Sonntag, 20. September 2015

Joe Bonamassa - Live At Radio City Music Hall

Band : Joe Bonamassa
Album : Live At Radio City Music Hall
Spielzeit : CD 76:13 Min. + DVD 105:46 Min.
Plattenfirma : Provogue / Mascot
Veröffentlichung : 25.09.2015
Homepage : www.jbonamassa.com

Wertung : 10 von 10

Trackliste CD:
  1. I Can't Be Satisfied
  2. One Less Cross To Bear
  3. Living On The Moon
  4. I Gave Up Everything For You, 'Cept The Blues
  5. Dust Bowl
  6. Trouble Town
  7. Still Water
  8. Different Shades Of Blue
  9. Happier Times
  10. Never Give All Your Heart
  11. Hidden Charmes
  12. Love Ain't A Love Song
  13. So, What Would I Do ?
Trackliste DVD:
  1. Bite The Big Apple
  2. Dust Bowl
  3. Trouble Town
  4. Still Water
  5. Different Shades Of Blue
  6. The Huckleberries - Introducing The Acoustic Band
  7. Black Lung Heartache
  8. Happier Times
  9. Never Give All Your Heart
  10. Hidden Charmes
  11. Living On The Moon
  12. I Can't Be Satisfied
  13. Double Trouble
  14. One Less Cross To Bear
  15. Love Ain't A Love Song
  16. Introducing The Electric Band
  17. "Happy Birthday Mom"
  18. I Gave Up Everything For You, 'Cept The Blues
  19. So, What Would You Do ?

Ja, er ist es. Er ist der neue Musik-Messias. Der die Massen begeistert, die Hallen füllt und die fette Kohle macht. Den die wahren Bluesfans disliken, weil er den Blues verrät mit seinem Veröffentlichungswahn, mit seiner überlegenen Arroganz, seinem schicken Anzug und seinem ganzen Erfolg. Wie ätzend muss das sein für diese Leute, denn deutlich mehr Musikhörer lieben Joe Bonamassa aus gutem Grund. Sie lieben einen der Besten, wenn nicht gar den Besten im großen Rund der Musik-Giganten. 

Bonamassa selbst wird das immer noch völlig egal sein, er will ja sowieso nur Musik machen. Und bringt dieser Tage sein (zählt man Tour De Force nicht als Vierfach-, sondern Einzelalbum) sage und schreibe ACHTES Live-Album heraus. Mit 28 Jahren wohlgemerkt. Davon abgesehen stellt er eine massive Bereicherung für unsere Musikszene dar. Mahalia Barnes, Beth Hart, Rock Candy Funk Party, Black Country Communion lauten die Namen seiner Projekte, von "kleineren" Auftritten auf Platten von Sandy Thom, Pushking, Leslie West, Tommi Bolin, James Cotton, Johnny Winter, Jimmy Barnes und vielen anderen ganz zu schweigen. 

Bonamassa hier, Bonamassa da...Hype oder verdienter Ruhm ?

Ich hatte im September letzten Jahres das Vergnügen, Joe Bonamassa zu sehen. Die ausverkaufte Halle Münsterland strömte schon weit vor Showstart eine selten erlebte Atmosphäre aus. Die Leute drängelten sich um das auf der Bühne präsentierte Arsenal verschiedenster Instrumente in der Erwartung, den Hauptact und seinen Support in einer Person zu sehen. Das war schon weit vor der Show etwas ganz Besonderes. Hinzu kam, daß ein akustischer-, und ein elektrischer Showteil angekündigt war. Es wurde ein unvergesslicher Abend...

Halle Münsterland, 29.09.2014, kurz vor der Show

Und als wäre es Gestern gewesen, bringt Live At Radio City Music Hall das erlebte Konzert exakt auf den Punkt. Nicht Münster aber fast ;-). 23./24. Januar 2015, im Herzen von Manhattan, New York. Joe Bonamassa, gebürtiger New Yorker, erfüllt sich einen langgehegten Traum und spielt zwei aufeinanderfolgende Shows in der altehrwürdigen Konzertarena, die viele Stars gesehen hat. Und nun reiht sich Joe Bonamassa in die Riege der Größten ein. Frank Sinatra, Ella Fitzgerald, B.B.King, Ray Charles, Liza Minelli...um nur die bekanntesten zu nennen. 

Ihm selber lag einiges daran: "I am extremely honored by a lot of things in my career, but honestly, as a born New Yorker, getting the opportunity to play the world s premier concert theater will always be something I look back on and cherish. Thank you to the ten thousand people that came out over those two nights. It was a great honor"

Wir sehen einen hochmotivierten Ausnahmemusiker, der weiss was er seinen zahlenden Gästen zu bieten hat, der mit Herz und unfassbar viel Talent gesegnet, einen Mix aus Klassikern und vorher nie dargebotenen Songs präsentiert. Mit One Less Cross To Bear und Still Water (grandios) sind gar zwei ganz neue Songs zu hören. Doch was wäre ein Joe Bonamassa ohne die Spitzenmusiker, Techniker und weiteren Hilfskräfte bis hin zur Bekleidungsassistentin (die ihm auch die Hemden bügelt), die ihm stets zur Seite stehen ? Dann der riesige Fundus erlesener Songperlen, auf die der Mann zurückgreifen darf, welche Vielfalt verschiedener Stimmungen er so umsetzen kann. Hört Euch nur Still Water an, mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke, wie mich der Song wohl ergriffen hätte, wenn er ihn in Münster gespielt hätte. 

Die ständigen Rufe von wegen Ausverkauf oder sonnenbebrillter Arroganz interessieren mich da ehrlich gesagt herzlich wenig. Bonamassa macht, daß Funken springen, daß die großen Jungs ihre Mädels in den Arm nehmen und die Menge eine schöne Zeit hat. Vor allem aber tut er dies auf allerhöchstem Niveau. In der Hoffnung dass er dies noch sehr sehr lange durchzieht, schaue ich mir noch schnell die 45-Minütige "Joe Bites The Big Apple - Behind The Scenes" - Zugabe an, sehe einen ergriffenen Joe, dessen Eltern ihrem Sprössling Backstage die antike Trompete und ein altes Bandfoto des Urgroßvaters überreichen. Ich erfahre, dass die Bonamassas seit mehreren Generationen im Musikbusiness aktiv waren und stelle fest, wieviel Gegenwert Live At Radio City Music Hall den Fans und solchen, die es werden wollen, bietet.

Genug erzählt, ich habe fertig. 10 Points.


Bernd

Samstag, 12. September 2015

Lynch Mob - Rebel

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Band: Lynch Mob
Album: Rebel
Spielzeit: 51:45 min.
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 21.08.2015
Homepage: https://www.facebook.com/LynchMobBand?fref=ts

  
WERTUNG: 6 von 10



 
 
Tracklist:

01. Automatic Fix
02. Between the Truth and a Lie
03. Testify
04. Sanctuary
05. Pine Tree Avenue
06. Jelly Roll
07. Dirty Money
08. The Hollow Queen
09. The Ledge
10. Kingdom of Slaves
11. War



George "Schorsch" Lynch war ja in den letzten Jahren ein äußerst vielbeschäftigtes Kerlchen. Sei es jetzt Projekte als "KXM" mit Doug Pinnick oder "Sweet/Lynch", aber auch mit Guitar Clinics war er viel unterwegs. Die Rechnungen wollen ja auch bezahlt werden.

Trotz der Vielzahl der Projekte und seines nach wie vor famosen Gitarrenspiels war jedoch ein richtiger Knaller für mich leider nicht dabei. Daran ändert auch "Rebel", die neue Scheibe seiner Hauptband Lynch Mob, leider nichts.

War "Sweet/Lynch" noch auf traditionellen Melodicrock ausgerichtet so ist die neue Lynch-Mob-Scheibe eine Mischung aus bluesigem Heavy Rock mit modernen Untertönen.

Mein Hauptkritikpunkt an der CD ist die doch über weite Strecken vorherrschende immer gleiche Tempoführung der Songs, die sich meist im Midtempobereich bewegen und über weite Strecken auch nicht wirklich aufregende Refrains bieten.

Wird ab und an doch einmal aus dem sehr engen rythmischen Konzept ausgebrochen, sind gleich entsprechende Höhepunkt vorhanden, welche leider doch zu selten geboten werden.


Doch im Einzelnen:
Zum Opener "Automatic Fix" gibt es ein gelungenes Video (siehe unten). Der Song gibt die Marschrichtung vor, die die nächsten 50 min aus den Lautsprechern dröhnen wird: Midtempo, der gutklassige Gesang von Oni Logan und doch ein eher trister Refrain. Nicht gerade der Stoff aus dem Legenden gemacht werden. "Between the Truth and The Lie" schlägt in die selbe Kerbe, groovt jedoch bei Weitem besser.
Spätestens jetzt wäre Zeit gewesen für einen Tempowechsel, doch mit "Testify" folgt der nächste zähe Track, der zudem noch fast ohne jeglichen Refrain auskommt. Reichlich unausgegoren das Ganze und eher wie eine Jamsession wirkend. Leider langweilig.

Mit "Sanctuary" wird endlich das Tempo angezogen. Das Stück wäre als Opener viel besser aufgehoben gewesen als erst an vierter Stelle.

Ein Coverdale-artiger Schrei eröffnet die nächste Midtempo-Heavy-Blues-Nummer namens "Pine Tree Avenue", die tatsächlich etwas an Whitesnake erinnert, der Refrain kommt sehr cool aus der Hüfte. Letztlich einer der besseren Stücke auf "Rebel".

"Jelly Roll" kann man leider wieder nur als Füller werten, klar stimmt das Riffing und der Gesang ist klasse, aber der Song ist ziemlich einfallslos und austauschbar. Bei "Dirty Money", der (welch Überraschung) sich auch im üblichen Tempobereich bewegt, ist wenigstens der Refrain als gelungen zu bezeichnen. Warum man einen Sänger wie Mr. Logan jedoch mit verfremdeten Vocal-Effekten unterlegt, erklärt sich mir nicht wirklich. Reichlich überflüssig und eher gezwungen auf modern getrimmt.

"The Hollow Queen" ist auch nicht wirklich ein Burner, der Song führt irgendwie ins Nirvana ohne positiv oder negativ aufzufallen. Tempo? Ich schreibe es lieber nicht, denn ihr wisst es bereits.

Mit "The Ledge" ist dann die einzige Ballade am Start, die jedoch recht gut ausgefallen ist und endlich auch über einen Refrain verfügt, den man sich einprägen kann. Auf der Habenseite zu verbuchen!

Kaum ist diese Highlight verklungen so ist wieder Tristesse angesagt, "Kingdom of Slaves" ist zäh wie Lava und erneut nur ein Füllsong, der mir wirklich nichts gibt und die Skiptaste herausfordert. 

Leider typisch für die Scheibe ist , dass man den besten Track mit "War" am Schluss versteckt hat. Ein treibender Song mit abwechslungsreicher Gitarrenarbeit und einen gelungenen Refrain. Mehr von der Sorte und "Rebel" wäre ein wirklich gutklassiges Album geworden.

So herrscht auf "Rebel" leider oftmals große Langweile, was auch die äußerst gute Produktion und die instrumentalen Fähigkeiten der Protagonisten nicht mehr herausreissen können. Übrigens ist auch Jeff Pilson am Bass vertreten, so dass wir es damit mit 50% Dokken zu tun haben. Deren Reunion -Scheibe (die sicher irgendwann einmal kommen wird) sollte aber besser als "Rebel" sein.

Mehr wie 6 Punkte ist aufgrund der oben angesprochenen Mängel leider nicht wirklich drin. Schade.....


Martin


Sonntag, 6. September 2015

Thundermother - Road Fever


Band: Thundermother
Album: Road Fever
Spielzeit: 30:28 min.
Plattenfirma: Despotz Records
Veröffentlichung: 04.09.2015
Homepage: www.thundermother.com

 

WERTUNG: 8 von 10


Tracklist:

1. It's Just A Tease
2. FFWF
3. Alright Alright
4. Deal With The Devil
5. Give Me Some Light
6. Roadkill
7. Enemy
8. Vagabond
9. Thunder Machine
10. Rock'N'Roll Sisterhood



Die Schweden sind doch immer für eine Überraschung gut, zumindest im Rock-Bereich. Und so flatterte mir unlängst die zweite Scheibe der All-Girl-Band THUNDERMOTHER auf den Tisch. Und im Nachhinein muss ich sagen, dass es schade ist, dass ich das Debüt der Schwedinnen "Rock N Roll Disaster" 2014 übersehen habe. Denn die Mädels um Fronterin Clare Cunningham und Gitarristin Filippa Nässil ziehen ordentlich vom Leder. Auf den Spuren von Bands wie alten AC/DC (zu Bon Scott Zeiten), BULLETT oder auch AIRBOURNE rocken sich die Fünf durch knapp über 30 Minuten. Dreckig, laut und kompromisslos. 


Bereits der Opener "It's Just A Tease", der auch als Video und Single veröffentlicht wurde, zeigt vielen Möchtegernrockern wo der Hammer hängt. Wer reinhören möchte, das Video ist unter dieser Rezi zu finden. Meist bleiben THUNDERMOTHER unter der magischen 3-Minuten Grenze und machen nach den Regeln des australischen Riff-Rock alles richtig. Allerdings verpassen Sie es auch dem Ganzen etwas stärker eine eigene Note zu geben. Das sei aber auf Grund der immensen Energie und Spielfreude verziehen. Denn für jede laute Party ist "Road Fever" bestens geeignet. Die Refrains zünden, die Füße zucken mit und spätestens beim dritten Durchlauf ertappt man sich dabei bereits mitzugröhlen (je nachdem, wie hoch der Alkoholpegel mittlerweile ist). 

Neben dem Opener stechen in meinen Ohren besonders das treibende "Roadkill" hervor und der längste Song des Albums "Thunder Machine", bei dem die Schwedinnen (inkl. der nach Schweden ausgewanderten britischen Frontfrau) das Tempo etwas drosseln. Allerdings tut diese Geschwindigkeitsreduzierung zu diesem Zeitpunkt auch richtig gut und lässt mich etwas Luft holen. Schlechte Songs finde ich auf "Road Fever" zum Glück keinen einzigen. Allerdings erreichen die meisten Stücke auch noch nicht ganz das Hitpotenzial der großen Vorbilder wie AC/DC oder AIRBOURNE. Doch besonders live dürften THUNDERMOTHER ordentlich Ass kicken, wenn ich das mal so Denglisch ausdrücken darf. 

Ich kann euch die Scheibe daher wirklich ans Herz legen. Lediglich die etwas sehr kurze Spielzeit etwas etwas üppiger ausfallen können. Auf der anderen Seite ist no filler but killer immer noch besser als so manches künstlich in die Länge gezogene Album. Ganz starke 8 Punkte. Auch wenn ich das Cover der Scheibe eher unter schwach einordnen möchte, um noch einen allerletzten Kritkpunkt los zu werden. Doch jetzt wird abgerockt! 

Markus


 

Freitag, 4. September 2015

Mad Max - Thunder, Storm And Passion


Band : Mad Max
Album : Thunder, Storm And Passion
Spielzeit : 52:55 + 41:59 Min.
Plattenfirma : Steamhammer / SPV
Veröffentlichung : 28.08.2015
Homepage : www.madmaxofficial.de

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. Fly Fly Away
  2. Losing You
  3. Rolling Thunder
  4. Thoughts Of A Dying Man
  5. Never Say Never
  6. Lonely Is The Hunter
  7. Stormchild
  8. Heroes Die Lonely
  9. Burning The Stage
  10. Wait For The Night
  11. Night Of Passion
  12. Heart's On Fire
  1. Burning The Stage
  2. Night Of Passion
  3. Rolling Thunder
  4. Wait For The Night
  5. Lonely Is The Hunter
  6. Never Say Never
  7. Thoughts Of A Dying Man
  8. Fox On The Run

Münster liegt ja gerade mal eine halbe Stunde entfernt von mir, und da denkt manch einer vielleicht es wäre naheliegend, sämtliche Werke der Münsteraner Mad Max in- und auswendig zu kennen. Rollin' Thunder und Stormchild, die beiden Platten aus der Frühphase ('84,'85) der Band, die ich nach dem Willen meines damaligen Berufsschul-Kollegen "unbedingt und sofort kaufen" musste, gehörten auch jahrelang zu meiner Sammlung, danach verlor ich die Jungs aber aus den Augen.

Der melodiöse Metal, für den Mad Max standen (und stehen), hatte es mir dann doch nicht so sehr angetan, "Poserkacke" war das damals für Thrash Metal Fans. Dennoch sind viele gute Songs hängengeblieben, Rollin' Thunder habe ich mir neulich denn auch nachgekauft. Als ich dieser Tage las, dass die Jungs die besten Stücke ihrer Alben Rollin' Thunder, Stormchild und Night Of Passion neu eingespielt haben, war im Grunde klar dass ich da mal reinhören sollte.

Thunder, Storm And Passion kommt im Doppelpack, auf der ersten CD gibt es erwähnte Klassiker, CD2 bietet ein klasse Konzert des Bang Your Head Gigs aus dem Jahre 2014.


Die Frage bei Neueinspielungen ist ja, was sich Band und Käufer davon versprechen. Ich habe durchaus ein wenig schlucken müssen als ich Sänger Michael Voss nach so langer Zeit wiedergehört habe und er mit seinen ersten, deutlich rauheren Tönen in Fly Fly Away oder Rolling Thunder einstieg. Es liegen immerhin satte 31 Jahre zwischen Original- und Neuaufnahme, was man seiner Stimme deutlich anhört. Ich meine das aber überhaupt nicht negativ, denn Voss kann es immer noch, ich finde ihn heute nicht schlechter als früher. Eben anders. Ich schwelge denn auch schnell in alten Zeiten, als ich Mad Max in meinem alten Audi80 aufgedreht habe. Fans werden sowieso zugreifen und wer die Jungs um Gitarrist und Bandgründer Jürgen Breforth bisher noch nicht kennt, kann hier einen schönen Einstieg finden. Ausserdem sollte man die Augen offen halten, vielleicht finden sich die alten Originalplatten ja noch irgendwo, da lohnt der Zugriff nämlich auf jeden Fall.
Mein ewiges Highlight, Thoughts Of A Dying Man habe ich auch in dieser Version als echte Perle ausgemacht und mit den letzten vier Tracks die Höhepunkte des mir unbekannten vierten Albums Stormchild kennengelernt. 

Selbst wenn es Mad Max nicht ganz an die Spitze der deutschen Metalbands geschafft haben, woran auch immer das gelegen hat, möchte ich sagen: An der Qualität ihrer Musik hat es nicht gelegen.

Ich darf Mad Max gratulieren, die Aktion hat sich gelohnt. Dazu gibt es eine zweite CD, die einen knackigen Live-Mix der Mad Max Classics enthält, plus dem The Sweet Cover und damaligen Hit Fox On The Run (wurde übrigens seinerzeit auf einer tollen Picture Disc angeboten, die ich leider ebenfalls verscheuert habe...).

Leute, nehmt Euch einfach mal einen Moment Zeit und hört in Thunder, Storm And Passion rein. Wer auf Bands wie Dokken, Bonfire oder von mir aus auch Bon Jovi steht, liegt hier garantiert richtig.


Bernd Fischer

Montag, 24. August 2015

Praying Mantis - Legacy


Band: Praying Mantis
Album: Legacy
Spielzeit: 56:46 min.
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 21.08.2015
Homepage: www.praying-mantis.com

Wertung: 7 von 10


Tracklist:

01. Fight For Your Honour
02. The One
03. Believable
04. Tokyo
05. Better Man
06. All I See
07. Eyes Of A Child
08. The Runner
09. Against The World
10. Fallen Angel
11. Second Time Around


Groß vorstellen muss ich die NWOBHM Urgesteine PRAYING MANTIS wahrlich nicht, obwohl ihnen der große Erfolg bisher immer verwehrt geblieben ist. Allerdings haben die Briten in ihrer über 30-jährigen Bandhistorie so manches klasse Album veröffentlicht und richtig schlechte Songs muss man bei ihnen ganz lang suchen. Gerade wenn ich an Alben wie "To The Power Of Ten" denke, bei denen der kongeniale GARY JOHN BARDEN die Mikroarbeit übernahm, komme ich regelmäßig ins Schwärmen. 

Anno 2015 steht nun der neue Longplayer in den Läden und die gravierendste Änderung ist sicherlich der neue Mann hinterm Mikrofon namens John Cuijpers. Manche kennen ihn vielleicht noch von AYREON. Egal, um es vorweg zu nehmen, der Holländer liefert einen echt guten Job ab. Bezeichnend legen PRAYING MANTIS auch mit "Fight For Your Honour" fulminant los. Die ungewohnte Härte passt wunderbar zu Mr. Cuijpers Organ und die tolle Gitarrenarbeit (eigentlich wie immer) tut ein übriges, um den Song zu einem Highlight in der langen Diskografie werden zu lassen. Leider nehmen die Herren beim folgenden "The One" dann erst mal den Gang raus und liefern eine Powerballade ab, die mich zu sehr an den üblichen Frontiers Melodic Rock erinnert. Nicht schlecht, aber so ähnlich eben schon hundert Male gehört. Das folgende "Believable" läuft gar beim zwanzigsten Durchlauf völlig an mir vorbei. Wo sind die magischen Momente geblieben? Irgendwie im klassischen Frontiers Sound verschwunden und die NWOBHM Einflüsse sind auch schwer heraus zu hören. Glücklicherweise folgt nach dem ebenfalls durchschnittlichen "Tokyo" mit "Better Man" endlich wieder ein Song, der hängen bleibt. 

Nein, natürlich haben PRAYING MANTIS ihr Handwerk nicht verlernt, aber im Vergleich zu alten Großtaten kann mich dieser Teil bei "Legacy" nicht überzeugen. Gut, aber nicht überragend sind dann auch "All I See" und "Eyes Of A Child". Dann bekommen die Briten aber nochmal die Kurve und liefern mit dem grandiosen "The Runner" (meinem Favoriten auf dem Album) und "Against The World" geniale Songs ab, bei denen auch der typische NWOBHM Sound wieder zur Genüge zur Geltung kommt. Selbstverständlich wieder garniert mit herrlichen Melodien, die ja trotz aller Kritik auch "Legacy" auszeichnen. Und so kann ich nach dem abschließenden treibenden "Second Time Around", welches mich zum Dauerwippen einlädt, doch noch gute 7 Punkte zücken. Vielleicht sind meine Erwartungen auch etwas zu hoch gewesen. Ach ja, eines noch bleibt unverändert: Das geniale Cover von Fantasy-Guru Rodney Matthews passt wie die Faust aufs Auge.

Markus


 

Freitag, 21. August 2015

The Robert Cray Band - 4 Nights Of 40 Years Live

 

Band : Robert Cray Band
Album/DVD : 4 Night Of 40 Years Live

Spielzeit : 42:20 / 94Min.
Plattenfirma : Provogue / Mascot Label Group / Roughtrade
Veröffentlichung : 28.08.2015
Homepage : www.robertcray.com

Wertung : 8 von 10


Trackliste:
  1. Shiver
  2. R.U. (I'll Always Remember You)
  3. Poor Johnny
  4. Won't Be Coming Home
  5. The Road Down
  6. Sittin On The Top Of The World
  7. Wrap It Up
  8. Love Gone To Waste
  9. Bad Influence
  10. These Things
  11. Right Next Door
  12. Forecast Calls For Pain
  13. Time Takes Two

Welch unterschiedliche Stimmungs- und Gefühlslagen der Blues transportieren kann, wurde mir in den letzten Tagen mal wieder klar. In regelmäßigen Abständen, und dieses Phänomen liebe ich ganz besonders an meinem Hobby, taucht hier ein unbekannter Künstler, da eine junge Band oder dort ein etablierter Musiker, den ich aus welchen Gründen auch immer all die Jahre übersehen habe, auf. 

So auch Robert Cray

Chef Markus fragte an, ob ich nicht Lust hätte, dessen neue CD zu rezensieren. Ich hatte Zeit, also war die Sache klar. Und kaum lag 4 Nights Of 40 Years Live in meinem Player, rieb ich mir verwundert die Augen. Ich stehe an und für sich eher auf etwas rauheren Blues / Bluesrock, gitarrenorientiert und gerne was flotter. Und da zieht plötzlich ein Robert Cray mit seinem soulgetränkten und leicht angepoppten Rhythm & Blues in mein Wohnzimmer ein und haut mich frech vom Hocker.

"It's not pure Blues, it's got Soul, it's got Hendrix in there, it's got Pop, Melodies, Sensibilities and that kind of thing too..." so Robert Cray über sich selbst (siehe DVD).  

Der 62-jährige stammt aus Georgia, spielt seit seiner Jugendzeit Gitarre und veröffentlichte seit 1978 mehr als zwanzig Alben, von denen vier mit einem Grammy und er selber mit der Aufnahme in die Blues Hall Of Fame ausgezeichnet wurden. Der anfänglich eher schüchterne Cray entwickelte im Laufe der Jahre, in denen er mit vielen Größen der Bluesszene kooperierte, einen eigenständigen Sound, dem seine unverkennbare Stimme den entscheidenden Stempel aufdrückt. Sein 40-jähriges Bühnenjubiläum feiert der hochtalentierte Musiker nun in Form einer Doppel-CD inklusive DVD (sowie LP, MP3 und BluRay), auf denen ein Querschnitt seiner musikalischen Vergangenheit zu bewundern ist. Wir hören Aufnahmen aus dem Jahre 2014, aufgenommen in vier verschiedenen "Venues" in L.A. / California. Zusätzlich wartet die Kaufversion noch mit einer zweiten CD auf, die Konzertmitschnitte aus den Achtzigerjahren bietet. Diese liegt der Promo-Version leider nicht bei, warum auch immer.



Die hervorragende Aufnahmequalität der vorliegenden CD erlaubt es dem Hörer, sich mittendrin zu fühlen, und so wird man Zeuge einer augenscheinlich relaxten Atmosphäre, die jedoch Dank der hervorragenden Stammband, bestehend aus Richard Cousins (Bass), Dover Weinberg (Keyboard) und Les Falconer (Schlagzeug) sowie diversen Gastmusikern, darunter Kim Wilson von den Fabulous Thunderbirds, Harpist Lee Oskar, einer erfrischenden Bläsersektion sowie dem hochmotivierten Robert Cray ein konzentriertes Zuhören nahezu einfordert. Über alledem schweben bärenstarke Songs, die es wert sind, gehört zu werden. Crays größten Hit Don't Be Afraid Of The Dark sucht man zwar vergeblich, dafür sorgen das überragende Poor Johnny, Wrap It Up mit Kim Wislon am Mic, das von Bläsern (Tenor Saxophonist Trevor Lawrence, Trompeter Steve Madaio und Saxophonist Tom Scott) dominierte Love Gone To Waste und der frühe Hit Bad Influence für einen tollen Querschnitt der langen Karriere Robert Crays

Die beiliegende DVD erlaubt eine interessante Sichtweise auf einen sensiblen als auch zielstrebigen Musiker. Neben wunderbaren Aufnahmen vom San Francisco Blues Festival oder einer holländischen TV Show, der frühen Phase, sehen wir Kommentare von Robert Cray himself, Eric Clapton, Keith Richards, Bonnie Raitt, Jimmie Vaughan und Buddy Guy. Insgesamt also eine lohnenswerte Angelegenheit und ein super Einstieg für Leute, die mit dem Blues anfangen oder denen, die Ihre Leidenschaft um ein feines Kapitel erweitern möchten.


Bernd Fischer

Montag, 10. August 2015

Led Zeppelin - Coda (2015 Remaster - Deluxe 3CD Edition)

Band: Led Zeppelin
Album: Coda
Spielzeit: 97:04 min

Plattenfirma: Warner
Veröffentlichung: 31.07.2015
Homepage: www.ledzeppelin.com




WERTUNG: Würdiger Schlussakkord der Re-Issue-Reihe mit hochwertigem Bonusmaterial auf zwei Zusatz-CD's.


Tracklist: 


CD One:

01. We're Gonna Groove
02. Poor Tom
03. I Can't Quit You Baby
04. Walter's Walk
05. Ozone Baby
06. Darlene
07. Bonzo's Montreux
08. Wearing And Tearing



CD Two (Companion Audio)

01. We're Gonna Groove (Alternate Mix)
02. If It Keeps On Raining (When The Levee Breaks - Rough Mix)
03. Bonzo's Montreux (Mix Construction In Progress)
04. Baby Come On Home
05. Sugar Mama (Mix)
06. Poor Tom (Instrumental Mix)
07. Travelling Riverside Blues (BBC Session)
08. Hey, Hey, What Can I Do



CD Three (Companion Audio)

01. Four Hands (Four Sticks - Bombay Orchestra)
02. Friends (Bombay Orchestra)
03. St. Tristan's Sword (Rough Mix)
04. Desire (The Wanton Song - Rough Mix)
05. Bring It On Home (Rough Mix)
06. Walter's Walk (Rough Mix)
07. Everybody Makes It Through (In The Light - Rough Mix)



Mit "Coda" kommt die letzte Led Zeppelin-Studioveröffentlichung auf den Markt.  Wie es der Titel bereits suggeriert ("Coda" bedeutet in der Musiktheorie etwa soviel wie "Nachschlag" nach dem Hauptstück) handelt es sich um verschiedene Outtakes von Songs, welche in Fankreisen bereits länger kursierten. Letztlich wurde so auch den Bootleggern der Riegel vorgeschoben.

Zudem waren Led Zep noch verpflichtet ein Album bei Atlantic abzuliefern, was mit vorliegender Scheibe zwei Jahre nach dem Tod von John Bonham auch geschah. 
Interessant ist die Scheibe durch und durch, wenngleich sie natürlich kein vollwertiges Led Zeppelin-Werk darstellt sondern letztlich nur für die harten Fans gemacht wurde.

"We're Gonna Groove" ist ein Song, welcher bereits 1970 live zu hören war. Hier aufgenommen in der Royal Albert Hall, allerdings mit im Studio nachvertonten Gitarrenspuren. Am selben Ort wurde "I Can't Quit You Babe" aufgenommen, nicht wie fälschlich erst vermeldet vom Soundcheck zum Konzert sondern vom Konzert selbst. 

Das akustisch gehaltene "Poor Tom" stammt von den Sessions zu "III", der treibende Rocker "Walter's Walk" fand für "Houses Of The Holy" keine Verwendung und schlummerte lange in den Archiven.

"Ozone Baby", "Darlene" und "Wearing and Tearing" wurden allesamt während der Sessions zu "In Through The Outdoor" aufgenommen, ohne es aber auf die finale Scheibe zu schaffen. Im Falle von "Ozone Baby" durchaus nicht nachvollziehbar, ist der Song doch sehr hitverdächtig und das Highlight auf "Coda". "Darlene" und "Wearing and Tearing" (eines der flottesten Led Zeppelin Tracks überhaupt) wirken doch etwas unfertig sind aber nichtsdestotrotz allesamt interessant im Kontext der großartigen Led Zeppelin-Historie. 

 

Das Bonham'sche Schlagzeugsolo" Bonzo's Montreux" wurde in den dortigen Mountain-Studios in der Schweiz aufgenommen und mit Gitarreneffekten von Meister Page ergänzt.

 

Zwar ist das reguläre Album bereits nach gut 32 Minuten vorbei, doch verwöhnt uns Jimmy Page in der mir zur Verfügung gestellten Deluxe-Edition gleich mit zwei Companion-Audio-Discs, die den Fan zum Kauf bewegen sollen. 

 

Hierbei handelt es sich sicherlich um das interessanteste Bonus-Material der gesamten Wiederveröffentlichungsreihe, da es über alternative Mixes um einiges hinausgeht.

Die interessantesten Bonustracks sind für mich die Nachfolgenden:

"Sugar Mama" stammt zu Zeiten der ersten Led Zep-Scheibe und hätte dort sicherlich keine schlechte Figur abgegeben - im Gegenteil. Ein noch nicht gehörtes Juwel und wohl DER Kaufanreiz für die Deluxe Version.

"Four Hands " ist der von "IV" bekannte "Four Sticks" - Track, hier allerdings aufgenommen mit dem Bombay Orchestra. Klingt herrlich schräg indisch aber durchaus interessant.

 

"Friends" von "III" schlägt in dieselbe Kerbe, auch hier wird der Song aufgepeppt von indischen Klängen. 

 

"St. Tristan's Sword" stammt von 1970 und ist ein bislang unveröffentlichtes Instrumentalstück.

 

 Aus "If It Keeps on Raining" wurde letztlich "When The Levee Breaks", hier in einer komplett anderen Version, schneller gespielt mit anderen Lyrics und zudem fast drei Minuten kürzer als der bekannte Klassiker.

 

 "Bring It On Home" ist in der Bonustrackfassung lediglich der Mittelteil des von "II"  bekannten Klassikers ohne das bluesbetonte Intro/Outro. 

 

Die übrigen Bonusstücke stellen entweder erneut Rough Mixes dar oder waren bereits bekannt von verschiedenen Compilations (z.B. "Baby Come On Home" von den BBC Sessions oder "Travelling Riverside Blues"vom 1990er Boxset bzw. der "Definitive Collection" aus 2008).

 

 Alles in Allem wird mit "Coda" eine sehr gelunge Re-Issue-Reihe abgeschlossen, die zwar den harten Fan aufgrund des manchmal etwas unspektakulären Bonusmaterials nicht ausschliesslich zu Jubelstürmen hinriss aber ansonsten durchaus für alle Fanschichten von hohem Nutzen ist.

 

 "Coda" ist zudem mit den zwei Bonus-Discs für den Alles-Sammler die mit großem Abstand lohnenswerteste Veröffentlichung. 

 

Überflüssig zu sagen, dass es auch "Coda" wieder als Vinyl und auch als Super-Deluxe-Box (siehe auch Video unten) auf den Markt gebracht wurde.



Gespannt darf man sein, inwieweit es noch Live-Material als Nachschlag geben wird. "The Song Remains The Same" war ja nicht Gegenstand der Reihe sondern bislang ausschliesslich  die Studio-Scheiben. Gerade die letzten drei waren ja mega-erfolgreich (vgl. auch Meldung in unseren News).


Martin


 





Wucan - Sow The Wind


Band : Wucan
Album : Sow The Wind
Spielzeit : 42:42 Min.
Plattenfirma : Hänsel & Gretel / MIG
Veröffentlichung : 11.09.2015
Homepage : www.wucan-music.de

Wertung : 9 von 10

Trackliste : 

  1. Father Storm 
  2. Owl Eyes
  3. Looking In The Past
  4. Face In The Kraut
  5. King Korea
  6. Wandersmann

Das Interesse unserer Leser an Vikarma, der ersten Wucan-Veröffentlichung (EP), war riesengroß, weshalb viele von Euch sicher wissen möchten wie es weitergeht mit den Dresdnern und wann Sängerin, Gitarristin und Quer-Flötistin Francis Tobolsky, Gitarrist Tim George, Bassist Patrik Dröge und Schlagzeuger Leo Veassen ihr Debutalbum nachlegen. 

Der Sow The Wind benannte Longplayer ist fertig und steht ab dem 11.September in den Regalen. Wir verraten an dieser Stelle nicht zu viel, dass sich ein schnellstmöglicher Zugriff die CD bzw. Vinylscheibe lohnt. Der Wucan'sche Kraut-, Psychedelic- und Folkrock-Mix wird von der Band selbst als "Kräuterrock with a pinch of Confusion" umschrieben und wer auch immer darauf gekommen sein mag, ich finde es passt irgendwie. Zum lustigen Barbapapa-Cover sowieso. Sechs Titel lang rumpeln und rocken, riffen und flöten sich Wucan den permanenten Vergleich mit Jethro Tull vom Leib und begleiten uns durch die verschiedenen Antlitze ihrer vielfältigen Musik. Von Anfang an dominiert bodenständiger Riff-Rock mit satter E-Gitarre und solidem, äussert geil groovendem Fundament als gleichberechtigtem Partner. Father Storm bohrt sich furios durch die Gehörgänge und nach wenigen Sekunden ist klar; Wucan wollen es schon wieder wissen.

Uptempo-"Kräuterrock" und Francis' rollende Querflöte machen im Wechsel mit ruhigeren Passagen einfach Laune und kaum wundert man sich ob des energischen Openers, legen die Vier mit dem zweiten Kracher Owl Eyes noch eins drauf. Wer sein Hungergefühl jemals irrtümlicherweise mittels Kumpels' rumliegender Space-Cakes gestillt hat, wird wissen, welch anregende Wirkung Musik haben kann...der gesamte Longplayer dürfte unter Anhängern bewusstseinserweiternder Klänge schnell Anklang finden. Die an Black Sabbath meets Hawkwind erinnernde Nummer groovt ebenfalls ohne Ende und knüpft nahtlos an den ersten Song an. 
Mit den folgenden drei Stücken kippt die Stimmung der Scheibe dann Stück für Stück in die psychedelische Schiene und mich hält es kaum noch auf meinem Stuhl...Leute, das Ganze wächst und wächst mit jedem Hördurchgang. Looking In The Past allein raubt mir mit seiner hypnotisch-repetiven Rhythmik, die sich kontinuierlich hochschaukelt, fast sechs Minuten lang den Verstand, leitet zudem aber noch wunderbar das folgende Face In The Kraut ein. Als hätte es lediglich ein Break gegeben, führt der Song die aufgebaute Stimmung fort, um zum Ende hin ein wenig abzuflachen. Hier verfällt der Wucan-Sound zum erstenmal in eine wenig spektakuläre Ruhestellung und so endet der vierte Song ein wenig trocken. Das Finale muss aufgrund von King Korea, einem bedächtig beginnenden Siebenminüter noch etwas warten. Wir dürfen dafür Francis' gesanglichen Leistungen frönen und feststellen dass die Dame sich enorm gesteigert hat. Die anfänglich dunkle Stimmungslage des Songs bringt sie ebenso wie das deutlich agressivere Ende auf den Punkt.
 

Wandersmann. Finale Furioso, Opus Magnum, wie auch immer man solche Stücke nennen mag, Wucan haben sich mit dieser letzten Nummer ein solches geschaffen.
Knapp sechzehn Minuten lang gehen wir mit der Band auf eine total durchgeknallte Reise quer durch die Landkarte ihrer vielfältigen Möglichkeiten. Immer wieder Francis Querflöte, immer wieder Gitarre und Bass im Wechsel mit sich ins Hirn fräsenden, thereminverzerrten Kreischorgien. Tempiwechsel, Sprechgesang, Abhandlungen über die indische Maya-Philosphie...dann wieder der fette Bass, das dienliche aber präsente Schlagzeug. Ich bin ja so auf die Vinylscheibe gespannt. Wenn die ansatzweise so fett klingt, wie die CD erahnen lässt, hat die Produktion unter Richard Behrens als auch das Mastering von Andreas "Lupo" Lubich die Höchstnote verdient. Langer Rede kurzer Sinn, Wandersmann setzt lediglich den wahnwitzigen Schlusspunkt unter eine tolle Platte, die man mittels mehrerer Durchläufe wachsen lassen sollte. Sow The Wind bestätigt, was von Anfang an klar war: Wucan können richtig was, haben mit Vikarma 2014 den Grundstein gelegt und nun eine saustarke LP am Start. 

Dringende Kaufempfehlung ! 


Bernd Fischer

Freitag, 7. August 2015

Led Zeppelin - In Through The Out Door (2015 Remaster - Deluxe 2 CD Edition)

Band: Led Zeppelin
Album: In Through The Out Door
Spielzeit: 85:21 min
 
Plattenfirma: Warner  
Veröffentlichung: 31.07.2015
Homepage: www.ledzeppelin.com



WERTUNG: 

Die letzte "richtige" Led Zep-Scheibe. Kein echter Klassiker mehr aber durchaus Backkatalog-würdig.



Tracklist: 


CD One:

01. In The Evening
02. South Bound Saurez
03. Fool In The Rain
04. Hot Dog
05. Carouselambra
06. All My Love
07. I'm Gonna Crawl



CD Two (Companion audio):

01. In The Evening (Rough Mix)
02. Southbound Piano (South Bound Saurez - Rough Mix)
03. Fool In The Rain (Rough Mix)
04. Hot Dog (Rough Mix)
05. The Epic (Carouselambra - Rough Mix)
06. The Hook (All My Love - Rough Mix)
07. Blot (I'm Gonna Crawl - Rough Mix)


"In through The Out Door" ist die letzte Studioscheibe von Led Zeppelin mit originalem Material, die vor dem Tod von John Bonham erschienen ist. Berühmt für das "Bootleg-Cover" in der braunen Papierhülle, welche auch beim Re-Issue dem Original bis ins Detail nachempfunden wurde, erschien die LP im Jahr 1979 rechtzeitig zu den legendären Auftritten in Knebworth/UK. Die Band hatte harte Zeiten hinter sich: Jimmy Page bekämpfte weiterhin seine Heroinsucht, John Bonham war dem Alkohol verfallen und Robert Plant war noch immer in Trauer über seinen 1977 verstorbenen Sohn Karac.
Den widrigen Umständen zum Trotz ist "in Through The Out Door" durchaus ein würdiges Led Zeppelin Album geworden, auch wenn es hinter den absoluten Klassikers der Band letztlich doch um einiges zurückstecken muss.
War der Vorgänger "Presence" sehr auf Jimmy Page zugeschnitten, insbesondere was Gitarrenlastigkeit und Härte anging, so wurde "In Through The Outdoor" wieder variabler und ließ auch John Paul Jones wieder mehr Freiheit zum Input.

Der epische Opener "In The Evening" braucht zwar einige Umdrehungen, ehe er nach seinem langen Keyboard-Intro auf Touren kommt , ist jedoch ein würdiger Eröffnungssong.
Das Honkey-Tonk-lastige "South Bound Saurez" überzeugt mit offensivem Piano-Einsatz, was dem Vorgänger komplett abging. Das relaxte "Fool In The Rain" hat leichtes Reggae-Sommerfeeling, ehe bei "Hot Dog" wieder Boogie/Rock'n Roll angesagt ist. Die Scheibe ist sehr abwechslungsreich, erreicht jedoch nicht das Niveau-Plateau von "Physical Graffity", welches, was Abwechlsung angeht, wohl den Zenit in der Zeppelin'schen Discographie darstellt.
"Carouselambra" ist, wie der Titel schon andeutet, ein Wechselbad der gefühle. Das über 10minütige Stück versucht ein Kashmir, W Lotta Love und weitere Led Zep-Klassiker in einem zu vermengen, was letztlich auch überraschend gut gelingt. Sogar vor poppigen Discoklängen, welche anno 1979 hip wurden, schreckten die Vier daabei am Ende des Songs nicht zurück. Gewöhnungsbedürftig aber gelungen.

"All Of My Love" und auch "I'm Gonna Crawl" beenden das Album eher gediegen und ruhig, bei beiden auch wieder der hohe Keyboard-Einsatz auffallend. Ist ersteres Stück eher symphonisch angelegt so gibt es beim Album-Closer nochmals Led Zep-Blues zu hören.
Ein flotterer, härterer Track hätte der Scheibe vielleicht noch etwas besser getan.

Verkaufstechnisch konnte man sich über die Performance der Scheibe nicht beklagen, die Nummer Eins-Position in den Billboard-Charts war sicher und bis heute wurden über 6 Mio Einheiten an den Mann bzw. die Frau gebracht. Eindrucksvoll.

Was das Bonusmaterial angeht, so werden sich wieder die Geister scheiden: Neue Songs gibt es keine, das Album wird auf der "Companion Disc" letztlich nochmals in verschiedenen Rough Mixes präsentiert, welche zum Teil aus Phasen stammten, zu denen die Songs noch andere Titel hatten.
Bei "Fool In the Rain", "All My Love" sowie "I'm Gonna Crawl" handelt es sich um die Mono-Mixe, bei den übrigen Songs sind unter anderem weniger Overdubs zu oder die Vocals klarer im Mix zu hören (z.B, bei "In The Evening").
Sensationelles Bonus-Material ist das in dem Fall zwar nicht, aber für den harten Fan sicherlich Grund genug um zuzuschlagen. Leider sind wieder nur recht spärliche bis keine Infos dem ansonsten wiederum sehr schicken Booklet zu entnehmen. Wie auch bei den Vorgängeralben gibt es erneut ein Boxset sowie auch ein Vinyl-Paket, so dass für jede Käuferschicht ein entsprechendes Produkt dabeisein sollte.

Der Sound ist natürlich wieder über alle Zweifel erhaben und dürfte von künftigen Re-Releases (sofern da noch jemals welche folgen sollten) wohl schwer zu toppen sein. Durchaus Referenzklase, insbesondere wenn man sich das Alter der Aufnahmen vor Augen führt.
Für Einsteiger ebenfalls absolut zu empfehlen.


Martin


 



Mittwoch, 5. August 2015

Reds'cool - Press Hard



Band: Reds'cool
Album: Press Hard
Spielzeit: 41:12 min.
Plattenfirma: PS Rec./SPV
Veröffentlichung: 28.08.2015
Homepage: www.redscool.net

Wertung: 8,5 von 10


Tracklist:

1. Dangerous One
2. My Way
3. The Way I Am
4. Brand New Start
5. Strangers Eyes
6. Call Me
7. One Night
8. Love Behind
9. No More

Bisher bin ich noch nicht über REDS'COOL gestolpert, einer Hardrock Band aus St. Petersburg, die mit dem mir nun vorliegenden Album "Press Hard" breits zum dritten Mal in Erscheinung treten. Und bei denen bereits zum zweiten Mal Studio Legende Michael Wagener (u.a. Metallica, Alice Cooper) hinter den Reglern saß und den Jungs einen ordentlichen trockenen Sound zimmerte. In dieser Hinsicht ist also schon mal alles im grünen Bereich. Und auch songtechnisch ist bei den Russen nichts im roten Bereich (auch wenn es der Bandname vermuten lies). Solider Hardrock auf einer Qualitätsstufe mit zum einen Schweizer Bands wie GOTTHARD und SHAKRA und auf der anderen Seite aber auch so manch amerikanischen Kollegen wie den Jungs von DOKKEN. Und ja, die Vergleiche sind berechtigt.


"My Way" zum Beispiel hört sich fast nach einem SHAKRA Song an, die Gitarrenläufe, die Melodien, einfach super. Etwas entspannter beginnt dann "The Way I Am". Schön vermischt mit etwas Blues klingen REDS'COOL fast schon wie die guten alten bekannten WHITESNAKE. Eigentlich müsste ich ob der Qualität der Stücke in Lobeshymnen ausbrechen, doch so ganz wollen mich die Stücke dann doch nicht packen. Anders das nun folgende "Brand New Start", welches endlich mit einem richtigen Hitrefrain ausgestattet ist und die Stimme von Frontmann Slava “Spark” Aleksanov gerade bei den melodischen Momenten seine Stärken so richtig ausspielen kann. Allerdings ist "Brand New Start" eher ein gemächlicher Midtempo Rocker mit den typischen Chören. Und gerade bei Hardrock will ich mit stürmischen Rockattacken vom Rechner weggeblasen werden. 

"Strangers Eyes" ist dann der erste Song, der wirklich an mir vorbei läuft. Auch gut gemacht, aber doch schon zu oft so ähnlich gehört. Beim wieder etwas ruhigeren "Call Me" wildern REDS'COOL fast schon in Melodic Rock Gefilden und machen genau dort eine richtig gute Figur, allerdings ist mir der Refrain etwas zu "moll-lastig". Dass es auch besser geht beweisen die folgenden "One Night" und das mächtig groovende "Love Behind". Hier zeigen die Russen, was so alles in Ihnen steckt. Und doch ist "Press Hard" für mich eine sehr schwierige Angelegenheit geworden, denn mit ihrem Sound und den meisten Songs treffen die Jungs eigentlich genau meinen Geschmack und doch fehlt irgendwie dann der letzte Kick, damit ich in Begeisterungsstürme aussbreche. Manchmal habe ich das Gefühl REDS'COOL fahren manchmal mit angezogener Handbremse und können sich nicht entscheiden ob sie lieber Hardrock oder Melodic Rock spielen möchten. 

Doch bei beiden machen Sie insgesamt gesehen eine echt gute Figur und nach mehr als einem Dutzend Durchläufen kann ich guten Gewissens fette 8,5 Punkte zücken und werde auf alle Fälle beobachten, wie es mit der Band weiter geht. Vielleicht lassen Sie sich mal auf einem Festival in Germany blicken und packen mich live dann wirklich endgültig.   

Markus

Montag, 3. August 2015

Led Zeppelin - Presence (2015 Remaster - Deluxe 2 CD Edition)

Band: Led Zeppelin
Album: Presence
Spielzeit: 76:18 min

Plattenfirma: Warner
Veröffentlichung: 31.07.2015
Homepage: www.ledzeppelin.com




WERTUNG: 

Uneingeschränkte Kaufempfehlung, der letzte echte Led-Zep Klassiker


Tracklist: 


CD One
01. Achilles Last Stand
02. For Your Life
03. Royal Orleans
04. Nobody's Fault But Mine
05. Candy Store Rock
06. Hots On For Nowhere
07. Tea For One



CD Two (Companion audio)
01. Two Ones Are Won (Achilles Last Stand - Reference Mix)
02. For Your Life (Reference Mix)
03. 10 Ribs & All/Carrot Pod Pod (Pod) (Reference Mix)
04. Royal Orleans (Reference Mix)
05. Hots On For Nowhere (Reference Mix)



Die Led Zeppelin Remasters gehen in die letzte Runde. Getreu der Chronologie macht "Presence", welches ursprünglich 1976 erschien, den Anfang. Zur damaligen Zeit herrschten im Led Zeppelin-Lager tumultartige Zustände, angefangen von den Streitigkeiten untereinander bis hin zu Robert Plants Autounfall in Griechenland im Jahr zuvor, von dem er sich immer noch nicht ganz erholt hatte während der Aufnahmen.
Doch die Truppe konnte sich zusammenraufen und lieferte mit "Presence" ihren wohl letzten grossen Klassiker ab.
Im Gegensatz zum Vorgängeralbum "Physical Graffity", wo doch vermehrt akustische und folkige Töne und auch Keyboards in nicht untergeordnetem Umfang zu hören waren, stellt "Presence" ein straightes Hard Rock Album ohne viel Firlefanz dar.

Der 10 minütige Opener "Achilles Last Stand" steht den Long-Track Klassikern der Band ala "Kashmir" in nichts nach und inbesondere Jimmy Page ist es zu verdanken, dass die Scheibe sich im hochwertigen Back-Katalog der Engländer nicht zu verstecken braucht, hat er doch die Lp auch produziert. 
Aufgenommen wurde in den bekannten Musicland Studios im Keller eines bekannten Münchner Hotels, in dem auch sehr viele Rockklassiker der Stones und insbesondere Queen entstanden.

Weitere Höhepunkte der Scheibe stellen das funkige "Royal Orleans" sowie das unterbewertete "Nobody's Fault But Mine" dar, welche beide in die Hall Of Fame des Led Zeppelin'schen Gesamtkatalogs Einzug finden sollten. 
Auch die unbekannteren Songs wie das etwas hektische "Candy Store Rock" oder das sehr trockene "For Your Life" liefern Hardrock der Spitzenklasse ab.

Mit dem Neunminüter "Tea For One" nimmt man Bezug auf die bluesigen Anfangsjahre und beschließt so ein erneut mehr als hochwertiges Album.

Verkaufstechnisch war "Presence" zwar kein absoluter  Überflieger, konnte jedoch in den Billboard Charts sowie in den heimischen Charts in Großbritannien jeweils die Spitzenposition erklimmen.

Live wurden auf der folgenden 1977er Tour überraschenderweise lediglich "Achilles Last Stand" sowie "Nobody's Fault But Mine" zum Besten gegeben, was doch für einige Verwunderung sorgte angesichts des sonstigen auch hochwertigen Materials. "For Your Life" wurde gar erst auf dem 2007er Reunion Konzert erstmal live performed.



 

Die harten Fans kaufen natürlich wieder die umfangreicheren Fassungen. Mir liegt als Rezensionexemplar die Deluxe-Doppel-CD vor. Das wie gewohnt altemberauben schön aufgemachten Digipack wurde mit hochwertigen Live- und Studiophotos aus der damaligen Phase ergänzt.
Was ich bei den ganzen Remasters etwas schade finde ist die Tatsache, dass man keinen zusätzlichen Liner-Notes von Jimmy Page, der die gesamten Projekte ja eigenhändig überwachte, finden konnte. Einige seiner Insider-Infos zur Entstehung der einzelnen Scheiben hätte ich durchaus interessant gefunden. Ebenso gibt es außer den Tracknamen keine genauen Infos zu den Bonus-Tracks.

Diese umfassen lediglich 5 Songs, was auf den ersten Blick etwas wenig erscheint, mit  
"10 Ribs & All/Carrot Pod Pod (Pod) (Reference Mix)" jedoch einen komplett unveröffentlichten (Instrumental-)Song bietet, der wohl aufgrund seiner eher soften Ausrichtung sowie der akustischen Einlagen und des enthaltenen Pianos der gewollten härteren Ausrichtung zum Opfer fiel. Jedenfalls mit Abstand das Highlight der Doppel-CD.

Beim "Royal Orleans" Reference Mix hört man John Bonham am Gesang -  sehr gewöhnungsbedürftig,  klingt fast wie eine Spass-Version, was das Ganze aber durchaus interessant macht aufgrund des deutlichen Unterschieds zum Original. Bei den übrigen Bonusstücken muss man schon genauer hinhören um die Unterschiede der zusätzlichen Mixe zu erkennen.

Wie auch die vorherigen Re-Issues, so verdient "Presence" auf alle Fälle wieder uneingeschränkte Kaufempfehlung. 
Die Hardcore-Fans sind sowieso an Bord und wer beginnt, sich mit dem Zeppelin'schen Gesamtwerk zu beschäftigen dem seien die Remasters ebenfalls schwer ans Herz gelegt, da auch der Sound über alle Zweifel erhaben ist.


Abschließend noch eine Zusammenfassung aller Versionen dieser Veröffentlichung aus dem offiziellen englischen Presseinfo:


  • Single CD - Remastered original album. 
  • Deluxe Edition (2CD ) - Remastered album, plus a second disc of unreleased companion audio.
  • Single LP - Remastered album on 180-gram vinyl, packaged in a sleeve that replicates the LP's first pressing in exacting detail. 
  • Deluxe Edition Vinyl - Remastered album and unreleased companion audio on 180-gram vinyl. 
  • Digital Download - Remastered album and companion audio will both be available.  
  • Super Deluxe Boxed Set - This collection includes:
  • Remastered album on CD in vinyl replica sleeve.
  • Companion audio on CD in card wallet.
  • Remastered album on 180-gram vinyl in a sleeve replicating first pressing.
  • Companion audio on 180-gram vinyl.
  • High-def audio download card of all content at 96kHz/24 bit.
  • Hard bound, 72+ page book filled with rare and previously unseen photos and memorabilia. High quality print of the original album cover, the first 30,000 of which will be individually numbered.                                    

Martin