille namens "Still On The Road To Freedom" auf den Markt. Zunächst keine wirkliche Sensation, doch auf den zweiten Blick durchaus interessant. Warum ?

Lee hatte bereits 1973, also direkt nach der Trennung von TYA, ein Album namens On The Road To Freedom herausgebracht und schockierte seine Fans ob der Zusammenarbeit mit dem Gospelsänger Mylon le Fevre. Heraus kam dabei allerdings ein sehr feines Album voller relaxtem Country Rock. Die Gründe für seinen Alleingang erklärt Lee folgendermaßen: " In 1972, after Woodstock had catapulted TYA into the Rock Arenas, I decided to take the road to freedom rather than the road to fame and fortune. It was the only decision for me as in my desperation to get away from the responsibility and the commerciality of the music industrials, I was in danger of joining the dead before 30 club."


Eine schnöde Fortsetzung des '73 Erfolgsalbums wäre Herrn Lee fast 40 Jahre später aber vermutlich zu einfach gewesen, dementsprechend beinhaltet Still On The Road To Freedom eine erstaunlich abwechslungsreiche Songfülle. Die nach Saguitar entstandenen Songs stammen allesamt aus einem 33 Songs umfassenden Fundus, der von Alvin Lee ursprünglich komplett veröffentlich werden sollte, dann aber von ihm auf 13 Titel zusammngeschrumpft wurde. Der Grossteil der Scheibe ist eine Melange aus soliden Country-Southern-Blues-Rock-Tunes, ergo stellt Still On the Road To Freedom keine wirkliche Sensation dar. Alvin Lee-Kenner werden sicher erfreut sein, aber hier nicht viel revolutionär Neues entdecken. Der Opener, gleichzeitig Titelsong, dreht die Uhr ganz weit nach hinten, Lee lässt die 60er Jahre wieder erwachen. Midnight Creeper, Save My Stuff oder Walk On, Walk Tall sind allesamt lässige Nummern...hier surrt die Hammondorgel...dort tönt die Bluesharp, und immer wieder das unaufdringliche aber präsente Gitarrenspiel Alvin Lees...alles Zutaten die uns Musikfans stets begeistern ohne das Rad neu erfinden zu müssen.


01 - Still On The Road To Freedom
02 - Listen To Your Radio Statio
03 - Midnight Creeper
04 - Save My Stuff
05 - I'm A Lucky Man
06 - Walk On, Walk Tall
07 - Blues Got Me So Bad
08 - Song Of The Red Rock Mountain
09 - Nice & Easy
10 - Back In 69
11 - Down Line Rock
12 - Rock You
13 - Love Like A Man 2


Also sind es die versteckten Perlen, die entdeckt werden wollen und die Scheibe interessant machen. Alvin Lee verlässt mit der lupenreinen Rockabillynummer I'm A Lucky Man und dem mit modernem Drum-Beat unterlegten Listen To Your Radio Station, dem funkig geslappten Bass in Rock You oder den Instrumentals Song Of The Red Rock MountainsDown Like Rock (letzter mit interessanter Ride-Einlage von Drummer Richard Newman) die eingetretenen Pfade und sorgt immer wieder für ein wenig Abwechslung. Höhepunkt für mich der letzte Song Love Like A Man 2, ebenfalls eine Reminiszens an die alten Zeiten, TYA in diesem Fall. Auf dem Cricklewood Green Album von 1970 stellte dieser Song einen der vielen Höhepunkte dar und so ist es auch diesmal. Das Thema des Songs wird noch einmal aufgegriffen, diesmal allerdings unterlegt mit einem unechten Bläsersatz, wodurch die Nummer frischer wirkt als anno '70, allerdings an das Original nicht heranreicht.


Summasummarum ist Still On the Road To Freedom ein solides Album voller traditioneller Songs aus der Feder eines etablierten, aber immer noch suchenden Alvin Lee.






Montag, 1. Oktober 2012

Papa Roach - The Connection

Interpret: Papa Roach
Album: The Connection
Spielzeit: 44:33 min.
Plattenfirma: Eleven Seven

Veröffentlichung:01.10.2012

Website: www.paparoach.com 

Wertung:  7 von 10 


 Tracklist:

01 Engage
02 Still Swingin
03 Where Did The Angels Go
04 Silence Is The Enemy
05 Before I Die
06 Wish You Never Met Me
07 Give Me Back My Life
08 Breathe You In
09 Leader Of The Broken Hearts
10 Not That Beautiful
11 Walking Dead
12 Won’t Let Up
13 As Far As I Remember 

 

Papa Roach haben das Problem, dass ihre erste Platte gleich ihre Größte war und seitdem rennen sie Ihrem Hit "Last Resort" nach, ohne jemals wieder solche Verkaufszahlen zu erreichen. Gestartet mit Limp Bizkit und Linkin Park als "Alternative/Nu Metal" Truppe waren die Jungs um Shouter Jacoby Shaddix im Jahre 1993 liegt nun 2 Jahre nach dem Live Album "Time For Annihilation", auf dem es auch einige neue Studiotracks gab, die neue Scheiblette  "The Connection" vor. Papa Roach bewegten sich stilistisch schon immer eher in engen Grenzen. Anfangs noch mit den typischen 90iger Rap-Einflüssen ausgestattet, haben sie sich mit den letzten Scheiben eher hin zum Stadion- Rock moderner Prägung hingewandt, ohne jedoch wirklich Stadien zu füllen.  Jede Scheibe hat sich an sich immer schlechter verkauft wie die vorherige, was nun nicht nur der allgemein auf den Abgrund zusteuernden Musikindustrie bzw. illegalen Downloads zuzuschreiben ist. Das Problem bei den Papas liegt eher darin, dass auf Ihren Alben doch eine Vielzahl relativ gleich klingender Songs vorhanden ist, die man auf Dauer kaum mehr unterscheiden kann. Gut, das ist bei AC/DC auch der Fall, ist aber eher die Ausnahme der Regel, dass Eindimensionalität immer zu Mega-Erfolg führt. Als Produzenten für "The Connection" konnte die Truppe aus Kalifornien James Michael gewinnen, insbesondere bekannt für seine Zusammenarbeit mit Nikki Sixx bei Sixx A.M. sowie auch Meat Loaf und vielen anderen. Soundtechnisch ist seine Handschrift durchaus lesbar, die Produktion ist eins mit Stern und der Sound powervoll und mit einigen Effekten ausgestattet. So muss eine Scheibe modernen Rocks heutzutage klingen. Nach einem kurzen Intro "Engage" wird flott losgelegt mit der Hymne "Still Swingin", welche auch gleichzeitig die erste Singleauskopplung darstellt. Der Song geht sehr gut ins Ohr und der Refrain reisst einen mit. "Where Did The Angels Go" ist etwas düsterer gehalten mit den für Papa Roach typischen tiefergelegten  Stakkato Riffs und Shaddix' rauhen und teils schreienden Vocals, welche sicherlich für den ein oder anderen grenzwertig sein dürften. "Silence Is The Enemy" geht dann wieder mit mehr Melodie zu Werke und dürfte auch eine weitere Single darstellen. Erinnert (nicht nur produktionstechnisch) an Sixx A.M. "Before I Die" ist der erste ruhigere Track, "Ballade" ist wohl zu viel gesagt, hier ist die Produktion doch etwas zu poppig geraten und der Song zündet irgendwie nicht wirklich. Das klingt wie schon paar Mal zuvor gehört, wie man überhaupt sagen muss, dass diesmal die ruhigeren Tracks, die Papa Roach früher doch sehr gut hinbekommen haben, auf der neuen Scheibe doch leider sehr lahmen. "Wish You Never Met Me" ist auch eher langsam gehalten,  auch hier beschleicht einen der Verdacht, dass da doch gehörig von vergangenen Platten abgekupfert wurde. Auch ein Problem meines Erachtens bei Papa Roach ist die doch immer gleiche Gitarrenarbeit. Sicher beherrschen die Jungs ihre Instrumente, aber instrumental ist das auf komplette CD-Länge doch etwas langweilig und wenig abwechslungsreich konzipiert. "Give Me Back my Life" macht da auch keine Ausnahme, sicherlich ein guter Song mit nettem Refrain aber auch hier mit Deja-Vu Effekt. "Breathe You In" ist da eine willkommene Abwechslung, der Song ist sehr speed-betont und bricht doch etwas aus dem Einheitsbrei aus. Mit der beste Song des Albums, der sicher auch live sehr gut kommen dürfte. "Leader Of The Broken Hearts" lässt einen da wieder etwas verschnaufen, der sicherlich poppigste Song der CD, aber auch der beste der ruhigeren Stücke. Klingt durchaus hitverdächtig. "Not That Beautiful" ist dann leider wieder eine "Papa-Roach nach Zahlen"-Nummer, die weder sonderlich positiv noch negativ auffällt.  "Walking Dead" fällt durch den ruhigeren Part des Hauptriffs etwas aus dem Rahmen, ist dann aber auch eher wieder ein Standard-Stampfer üblicher Machart. Bei "Won't Let Up"  gibt es dann doch tatsächlich wieder Rap-Einflüsse ala "Last Resort", die anno 2012 fast schon antiquiert wirken. "New Rock" als "Old Rock" für junge Nostalgiker. Nach  "As Far As I remember" ist man nach 45 Minuten schon durch mit der Platte, der Track ist eine eher unterdurchschnittliche Halbballade, die sich nicht sonderlich von "Before I Die" unterscheidet.  
Fazit: Sicher ist handwerklich alles toll gemacht, prima produziert, doch letztlich kommt es auf die Songs an und die zünden nicht immer bzw. hat man von Papa Roach in früheren Zeiten schon besser gehört. Manchmal hat man das Gefühl wie auch schon auf den letzten Scheiben, dass ihnen doch langsam aber sicher etwas die Ideen ausgehen. Im direkten Vergleich mit genregleichen Bands wie Sixx A.M. oder Shinedown sehen Papa Roach da doch leider nur die Rücklichter Für 7 Punkte reicht es für "The Connection" aber dennoch. Für altgediente Fans sowieso ein Muss.  


 

World Fire Brigade - Spreading My Wings



Interpret: World Fire Brigade
Album : Spreading My Wings
Spielzeit: 41:20 min.
Plattenfirma: Frostbyte Media/Soulfood

Veröffentlichung: 28.09.2012
Website: www.myspace.com/worldfirebrigade

Wertung: 9 von 10 Punkten

Track List:

  1.  The End of Silence
  2.  Spreading My Wings
  3.  All You Know
  4.  Weight of the World
  5.  Shell Of Me (featuring Mike McReady)
  6.  Fly
  7.  Don’t Walk Away
  8. Take Me Away
  9.  Shot Down
  10.  All My Demands
  11. The Beginning Of Madness
  12. Never Saw The Wall (featuring Rob Caggiano)
  13 .Free And Sane (featuring Andy Andersson)
  14. One


Ein Debüt- Album, und wie ich meine, ein rundum gelungenes Werk. Die Weltfeuerwehr führt ihren Löschzug mit den hauptamtlichen Brandbekämpfern Brett Allen Scallions, dieser sonst auch bei Fuel (Voc, Git.), Sean Danielsen (Voc./Lead. Git.)und Eddie Wohl (Key), verstärkt durch Gastmusiker wie Mike McCready (Pearl Jam) und Rob Caggian  (Anthrax) und an den Drums mit dem Kanadier Ken Schalk ins Feld.  Dies geschieht unseren Ohren  mittels einem Mix aus Alternativ - Metal , fettem Hardrock und Post – Grunge. 

Dabei gelingt ihnen mit dem Flügelschlag  ein äußerst abwechslungsreiches Album, das auch beim wiederholten Durchlauf durch schmissige  Hooklines und prächtige Melodielinien und immer wieder überzeugendem Satzgesang  überzeugt. Was bei einem derartigen Ressort  nicht zwingend zu erwarten war, und „Spreading My Wings" geht  auch vom Songwriting in das Klassement. Wobei gelegentliche Anleihen bei 3 Doors Down nicht zu überhören sind (dafür gibt es einen Punkt Abzug), mitunter schillert etwas Seether durch und ab und an sogar die Beatles,  in dem kurzen Skizzenstück „Fly“etwa. Und Gottseidank klingt es niemals nach Nickelback… die sauber produzierten Liedstrukturen (im Hintergrund werkeln irgendwo  die Veteranen  von den Doors, Manzarek und Krieger, sponsorisch mit) werden  nicht überfrachtet  dargeboten und wirken zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt. Mit „Free And Sane “gelingt ihnen zum Abschluss sogar noch ein richtiger Hit.

Ich wünsche der Brandwache gebührenden Erfolg, wobei zu befürchten ist, dass in der mitteleuropäischen  Radiolandschaft kaum Notiz davon genommen werden wird. Aber nein, warten wir`s ab, die Rockmusik lebt schlussendlich vom Next Big Thing.


Stephan Schneider

Freitag, 28. September 2012

Dokken - Broken Bones

Interpret: Dokken
Album: Broken Bones
Spielzeit: 45:15 min.
Plattenfirma: Frontiers

Veröffentlichung: 24.09.2012

Website: www.dokkencentral.com


WERTUNG: 6 von 10 

Tracklist:

01 – Empire
02 – Broken Bones
03 – Best of Me
04 – Blind
05 – Waterfall
06 – Victim of the Crime
07 – Burning Tears
08 – Today
09 – For the Last Time
10 – Fade Away
11 – Tonight

Der gute Don Dokken ist ein altes Stehaufmännchen im Rockzirkus. Wenn man es kritischer betrachtet hatten Dokken ihre Zeit bis zu "Back For The Attack" und seitdem versucht Donnie, den Namen "Dokken" durch mehr schlechte wie rechte Releases aufrecht zu erhalten und so eine "Ausrede" zum Touren zu haben. Denn nur im Livegeschäft wird heutzutage noch Kohle gemacht. Was man so hört (ich konnte mich bislang noch nicht davon überzeugen und werde es wohl auch nicht mehr) sind die  Live-Gigs aber auch nicht mehr so das Wahre, vor allem gesanglich. Don wurde vor nicht allzu langer Zeit an den Stimmbändern operiert und singt seitdem doch eine Lage tiefer, was man auch auf dem neuen Scheibchen "Broken Bones" begutachten kann. Covertechnisch sehr klischeehaft kommt die Scheibe daher, wobei Dokken sogar noch schlechtere Cover in der Vergangenheit hatten wie zum Beispiel "Hell To Pay" (*schauder*). Was bietet uns "Broken Bones" anno 2012? Mit "Empire" gelingt ein toller Einstieg ala "Kiss OF Death" und die Produktion ist durchaus als gelungen zu betrachten. Ein Song, der gleich tierisch in die Eier kickt, schön uptempomäßig und mit Jon Levins knackiger Gitarrenarbeit wunderbar untermalt. So kann es weitergehen. Das Titellied steht dem Opener in nicht viel nach und erinnert etwas an "Breaking The Chains" vom gleichnamigen Album. Auch Dons Stimme klingt recht gut wenn auch wie erwähnt tiefer als früher. Aber ein Tenor war er eh noch nie sondern eher im erweiterten Kreis der Nationalmannschaft wie Jogi Löw sagen würde. Sollte "Broken Bones" tatsächlich eine Überraschung werden, die man den Jungs nicht mehr zugetraut hätte? Leider nein, denn ab Song drei wird doch gewaltig abgebaut. "Best Of Me" ist eher gepflegte Langeweile und der Chorus will auch nicht so richtig zünden."Blind" ist genauso zäh und im gleichen schleppenden Tempo und macht irgendwie auch keine große Lust auf eine Wiederholung. Ein klassischer Skip-Song. Dem schließt sich "Waterfall" leider an, zwar etwas flotter gehalten wie die zwei Vorgänger, aber irgendwie kein Song der im Gehör haften bleibt und das muss er nun mal bei melodischem Rock. Mehrfache Hördurchgänge ändern  aber leider nichts dran. Grade mal die Gitarrenarbeit lässt aufhorchen, denn die ist durch die Bank formidabel. "Victim Of The Crime"  führt die (niveauvolle) Langeweile leider fort, auch ein Song, der sich zieht wie Lava und bei dem man froh ist , dass er zu Ende ist."Burning Tears" ist auch nicht gerade der Brüller, wo sind nur die flotten Songs und die einprägsamen Chorusse, für die Dokken nun einmal beühmt sind bzw. leider waren. Dass man 5 Songs der gleichen Machart  nacheinander auf die Scheibe packt und dadurch den Fluss total gehemmt wird, muss doch auch dem blindesten Produzenten auffallen. Ist es hier aber leider nicht. "Today" ist eine akustische Ballade, die aber ebenfalls nicht wirklich hängenbleibt, und man schon auf eine gehörige Portion Kaffee angewiesen ist um da nicht versehentlich wegzunicken. Als ich das erste Mal "For The Last Time" hörte und erneut einen langsamen Akustikbeginn vernahm, wollte ich das Teil schon aus meiner Anlage werfen, aber zum Glück ist endlich, endlich wieder ein Song der schnelleren und härteren Sorte dabei, der dringend nötig war um der Platte mal wieder ein bisschen Schmackes zu geben. "Fade Away" versöhnt auch etwas, zwar auch wieder etwas softer gehalten aber diesmal mit durchaus passabler Melodie ausgestattet. "Tonight" endet wie die Scheibe begann mit einem harten Uptemposong, der der Scheibe zum Glück eine noch niedrigere Wertung als meine wohlwollenden 6 Punkte erspart. Die Songs 3-8 sind aber durch die Bank zu schwach und langweilig um der Pressemitteilung zu "Broken Bones" gerecht zu werden, die besagt, dass dies die Scheibe ist, auf die die Dokken-Fans seit Jahren gewartet haben. 4-5 nette Songs und der Rest Füller - leider.

Martin

Montag, 24. September 2012

Karthago - Karthago


Karthago - Karthago
www.karthago.de   Label : M.I.G. 
35:04 Min.   VÖ : 31.08.2012

Wertung : 8 von 10

Ab in die Zeitmaschine, zurück in die Zeit von Ratz und Rübe, Schlaghosen, DalliDalli, Punk, Disco und...Krautrock. 

KRAUTROCK ? 

Da war doch was...Bands namens Can, Amon Düül II, Novalis, Birth Control etc. sind den meisten gerade noch geläufig, doch wer um alles in der Welt sind/waren Karthago ?
Die Berliner Band wurde 1971 gegründet und zählte jahrelang zu den Top Bands dieses Genres. Ihr Stil, ein Mix aus Funk, R&B, Hard- und Südstaatenrock bis hin zum Latin erfreute sich relativ schnell einer grossen Beliebtheit. Auch die grossartigen Live-Auftritte der Band trugen zum Erfolg bei. Schnell stellt sich heraus dass die Musiker ihre Instrumente beherrschen, besonders erwähnenswert wohl der Kopf der Band, Joey Albrecht. Sein Gitarrenspiel drückt dem Sound der Band einen prägnanten Stempel auf, obwohl man sich hörbar an amerikanischen Vorbildern wie Santana, Funkadelic oder Mother's Finest orientiert. 

Der Erstling der Band, schlicht Karthago genannt, war Ewigkeiten nicht zu bekommen, es sei denn man wäre bereit gewesen ein kleines Vermögen auf den Tisch zu legen. Um so erfreulicher dass das glorreiche M.I.G.-Label mal wieder einen tollen Einfall hatte und diese auf 2000 Einheiten limitierte Replik des original Vinyl-Release aus dem Jahr 1971 jetzt als CD aufzulegen. Das aufwändig gestanzte und auffaltbare Klappcover wurde dem damaligen Cover nachempfunden. Rares Material, Freunde...

Die Berliner steigen mit String Rambler, einem hart groovenden Latin-Rock-Mix in die Platte ein, gefolgt von I Don't Live Tomorrow, einer treibenden aber eingängigen Blues-Funk getränkten Nummer. Hier zeigt Keyboarder Ingo Bischof (später Kraan) erstmals sein ganzes Können, und siehe da: Karthago machen richtig Laune. Keine Spur vom typischen Krautrock dieser Zeit, kein selbstverliebtes Endlosgeraffel...straight und auf den Punkt. But I Know, der nächste Titel schraubt das Tempo deutlich zurück, und Karthago verlassen sich hier sehr auf den starken Refrain, doch für mich ist das Stück die schwächste Nummer bisher. Interessant ist allerdings dass der komplette Track von einem durchgängigen Vogelgezwitscher unterlegt wurde. Verrückte Zeiten...
Mit dem akustischen Morning Surprise demonstrieren Karthago erneut ihre vielfältigen Möglichkeiten. Gitarre, Gesang, Congas, Percussion...mehr braucht die Band nicht um wundervolle Musik zu kreieren. 



I Give You Everything You Want steigt mit einem genialen Funk-Riff ein, welches garantiert Pate gestanden hat für eine Band die die letzten zwanzig Jahre eben diesem Riff immer und immer wieder gehuldigt haben: Die Red Hot Chili Peppers, insbesondere deren Gitarrist John Frusciante. Eher klassisch Hardrockig geht es mit I Know What You Can Do My Babe weiter, hier dürften Jimi Hendrix, Deep Purple, etc. Pate gestanden haben. Ich meine sogar hie und da Johnny Winter herauszuhören. Jedenfalls zeigen Karthago bereits auf ihrem Debutalbum was sie drauf haben. Dafür zolle ich meinen Respekt und freue mich einmal mehr diese Scheibe entdeckt zu haben. 
Ihre Latin-Rock Einflüsse kommen mit dem ebenfalls hart rockenden Why Don't You Stop Buggin' Me (Wave On) zum Vorschein. Orgelspiel, Congas und Groove erinnern sehr angenehm an Santana. Allerdings kupfern Karthago nicht einfach ab, sie drücken dem Song erneut ihren Stempel auf. Dafür sorgt wieder einmal Gitarrist und Sänger Joey Albrecht, der über seine Gitarrentechnik hinaus eine sehr charakteristische Stimme hat, die jeder Blues- oder Hardrock-Kapelle gut zu Gesicht gestanden hätte.
Mit der vorletzten Nummer, Black Fire, dürften Karthago auf mancher Party für Stimmung gesorgt haben, erinnert mich die Nummer vom Gesang her doch ein wenig an A Whiter Shade Of Pale von Procul Harum. Später findet sich dieser Song, bzw. dieser Sound bei der ebenfalls deutschen Band Jane wieder, zumindest bilde ich mir gewisse Änlichkeiten ein.
Den Schluss einer überaus gelungenen Debutscheibe bildet das kurze aber intensive Instrumental "Nos Vamos", eine pure Liebeserklärung an Carlos Santana.

So endet eine Platte, die mich sehr erfreut, weil überrascht hat. Unter dem verallgemeinernden Stempel Krautrock verbergen sich doch mehr Musikstile und Richtungen als gemeinhin angenommen wird. Allein für diese Feststellung, resultierend aus dieser Wiederveröffentlichung, die übrigens klangtechnisch aufs Bestmögliche restauriert wurde, sei dem deutschen Label M.I.G. ein Denkmal gesetzt.











Sonntag, 23. September 2012

Joe Bonamassa - Live From New York - Beacon Theatre

Interpret : Joe Bonamassa
Album : Live From New York - Beacon Theatre
Spielzeit : 125:49 Min.
Veröffentlichung : 24.09.2012
Plattenfirma : Provogue Records
Homepage : jbonamassa.com    

Wertung : 8 von 10

Tracklist:

CD 1
1. 72nd St. Subway Blues
2. Slow Train
3. Cradle Rock
4. When The Fire Hits The Sea
5. Midnight Blues
6. Dust Bowl
7. The River
8. I’ll Take Care Of You (with Beth Hart)
9. Sinner’s Prayer (with Beth Hart)
10. You Better Watch Yourself
11. Steal Your Heart Away

CD 2
1. Bird On A Wire
2. Down Around My Place (with John Hiatt)
3. I Know A Place (with John Hiatt)
4. Blue And Evil
5. Walk In My Shadows (with Paul Rodgers)
6. Fire And Water (with Paul Rodgers)
7. Mountain Time
8. Young Man Blues
9. If Heartaches Were Nickels
  
Dürfte ich Joe Bonamassa interviewen, ihm aber nur eine einzige Frage stellen, würde ich wohl fragen wie er es hinbekommt eine Hammerplatte nach der anderen zu veröffentlichen. Ohne wirklichen Ausfall, ohne echten Tiefpunkt.
Bonamassa ist ein Phänomen, ein fleissiges Bienchen und ein Tausendsassa. Der Mann haut einen Hammer nach dem anderen heraus, ob als Solo-Interpret, im Duett mit Beth Hart oder als Teil der Black Country Communion, deren drittes Album auch kurz vor der Veröffentlichung steht. Durchatmen ? Pause ? No way...

Gerade erst kommt "Live From New York - Beacon Theatre" als Doppel-CD bzw. -LP auf den Markt, und wieder darf der Fan sich auf eine hochwertige Angelegenheit freuen. Dass dem einen oder anderen die Aufnahme bekannt vorkommt, mag daran liegen dass diese bereits im März als DVD veröffentlicht wurde. Das Konzert wurde im November 2011 im uralten Beacon Theatre, NY aufgezeichnet.
Die Setlist liest sich recht interessant. Bonamassa's Debutalbum "A New Day Yesterday" aus dem Jahr 2000 war ihm drei Titel wert, danach kommt lange, ausser zweier Songs von 6 weiteren Studio-Alben...nix. Der Grossteil der restlichen Songs stammt aus den Jahren 2010 bzw. 2011, also von den Alben "Black Rock" bzw. "Dust Bowl", dem damals aktuellen Album. 
Bonamassa's Symbiose mit der Fender Stratocaster beschert dem staunenden Publikum im bald 100 Jahre alten Beacon Theatre einen O(h)rgasmus nach dem anderen. Die bestens eingespielte Band präsentiert feinsten Rock bzw. Bluesrock der Extraklasse. Nicht umsonst dominiert Bonamassa schon lange die Wunschzettel qualitätsbewusster Musikfans, nicht mehr lange und der Name Bonamassa wird in einem Atemzug mit Hendrix, Clapton und Co. genannt werden. 
Schön dass der gute Joe sich nicht zu schade ist, das Rampenlicht dreimal mit Sängern einzutauschen, die ihm auf Augenhöhe begegnen. Mit der immer wieder mit Janis Joplin verglichenen Beth Hart spielte Bonamassa kurz vor diesem Konzert noch das Album "Don't Explain" ein, aus welchem die beiden die Nummern "I'll Take Care Of You" bzw. "Sinner's Prayer" zum Besten geben, John Hiatt und Paul Rodgers dürfen ebenfalls für je zwei Songs hinters Mikro, ansonsten hat Bonamassa sowohl Gesang als auch Gitarre bestens im Griff. Neben seinem hervorragenden Gitarrenspiel verfügt Bonamassa bekanntlich über eine markante Stimme mit hohem Wiedererkennungswert.
"Midnight Blues", aus der Feder von Gary Moore und mit tollem Bonamassa-Solo plus "Bird On A Wire", das gefühlvolle Leonhard Cohen-Cover auf der zweiten Disc, zählen zu meinen Favoriten...fallen zwischen den restlichen Songs aber nicht ausserordentlich auf. Was kein Wunder ist, denn Bonamassa veröffentlicht üblicherweise keine zweite Wahl. Wer den Mann einmal Live gesehen hat wird wissen wovon ich rede.


Und damit kommen wir zu einer Sache, die ein wenig Grund zur Klage bereitet: Die Soundqualität lässt sich mit leicht muffig wohl am besten beschreiben. Ich habe zuhause verschieden Personen um deren Meinung gebeten, einige zitierten die bekannte Wolldecke auf dem Lautsprecher. Dies fällt mir bei Bonamassa übrigens bereits zum wiederholten Mal auf, bei "Black Rock" und auch "Dust Bowl" hatte ich ebenfalls das Gefühl Watte in den Ohren zu haben. Das nervt und schmälert den ansonsten tollen Eindruck, den "Live From New York - Beacon Theatre" hinterlässt. Zwei Punkte Abzug von der ansonsten vollen Punktzahl.
Bernd Fischer