Dienstag, 13. November 2012

Cradle Of Filth - The Manticore & Other Horrors


Band: Cradle of Filth
Album: The Manticore & other horrors
Spielzeit:51:37 min.
Plattenfirma: Peaceville Records
Veröffentlichung: 02.11.2012
Homepage: http://theorderofthedragon.com/

WERTUNG: 8 von 10

Trackliste:
01. The Unveiling of O
02. The Abhorrent
03. For Your Vulgar Delectation
04. Illictus
05. Manticore
06. Frost On Her Pillow
07. Huge Onyx Wings Behind Despair
08. Pallid Reflection
09. Siding With The Titans
10. Succumb To This
11. Sinfonia

Zwei Tage nach Halloween veröffentlichten die selbsternannten Vampir-Metaller Cradle of Filth ihr zehntes Studioalbum. In Manticore & other horrors beschäftigen sich die Briten thematisch mit den unterschiedlichsten Bestien. Das Fabelwesen, das im Albumtitel genannt wird, wird mit einem Menschen-Kopf, dem Körper eines Löwen und einem Schlangen-Schwanz dargestellt. Musikalisch gibt es jedoch nicht viel Neues. Der typische Cradle-Sound ist auch auf diesem Album zu hören. Atmosphärische, düstere Keyboard-Intros, die für die richtige Stimmung der Songs sorgen, sind auch hier an der Tagesordnung. Dennoch beweisen die Jungs beziehungsweise Mädels von Cradle of Filth, dass sie es noch können und ihrem Stil treu bleiben.

Die treibenden Rhythmen, die die Songs auszeichnen, die ganz gruselige Stimmung, die ausgedrückt wird und der ganz klare Ohrwurm-Charakter der Songs sprechen für die Band und deren kompositorisches Geschick. Mein persönliches Highlight ist For Your Vulgar Delectation. Hier tauchen einige Rhythmuswechsel auf und die Keyboardeinspieler wirken bedrohlich, wie akustische Messerstiche. Auch die Mischung an hohen und growligen Vocals von Dani Filth sorgen für enormen Wiedererkennungswert.
Insgesamt gesehen fällt das hohe Tempo auf, wie bei Illictus, Huge Onyx Wings Behind Despair oder dem Titelsong Manticore. Alles in allem ist das neue Cradle Album empfehlenswert und überrascht mit den ein oder anderen indischen Klängen, wie etwa im Titelsong.
Franziska

Montag, 12. November 2012

Issa - Can't Stop



Interpret: Issa
Album : Can't Stop
Spielzeit : 
55:24
Veröffentlichung : 02.11.2012

Plattenfirma : Frontiers

Homepage : ---



Wertung : 7 von 10

Tracklist:

01. Can't Stop
02. Power Over Me
03. Wherever I Run
04. Just A Wish
05. If You Ever Fall
06. Do You Ever Think Of Me
07. Dream On
08. Stranded
09. Heat Of The Night
10. I Won't Surrender
11. State Of Love
12. These Eyes


Die Norwegerin Issa hat mich bislang nicht wirklich beeindruckt, kam mir das ganze "Konzept" der Marke "Sex Sells" doch bislang etwas arg billig rüber ehrlich gesagt. Optisch mag man ja die Dame  gutheißen (Geschmackssache - aber wir sind hier nicht bei Heidi Klum), irgendwie ist mir das jedoch zu sehr auf "Machen wir mal eine Britney Spears für den Melodicrock" getrimmt. Ihre ersten zwei Alben waren zwar recht nett aber auch etwas belanglos trotz der durchaus vorhandenen Stimme. Nunmehr kommt mit "Can't Stop" das dritte Album heraus. Liest man obige Tracklist könnte man meinen es handelt sich ausschließlich um neues Material von Issa. Dabei liegt man aber gehörig falsch. Im Gegenteil - es handelt sich um ein reines Coveralbum, allerdings sind die enthaltenen Songs wohl nur den wirklichen Insidern der Melodicrockszene ein Begriff.
Der Opener "Can't Stop" stammt beispielsweise von "Aviator" und klettert sehr flott und direkt aus den Boxen. Eine fröhliche Uptemponummer und zudem auch gut produziert. Nicht immer Usus im Hause Frontiers. "Power Over Me" stammt im Original von "Atlantic" und schlägt in die selbe Kerbe einer gutklassigen AOR-Nummer. Nicht zu hart aber auch nicht wirklich weichgespült. Issas Stimme erinnert einen oftmals an Robin Beck, wird aber in den Höhen doch ab und an etwas dünn. Da hat ihr die gute Robin doch noch einiges voraus. "Whereever You Go" zieht das Tempo noch etwas an, der "Regatta"-Song ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Zeit für eine Durchatemnummer: "Just A Wish", ursprünglich von "21 Guns", ist eine gefühlvolle Ballade, die Issa gekonnt interpretiert. Der "Mystic Healer"-Track "If You Ever Fall" nimmt dann wieder die Rockspur auf, ehe "Do You Ever Think Of Me" (von Unruly Child) wieder etwas ruhigeres AOR-Fahrwasser beschippert. Dass Issa nicht an Mark bzw. Marcie Frees Stimme herankommt wird hierbei aber auch sehr deutlich. Manchmal singt sie doch etwas eindimensional die Gute. "Dream On" ist NICHT der Aerosmith-Klassiker sondern von den unbekannteren "Boulevard" und auch "Stranded" ist nicht die Heart-Nummer,die man vom Brigade-Album kennt sondern es handelt sich hierbei um einen Song von den 80er Rockern "Tangier". Beides gute Melodicrocknummern, die man zwar irgendwie schon mal gehört hat aber nicht zuordnen kann. Auch wenn das Album ein Coveralbum ist, so fällt das so gut wie gar nicht auf. Dies kann man nun positiv deuten, indem man Issa und ihren (allesamt italienischen) Mitstreitern zugutehält, ein dynamisches Album aus einem Guss gemacht zu haben. Spötter würden dagegen behaupten, dass man anhand dieses Albums sieht, wie allgemein wenig abwechslungsreich die Melodicszene ist, wenn sich die Lieder verschiedener Bands dermaßen ähneln wie auf "Can't Stop". Nicht falsch verstehen - irgendwie macht die Platte schon Spass und ist auch gut produziert, aber die absoluten Highlights fehlen dann letztlich doch irgendwie und ein Coveralbum hat für mich immer einen leicht kreativarmen Anstrich. "Heat Of the Night" von den mir nicht bekannten "Worrall", "Tower City's" "I Won't Surrender" (schöne stampfende Rocknummer), Mark Free's "State Of Love" (keyboardbetont) sowie der Rausschmeisser "These Eyes" (ein zweiter Song von "21 Guns") beenden ein letztlich doch recht gutes Album. Das Image von Issa empfinde ich zwar immer noch etwas  grenzwertig und ob mit dieser Scheibe der große Durchbruch gelingt wage ich nun auch zu bezweifeln, aber im Großen und Ganzen ist die Scheibe zum Nebenbeihören sehr gut geeignet. Mehr als 7 Punkte sind hierfür dann aber doch nicht drin. Melodicfreunde sollten aber mit Sicherheit einmal ein  Ohr reinhängen. Gegen das letzte Robin-Beck-Album ist aber "Can't Stop" nur ein laues Lüftchen.
Da ändert auch das knappe Outfit auf dem Cover nichts daran. 
Noch ein Tipp: Man sollte sich mal den Spass machen und die Originale auf Youtube suchen und den direkten Vergleich anstellen. Macht Laune!

Martin




Sonntag, 11. November 2012

The Velvet Underground - The Velvet Underground & Nico (45th Anniversary)


Band : The Velvet Underground
Album : The Velvet Underground & Nico (45th Anniversary DeLuxe Edition)
Spielzeit : 78:29 (CD1), 72:41 (CD2)
Veröffentlichung : 26.10.2012
Plattenfirma : Polydor / Universal
Homepage : www:olivier.landemaine.free.fr

Wertung : 8 von 10

Tracklist:

CD1   The Velvet Underground & Nico + Alternate Versions
  1. Sunday Morning
  2. I'm Waiting For The Man
  3. Femme Fatale
  4. Venus In Furs
  5. Run Run Run
  6. All Tomorrow's Parties
  7. Heroin
  8. There She Goes Again
  9. I'll Be Your Mirror
  10. The Black Angel's Death Song
  11. European Son
  12. All Tomorrows Parties (Alternate Single Voice Version)
  13. European Son (Alternate Version)
  14. Heroin (Alternate Version)
  15. All Tomorrow's Parties (Alternate Instrumental Mix)
  16. I'll Be Your Mirror (Alternate Mix)
CD2  Scepter Studio Sessions + The Factory Rehearsals
  1. European Son
  2. The Black Angel's Death Song
  3. All Tomorrow's Parties
  4. I'll Be Your Mirror
  5. Heroin
  6. Femme Fatale
  7. Venus In Furs
  8. Waiting For The Man
  9. Run Run Run
  10. Walk Alone
  11. Crackin' Up / Venus In Furs
  12. Miss Joanie Lee
  13. Heroin
  14. There She Goes Again (With Nico)
  15. There She Goes Again

"Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters"

An dieser Aussage ist etwas Wahres dran, mit der entsprechenden Sichtweise macht das eine oder andere auf den zweiten Blick wirklich Sinn. Aber ab wann wird aus Schönheit Kunst ? 
Sucht man nach einer Erklärung dafür, findet man vielleicht Ansätze wie "Kunst ist Selbstverwirklichung, Kunst muss nur die Gefühle des Künstlers ausdrücken. Nicht mehr und nicht weniger, es geht nicht um Schönheit". Nun kann ein Kunstwerk natürlich, da der Künstler seine eigenen Grenzen von Gefühl und Selbstverwirklichung beim Erschaffen seines Werkes zugrundelegt, schnell zu Irritationen beim neutralen Betrachter führen...in diesem Fall beim Hörer.

Was nämlich passiert, wenn ein Musiker seine von Psychotherapien und Elektroschocks* geprägte Jugend verarbeiten und etwas Neues schaffen möchte, dann auf Gleichgesinnte mit Interesse an experimenteller Improvisationsmusik (John Cale) trifft, lässt sich am Debutalbum The Velvet Underground & Nico ganz wunderbar nachvollziehen. Lou Reed und John Cale sind die beiden Musiker, die im Jahre 1967, zusammen mit dem deutschen Model Christa Päffgen (Nico), der Schlagzeugerin Maureen Tucker und dem Rhytmusgitarristen und Bassisten Sterling Morrisson eine ebenso geliebte und wegweisende wie verstörende und gehasste, weil unverstandene Platte schufen.

Oberflächlich betrachtet handelt es sich einerseits um eine Ansammlung relaxt-lockerem, harmonischem Easy-Listening (Sunday Morning, Femme Fatale), Garage Rock (Run Run Run) und Pop (There She Goes Again), andererseits höchst verstörender Momente (Venus In Furs, Heroin, The Black Angel's Death Song, European Son). Diese Seite der Platte ist sicher ein Grund dafür warum viele Hörer schnell von ihr ablassen, kommen hier doch minutenlange Improvisationen, Disharmonien und Reeds geliebte Drones (langgezogene, repetierende Klänge) minutenlang durch. Gerade diese Dinge sind es jedoch, die neu und wegweisend für viele Nachfolgebands waren und diesen Türen öffneten. Brian Eno sagte einmal mehr als treffend: “Only five thousand people ever bought a Velvet Underground album, but every single one of them started a band.” Dem ist sicher nicht mehr allzu viel hinzuzufügen.

Nun ist die Erstveröffentlichung der ursprünglich gefloppten Scheibe bereits 45 Jahre her. Spult man die Zeit einmal zurück, wird einem bewusst welche richtungsweisende Alben in den Jahren 1966 und 1967 geschaffen wurden. Pet Sounds, Revolver, Blonde On Blonde, Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band, Are You Experienced?, heissen die bekanntesten Platten aus dieser Zeit, die in einer Reihe mit The Velvet Underground & Nico genannt werden. Jede für sich steht für unterschiedliche musikalische Ausrichtungen, alle hatten aber eines gemeinsam: Sie haben den Nährboden für unzählige Bands der heutigen Zeit bereitet, sie haben etwas Neues geschaffen und sind somit etwas ganz Besonderes. Und so schliesst sich der Kreis. 
Unabhängig davon ob es dem Hörer gefällt oder nicht, diese Platte ist ein Kunstwerk, das vielzitierte Bananencover Warhols blende ich da gerne aus, die Musik ist es die zählt. Sicher auch wegen ihrer verwirrenden Texte, die unter anderem von Drogenerfahrungen (Heroin, I'm Waiting For The Man) und SM-Phantasien (Venus In Furs) handeln.

Dass diese Platte im Laufe der Jahre, mit wachsender Legendenbildung auch Sammler immer mehr faszinierte, dürfte einleuchten. So wurden Proberaumaufnahmen, Alternative Mixe, Outtakes oder gar die jahrelang verschollen geglaubte Azetat-Pressung "Scepter Studio Sessions" geradezu verzweifelt gesucht. 

Dies nimmt Polydor/Universal nun zum Anlass dem Fan und Sammler echtes Futter anzubieten. Die vorliegende DeLuxe Doppel-CD stellt mit oben genannten Features die erschwingliche Variante dar. Die Krönung für den Fan allerdings ist wohl die "Super Deluxe 6 CD Definitive Box". Die schöne Box beinhaltet nebst Inhalt o.g. DeLuxe CD noch die Mono-Version des Albums, Nicos "Chelsea Girl" Album von 1967 und ein Live Konzert (Live at Valleydale Ballroom, Columbus, Ohio), sowie ein 88-seitiges Buch mit einer Fülle seltener Aufnahmen und Dokumenten. 
Damit dürften jetzt wohl alle denkbaren Raritäten und Seltenheiten veröffentlicht sein, es sei denn jemand gräbt irgendwann wieder etwas aus. Dann geht die Jagd von vorne los.

Meine Wertung ist eigentlich irrelevant. Trotzdem gebe ich eine ab, auch wenn es mir zugegeben schwerfällt. Ich habe mich nach langer Überlegung für 8 Punkte entschieden, denn trotz jeglicher Legendenbildung und Höchstplatzierungen in sämtlichen Bestenlisten hat die Platte ein paar undurchdringliche Momente die ein entspanntes und flüssiges Hören unmöglich machen und manchen Hörer verschrecken wird.

Gerne mag darüber diskutiert werden, doch mein Verständnis von vertonter Kunst weicht von dem der intellektuell-künstlerischen Musikszene (bzw. die sich dafür halten) vielleicht doch zu sehr ab.

* "They put the thing down your throat so you don't swallow your tongue, and they put electrodes on your head. That's what was recommended in Rockland County then to discourage homosexual feelings. The effect is that you lose your memory and become a vegetable. You can't read a book because you get to page seventeen and have to go right back to page one again."  (Lou Reed)


Bernd Fischer 

 







Samstag, 10. November 2012

Stone Sour - House Of Gold & Bones Part. 1

Band: Stone Sour
Album: Houses Of Gold & Bones – Part I
Spielzeit: 43:17 Min.
Plattenfirma: Roadrunner Records
Veröffentlichung: 19.10.2012
Homepage: www.stonesour.com 
 
WERTUNG: 8 von 10

Trackliste:

01. Gone sovereign
02. Absolute zero
03. A rumor of skin
04. The travellers Pt. 1
05. Tired
06. RU486
07. My Name is Allen
08. Taciturn
09. Influence of a drowsy god
10. The travellers Pt. 2
11. Last of the real

Line up:

Corey Taylor – Vocals
James Root – Guitar
Josh Rand – Guitar
Shawn Economaki – Bass
Roy Mayorga – Drums


So, dann nehmen wir doch erst mal einen Drink zu uns. Wie wäre es mit einem Cocktail aus Whiskey mit einem Schuss Orangensaft. Fertig ist der so genannte “Stone Sour“:

Stone Sour“ nennt sich auch das Zweitprojekt des “Slipknot“ Frontmannes und Sängers “Corey Taylor“. Mit “House of Gold & Bones – Part 1“ legen die Alternative-Rocker aus Iowa ihren bereits 4. Longplayer vor, und das eigentlich nur zur Hälfte. Denn wie es der Titelzusatz (Part 1) logischerweise vermuten lässt wird dieses Konzeptalbum erst mit Part 2, welcher Anfang 2013 erscheinen soll, vollendet.

Natürlich muss dann der 1. Teil eines Konzeptalbums schon überzeugen, da sonst wohl das Interesse am 2. Teil stark nachlassen würde.

Bereits mit den ineinander übergehenden ersten beiden Tracks “Gone Souvereign“ und “Absolute Zero“ wird bereits eine erste Duftmarke gesetzt. Der Duft verfestigt sich dann mit dem 3.Track “A Rumor of Skin“. Alle 3 Songs verfügen über einen unglaublichen Groove und “Corey Taylor“ zeigt bereits in diesem Songs sein breites Gesangsspektrum.

Nachdem einem nun mit diesen Songs der Schmalz aus den Ohren geblasen wurde, geht es dann akustisch und vielen Streichern langsam weiter mit “The Traveler Part 1“ , wobei der Song im 2. Part (Track 10) erst so richtig zu überzeugen weiß.

Mit den folgenden Songs “Tired“, “RU486“ und “My Name is Allen“ geht es durchaus weiterhin hart zur Sache, wobei man bei “Tired“, welches im Midtempo daherkommt sicherlich auch an eine Singleauskopplung für den amerikanischen Markt gedacht hat. Ist allerdings nur eine Vermutung von mir.

Mit “Taciturn“ folgt dann eine weitere, wirklich hörenswerte Ballade. Das folgende “Influence of a Drowsy God“ ist für mich kompositorisch der sicherlich stärkste Song. Einfach Klasse ist hier auch die Gitarrenarbeit von Root und Rand.

Der Abschluss mit “Last of the Real“ kommt zwar hart, aber etwas dahingerotzt daher.

Trotzdem ist es “Stone Sour“ mit dem 1. Teil von “House Of Gold & Bones“ gelungen, die Neugier auf den 2. Teil aufrechtzuerhalten. - Ich bin gespannt.


Oldwoodstock

Donnerstag, 8. November 2012

Queen - Hungarian Rhapsody - Live in Budapest (BluRay)

Band: Queen
Album: Hungarian Rhapsody (BluRay)
Spielzeit: 118 Minuten
Plattenfirma: Universal Music
Veröffentlichung: 09.11.2012 


Wertung: 10 von 10


Tracklist:

01 One Vision
02 Tie Your Mother Down
03 In The Lap Of The Gods
04 Seven Seas Of Rhye
05 Tear It Up
06 A Kind Of Magic
07 Under Pressure
08 Who Wants To Live Forever
09 I Want To Break Free
10 Guitar Solo
11 Now I'm Here
12 Love Of My Life
13 Tavaszi Szél Vizet Áraszt
14 Is This The World We Created...?
15 Tutti Frutti
16 Bohemian Rhapsody
17 Hammer To Fall
18 Crazy Little Thing Called Love
19 Radio Ga Ga
20 We Will Rock You
21 Friends Will Be Friends
22 We Are The Champions
23 God Save The Queen
24 A Magic Year

Extra: A Magic Year Documentary (26 Min)



Ohne Queen gäbe es den Stadion-Rock, wie man ihn so gerne nennt, sicher nicht in der Form, wie man ihn heutzutage kennt. In den 70ern oder frühen 80ern gab es wenige bis keine Bands, die komplette Stadion-Touren durchzogen. Queen machten dies bereits Anfang der 80er Jahre, noch dazu auf unbekanntem Terrain wie z.B. in Südamerika. Auch hinter dem eisernen Vorhang spielten sie im Jahr 1986 auf ihrer leider letzten Tour, der "Magic Tour", ein bahnbrechendes Konzert im Nepstadion zu Budapest. Wer die BluRay (und ich betone BLURAY) sieht, ohne zu wissen, von wann das Konzert ist, würde auf ein aktuelles Konzert aus den letzten Jahren tippen. Klaro, Freddie gibt es seit 1991 nicht mehr und die letzte Tour war vor nunmehr 26 Jahren. Aber danach sieht die vorliegende und clever betitelte "Hungarian Rhapsody" nun wirklich nicht aus. Das Bildmaterial stammt von einem 35mm Film, der in HD gescannt wurde und der Ton ist feinstes
DTS Surround in 5.1. So genial bekommt man Queen in dieser Qualität nicht oft vorgesetzt. Viele werden sicher etwas maulen von wegen "schon wieder ein 80er Jahre Konzert" , hat man doch mit "Live at The Bowl" (Milton Keynes 1982), "Montreal 1981" und "Live At Wembley 1986" eine grosse Auswahl an 80er Konzerten. Auch wenn das Budapest Konzert von der Setlist fast identisch mit dem Londoner Wembley Konzert ist, so schlägt es dies doch um Längen. Nicht nur in der Qualität sondern auch was die Bandperformance sowie die filmische Umsetzung angeht. Man merkt einfach, dass die Truppe um King Freddie extra motiviert für diesen Auftritt war. Stimmlich ist Freddie hier voll auf der Höhe, was man bei dem Londoner Auftritt nicht unbedingt sagen kann (da wurde auch nachträglich noch zu Freddies Lebzeiten herumgedoktort). Und die Bildqualität ist einfach atemberaubend. Ich würde sagen, dass die Montreal-BluRay zwar ein noch schärferes Bild bietet als "Hungarian Rhapsody", dennoch sind Bild und Ton einfach Weltklasse und alleine schon die Anschaffung einer Surroundanlage, eines BluRay-Players sowie eines HDTV-Gerätes wert. Man meint,a ls wäre man live im Geschehen und kann jeden Winkelzug in den Gesichtern der Musiker beobachten. Näher wird man der Band nicht mehr kommen. Die Bühnenshow an sich, zwar auch bereits bekannt, kommt hier farblich gigantisch zur Geltung und ich wage mal zu behaupten, dass die Band mit dieser Tour auch noch in heutiger Zeit bestehen könnte. Wirken andere Konzerte, die ebenfalls so viele Jahre auf dem Buckel haben, doch manchmal leicht antiquiert, so ist dies bei "Live in Budapest" absolut nicht der Fall. Die Musik ist eh zeitlos und auch die geniale Kameraführung sowie die nicht allzu hektischen Schnitte (ein Unding in heutiger Zeit!) lassen einem das Konzert wirklich von Anfang bis zu  Ende genießen. Am Schluss angekommen will man am liebsten gleich wieder von vorne anfangen.
Einziger Wermutstropfen ist vielleicht, dass das Konzert nicht komplett ist und es die fehlenden Songs leider auch nicht mehr im Archiv gibt. So gibt es ein paar Tracks weniger und einige sind etwas arg brutal abgekürzt wie z.B. "Crazy Little Thing Called Love". Doch dies tut dem Vergnügen m.E. keinen Abbruch. Im Konzert eingebaut sind (wie auch auf der ursprünglichen VHS-Cassette oder der Laserdisc)ein paar "private" Off-Stage-Sequenzen der Band, z.B. ihr Ankommen auf der Donau auf einem Touri-Schiff, der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, Brian May beim Ballonfahren oder die Geburtstagsparty von Roger Taylor. Eine willkommene Abwechslung. Queen waren ja immer eine Band, die zwar ihre Musik sehr ernst nahmen, aber sich selber doch immer mit einem Augenzwinkern sahen. Vor allem Freddie war als Privatmensch gar nicht die Diva für die er immer gehalten wurde. Auch klasse: Der extra für die ungarischen Fans einstudierte Volkslied "
Tavaszi Szél Vizet Áraszt", bei dem Freddie den Text von seiner Hand abliest (Teleprompter gab es damals noch nicht!).
Als Extra gibt es eine gut 25minütige Dokumentation über die Zeitspanne seit dem Live-Aid Konzert vom 13.07.85 bis zur Magic Tour 1986. Vieles ist zwar von dem "Magic Years"-VHS-Boxset vor zig Jahren bekannt, aber ein paar bislang unveröffentlichte Sequenzen haben sich doch eingeschlichen. Macht auf jeden Fall Spass zum Ansehen.
Immer wieder traurig beim Ansehen eines Konzertes dieser Güteklasse ist die Tatsache, dass Freddie wohl zu diesem Zeitpunkt den Virus schon in sich trug und dass diese Tour leider ihre letzte in Originalbesetzung war. Was hätte die Band noch alles unternehmen können. Alleine wenn man sich vorstellt, dass es Touren zu "Miracle" von 1989 oder "Innuendo" von 1991 gegeben hätte....
Aber ich drifte ins Sentimentale ab. Fakt ist, dass "Hungarian Rhapsody" das ultimative Konzertdokument der letzten Queen-Tour darstellt. Die Qualität ist atemberaubend, die Performance ebenso. Queen sind und waren immer ein Spektakel ohne Grenzen,. So zu bestaunen auf vorliegender BluRay. Ebenfalls sehr gelungen ist auch die Covergestaltung (auch wenn nur Freddie darauf zu sehen ist) und das schöne Booklet. 
Der harte Fan legt sich natürlich die Edition mit den zusätzlichen 2 Cds zu und kann somit das Konzert auch "Audio-only" geniessen. Ein wahrer Augen und Ohrenschmaus!

Martin


Mittwoch, 7. November 2012

Revengia - Lake Of Fire





Band: Revengia
Album: Lake Of Fire
Spielzeit: 51 Minuten
Plattenfirma: Dirge Entertainmaint /Sound Pullotion
Veröffentlichung: 23. November 2012 
Weltweites Netz:

Wertung: 9 /10

Trackliste: 

1. Free from sin
2. His will
3. Lake of fire
4. The day I die
5. Alone
6. Purest of emotions
7. Sin for sale
8. Asylum
9. Bloodline
10. Termination by the hands of creation
11. The galleon
12. The one (first pressing only)

 
Einen Hauptanteil vom deftigen Trashmetal anrichten,
ah, eine bereitstehende ( bereits vorbereitete ) Mixtur Classic – Speed darüberwürzen, ja, die kratzige Charge aus den Neunzigern. Genau die! … Und davon ein paar Unzen.
Jetzt  etwas NU – Metal in die Pfanne dazu bitte. Nur einen Hauch… Einen Hauch!
Zum Abschmecken nun noch wenige Millianteile vom straighten Rock dran.
Nun den frisch gebildeten Rahm  abgießen.
So, ab damit,  45 Minuten in die Backröhre: bitte um etwas Geduld:
Revengias „Lake OF Fire“ (Achtung, noch SEEEEHR Heiß!) ist jetzt fertig, hm, sieht lecker aus!
Denke, ich konnte somit die Geschmacksknospen für den Schwedenvierer ein wenig anregen und eintrimmen. Denn diese suden uns mit dem brennenden See so gar keine dürftige Suppenküche, nönö, hier wird Vollkost aufgetischt. Keine Puddingballaden, davon denn allerdings wirklich gar keine.
Revengia mussten im letzten Jahrzehnt ein bisschen basteln und rumbosseln, in den letzten Jahren eher werkeln und probieren, ehe nun mit diesem dritten Ding ihre bisher gelungenste Produktion vorliegt - sie sagen selber, sie haben sich Zeit damit gelassen. Damit waren sie gut beraten, denn dies hört man dem Resultat durchaus an.
Ziemlich abgefeimt, teils gar ausgebufft, wie Gitarrenarbeiter Matti Almsenius (man höre die schmucken Solo – Einlagen wie zum Beispiel in „Alone“, „Sine For Sale“) hier die frisch gegrabene Suhle jederzeit geradezu vollpflastert, die der furztrocken gespielte Bass von Martin Karlsson und der absolut tuff agierende Drummer Conny Pettersson ausbuddeln. Und was für Riffgranetten!!!!
Und über jene der Sänger Tobias Bernström stimmige Lyrics wie Öllachen ausgießt, ohne über die Spielzeit hinweg nur einmal zu nerven. Das alles hat Klasse, Schmiss und Schmackes, wenngleich Bernstöm  in diesem Leben keine stimmliche Erektionsanregung mehr für uns werden wird, dass wird uns zum Beispiel in „The Day I Die“ schon irgendwie klar.
Wurscht aber, eben hier passt es hin. Aber so was.
Im Auftakter „Free Fom Sin"  (ha, was für ein Titel...) wird nur ein knappes Minutchen mit einer landsmännischen „Ammot“ - Sequenz herumgespielt, bis dann die folgenden 16zehntel, nein, es sind bestimmt 32zigstel alles zerlegen, dies nun aber konsequent bis zum Ende der Platte.Jedoch: es harmoniert alles. Das ist eben die große Kunst!
Der Titelgeber „Lake Of Fire“, auch „Bloodline“ zum Beispiel, der 9. Auswurf, ist so was noch zu toppen? Klar, das schaffen die Jungs mit dem Elften , "The Galleon“. Großartig!
Eine VÖ, die unwahrscheinlich kurzweilig ist, klasse abgemischt ist, und trotz des Gebolzes nimmer ermüdet. Sowie, verdammt noch mal, knallt, knallt und knallt UND  Spaß macht.
Sooooo muss /sollte / kann und könnte  / klassischer Metal heuer daherkommen…
Tja,der November ist noch frisch, aber wir verteilen aus dem Füllhorn der Wertungsschatulle (…und ich bin, doch doch,  bestimmt ein Krümelkacker) glatte 9 Barren! Yep, ein NEUNER. Den streuen wir guten Gewissens unter die werte Zuhörerschaft die sich derartig rekrutiren wird, 
denn den einzigen Abzugspunkt gibt’s für das Cover!

Akueller Video - Einspieler:




So; … wann kommen die jetzt eigentlich nach Deutschland???

Stephan Schneider

Sonntag, 4. November 2012

T & N - Slave To The Empire

Band: T & N
Album: Slave To The Empire
Label: Edel Records
Spielzeit: 66:06  Minuten
Veröffentlichung: 19.10.2012
Website:---


Wertung:  7,5 von 10


Tracklist:  


1. Slave To The Empire
2. Sweet Unknown
3. Tooth And Nail (feat. Doug Pinnick of King’s X)
4. It’s Not Love (feat. Robert Mason of Warrant)
5. Rhythm Of The Soul
6. When Eagles Die
7. Into the Fire
8. Alone Again (feat. Sebastian Bach)
9. Mind Control
10. Kiss Of Death (feat. Tim “Ripper” Owens)
11. Jesus Train
12. Access Denied 



"T & N" steht für "Tooth and Nail" und spätestens da sollte es klingeln, handelt es sich hierbei doch um eine der besten Scheiben der US-Band Dokken aus den 80er Jahren. George Lynch hat fast die gesamte ehemalige Dokkenmannschaft mit Jeff Pilson und Mick Brown zusammengetrommelt (wobei letzterer aber nur auf den Neueinspielungen der enthaltenen 5 Dokkenklassikern zu hören ist).

Neben sieben neuen Tracks gibt es wie geschrieben auch Neufassungen von Dokken-Hymnen, die es als erstes zu untersuchen gilt: Tooth & Nail mit Doug Pinnick von King's X ist aber eher mißlungen. Sicher nicht wegen der Instrumental-Sektion, die ist natürlich über alle Zweifel erhaben, aber die Stimme von Pinnick passt eben einfach nicht zu kommerziellem US-Metal-Sound der 80er. Das war nicht die beste Wahl. An die Originale wird sich im Wesentlichen Note für Note gehalten, was ich persönlich nicht schlecht finde, andererseits stellt sich hier aber auch die berechtigte Frage, warum spiele ich solche Sachen neu ein, wenn es doch bereits Klassiker sind, die nicht mehr zu verbessern sind. Wie auch immer, das Gitarrenspiel eines Georgge Lynch hat sicherlich nichts an Magie eingebüsst und die von Jeff Pilson produzierten Songs sind auch sehr druckvoll aufgenommen worden und lassen soundtechnisch nichts zu wünschen übrig. "It's Not Love" mit Robert Mason, der ja mit Lynch bereits bei Lynch Mob zusammenarbeitete, kommt besser als "Tooth And Nail"  rüber, rein vocal-technisch steckt er da Don Dokken gehörig in die Tasche. "Alone Again" wird von Sebastian Bach vorgetragen, dessen Stimme hier auch an vergangene Glanztage erinnert und von dem ich mir einmal wieder eine etwas melodischere Musikrichtung wie hier wünschen würde, da ist er nämlich am besten. Auf "Into The Fire" singt Jeff Pilson selber und zieht sich sehr gut aus der Affäre (wie auch auf den neuen Songs, welche alle selbst singt). Ebenfalls eine gelungene Version. "Kiss Of Death" mit Ripper Owens passt hingegen wieder nicht optimal, er zerkreischt mir den Song doch etwas zu arg.
Soviel zu den Neueinspielungen. "Slave To The Empire" hat aber noch ganz Neues zu bieten. Diese neuen Stücke sind offenbar zu einem anderen Zeitpunkt produziert worden, zumindest hören sie sich soundmäßig etwas glatter an als die Dokken-Einspielungen. Auch hier überzeugt die Stimme Jeff Pilsons. "Slave To the Empire" als Einstieg bietet druckvollen US-Hardrock, der schön nach vorne geht. Natürlich etwas Dokken-lastig, aber einen Song wie diesen suche ich auf dem neuen, sehr schwachen Dokken-Werk "Broken Bones" (Review siehe hier) vergeblich. "Sweet Unknown" klingt sehr nach Lynch-Mob, gerüchteweise wurden die Songs auch für das nächste LM-Album geplant, aber von deren On-und Off-Sänger Oni Logan angeblich abgelehnt. Egal ob das stimmt oder nicht, es gibt ein paar gute und ein paar weniger gute Eigenkompositionen. "Sweet Unknown" gehört zu den besseren. "Rythm Of The Soul" könnte man sich ebenfalls auf einem klassischen Lynch Mob-Album vorstellen. Etwas schleppend und mit einem guten Chorus ausgestattet. "When Eagles Die" ist etwas balladesk angehaucht mit Akustikgitarren, überzeugt mich aber nun nicht vollends. "Mind Control" geht wieder straighter nach vorne ab, wenngleich der Track im Chorus auch etwas schwächelt. "Jesus Train" ist etwas boogie-lastig mit leichten Southern-Einflüssen ausgefallen, mehr als über die Wertung "ganz nett" kommt der Song aber nicht hinaus. Brian Tichys abwechslungsreiches Drumming ist das beste an dem Track. "Access Denied" kracht dann zum Abschluss nochmal ziemlich hart und heftig aus den Boxen. Auch hier nicht gerade der tollste Chorus und ich bin auch kein Anhänger von mit Effekten verfremdeten Vocals. 

Fazit: Wer Neueinspielungen akzeptiert wird zumindest ein paar der fünf Dokken-Remakes gut finden. Auf der Habenseite befindet sich das natürlich wie immer geile Gitarrenspiel von George Lynch sowie ein paar sehr starke Songideen bei den neuen Nummern wie z.B. dem Titeltrack. Ein paar schwache Tracks haben sich aber leider auch eingeschlichen. Nichtsdestotrotz macht die Scheibe Laune und steckt das letzte Dokken-Werk locker in die Tasche, wobei da ja nicht wirklich besonders viel dazugehört.
Wie aus unten stehendem Studioreport ersichtlich ist angeblich ein Teil zwei von "T &/N" geplant. Man darf also gespannt sein, was da noch kommt und wie es mit Lynch Mob weitergehen wird. 

Martin

 

Phantom X - The Opera Of The Phantom

Band: Phantom X
Album:The Opera Of The Phantom

Label:
Pure Steel Records (H'ART)
Spielzeit: 67:18 Minuten

Veröffentlichung: 17.08.2012

Homepage: http://www.phantom-x.com 

 

 Wertung :   7,5 von 10 

 

Tracklist:

01. Storms of Hell (Opera Chapter 1) 
02. The Rise of the Phantom (Opera Chapter 2)
03. Discovery (Opera Chapter 3)
04. The Mask (Opera Chapter 4)
05. Storm Riders (Opera Chapter 5)
06. Everspell (Opera Chapter 6)
07. 13th Hour (Opera Chapter 7)
08. A Strange World (Opera Chapter 8)
09. Discovery II (Opera Chapter 9)
10. Deep Six Down (Opera Chapter 10)
11. Cloning the Christ (Opera Chapter 11)
12. Playing God (Opera Chapter 12)
13. Holy Hell (Opera Chapter 13)
14. 1000 Quatrains
15. Your Majesty
16. All Hail the Heroes

Rockopern sind ja immer so ne Sache. Klar es gibt legendäre Alben wie "Quadrophenia" oder "Tommy" von den Legenden The Who aber mancheml kann sowas auch etwas unfreiwillig komisch oder überambitioniert wirken, denn nicht jeder ist bereit sich im Detail mit dem Konzept einer Rockoper inhaltlich auseinanderzusetzen. Ob reiner US.Metal, wie ihn uns Phantom X anbieten, überhaupt für eine Rockoper geeignet sind wage ich auch mal zur Diskussion freizugeben, dazu ist der Stil an sich ja doch etwas limitiert. Wie auch immer, ohne Lyrics und sonstige Angaben (nicht mal auf ihrer Homepage) schiebe ich das Opernkonzept, welches 13 der 16 Songs umfasst, einfach mal so zur Seite und konzentriere mich auf die gebotene Musik. 
Mit "Storms Of Hell" bricht der Höllensturm der CD angemessen los. US-Metal wie er im Buche steht, sehr gut und transparent produziert und dazu mit einer einprägsamen Melodie ausgestattet. Man muss den Jungs wirklich positiv anrechnen, dass sie aus dem manchmal doch etwas stilistisch begrenzten US-Metal das Optimum an Abwechslung rausholen. Teils balladesk, dann wieder Speedkracher, teilweise sehr schleppend - alles da was das Herz begehrt. Manche Songs wie "The Rise Of The Phantom" bieten diese Abwechslung bereits in nur einem Song - sehr lobenswert. Herausragende Songs sind für mich der Speedkracher "The Mask", der wirklich sehr geil abgeht genauso wie "Stormriders", ein weiterer atemberaubend schneller Song, ohne ins Schrammeln abzugleiten. "Cloning The Christ" überzeugt durch seinen im Maschinengewehr-Rythmus gesungenen Chorus. Manchmal schimmert etwas Priest oder Maiden durch, ohne jedoch eine billige Kopie darzustellen. Kleiner Schwachpunkt finde ich sind die Vocals, die ab und an etwas zu arg gewollt "evil" klingen. Auch an den Chören könnte man noch etwas arbeiten, die klingen teilweise etwas schwachbrüstig. Ausfälle kann ich kaum welche feststellen, gegen Ende der Scheibe stellen sich aber ein paar Songs ein, die nicht ganz so zünden wollen, da wäre weniger etwas mehr gewesen. Den absoluten Übersong suche ich zwar leider auch vergebens aber trotzdem verbleiben für "The Opera Of The Phantom" solide 7,5 Punkte. US-Metal-Fans sei die Scheibe auf jeden Fall einmal testweise ans Herz gelegt.
 

Freitag, 2. November 2012

Silver Horses - Silver Horses







Band: Silver Horses
Album: Silver Horses
Spielzeit: 48:54 min.
Plattenfirma: 7hard
Veröffentlichung: 12.10.2012
Homepage: www.silver-horses.com

WERTUNG: 6 von 10

Trackliste:

01. Rub it on me
02. Run
03. Life and soul
04. Diamond sky
05. Secret Service
06. Suddenly lost
07. Me
08. Silver Horses
09. You're breaking my heart
10. You
11. Who's holding on to you

Line up:

Tony Martin – Vocals
Gianluca Galli – Guitar
Andrea Castelli – Bass
Matteo 'Bona' Bonini – Drums

Jetzt läuft die Scheibe von der neu zusammengesetzten italienisch / britischen Band schon zum 6. Mal. - Und zum 6. Mal bin ich auf der Suche nach dem Kick um endlich einen Zugang zu der Musik von “Silver Horses“ zu bekommen.

Um mich hier nicht falsch zu verstehen. Dieser 11-Track-Silberling ist nicht schlecht – auch die Musikrichtung, Retro / Classic-Rock im Stile der 70ziger, gefällt mir eigentlich – und doch plätschert das Album nach 2 Songs so irgendwie an mir vorbei. Auch nach dem 6. Hören bleibt mir weder eine Melodie noch ein besonders markanter Riff im Ohr.

Daran kann auch der von mir sehr geschätzte Sänger, Tony Martin, leider nicht viel ändern – und ich muss sagen, ich hab ihn schon wesentlich besser gehört, sowohl bei Black Sabbath als auch bei Empire oder auch in seinen Solowerken.

Im Promotiontext zu dieser CD steht, dass sich die Band stilistisch an den frühen Led Zeppelin und Whitesnake orientiert. Mag sein, gewisse Einflüsse will ich hier auch gar nicht abstreiten, aber um ehrlich zu sein, - da leg ich mir doch lieber die alten Scheiben der beiden vorgenannten Bands in den Player. Heute kann man den Stil der Band gut mit dem von Black Country Communion vergleichen.

Die beiden ersten Songs “Rub it on me“ und “Run“ lassen mich ja noch aufhorchen, aber leider verflacht die Scheibe dann doch sehr oder besser gesagt, es geht im selben Stile weiter, jedoch ohne an die Substanz der beiden Opener anknüpfen zu können.

Bei mir wird die Scheibe sicherlich hier und da mal im Hintergrund laufen wenn Besuch da ist. - Zu mehr reicht es aber leider nicht.

Oldwoodstock

Neil Young with Crazy Horse - Psychedelic Pill


Band: Neil Young with Crazy Horse
Album: Psychedelic Pill
Spielzeit: 87:41 Min.
VÖ: 30.10.2012
Plattenfirma: Reprise / Warner
Homepage: www.neilyoung.warnerreprise.com

Wertung : 9 von 10 Punkten

Trackliste:

CD1
1. Drifting Back
2. Psychedelic Pill
3. Ramada Inn
4. Born In Ontario

CD2
1. Twisted Road
2. She's Always Dancing
3. For The Love Of Man
4. Walk Like A Giant

Bonus Track
5. Psychedelic Pill (Alternate Mix)


Eine vorteilhafte Alterserscheinung, welche jüngere Zeitgenossen in Ermangelung derselben schon mal in den sprichwörtlichen Wahnsinn treibt, ist die Zeit. Sich Zeit nehmen...einfach mal hinsetzen und ausruhen, in aller Ruhe essen, durchatmen...Liebe machen, musizieren...Dinge wie diese bekommen im Laufe eines Menschenlebens sehr unterschiedliche Bedeutungen.  
Ähnlich muss es Neil Young ergehen. Der alte Mann aus den kalifornischen Bergen, der einst Allzeit-Hymnen wie Cinnamon Girl, Down By The River oder Heart Of Gold geschrieben hat. Der, wandelbar wie kaum ein anderer, Abstürze und Wiederauferstehungen erleben musste...und das Business von allen Seiten kennengelernt hat, veröffentlicht dieser Tage sein sage und schreibe 34. Studioalbum. Und verlangt dem Hörer eben diese eine grundlegende Sache ab, die er voraussetzt um seine Musik wirklich geniessen zu können: 87 Minuten lang die Füße stillzuhalten und sich Zeit für sein neues Album zu nehmen. 

Psychedelic Pill heisst die Platte und der 67-Jährige hat, was die Länge seiner Songs angeht, sein Alterswerk geschrieben. Diese wirken jedoch, und das ist das tolle daran,  keineswegs abgehangen, sondern energisch und stark wie lange nicht mehr. Welche Frischzellenkur der Mann gemacht hat, bleibt sicher sein Geheimnis und wenn er vom nahenden Ende seiner Musikerkarriere spricht, mag man es nicht recht glauben. Einzig der Blick auf den Kalender bestätigt alle Befürchtungen, die Uhr tickt auch für Ikonen.

Neil Young rührt mit der Doppel-CD bzw. dem 3-fach Vinyl (Young selbst verpönt übrigens sämtliche nicht-Vinyl Tonträger) tief in der eigenen Vergangenheit, wie so oft. Er begann, inspiriert durch das Aufschreiben seiner eigenen Memoiren, mit seinen alten Weggefährten Crazy Horse neue Stücke einzuspielen. "That song began in the studio when Neil sat down at the piano and began playing chords. Ralph (Molina) was on drums and he started this beat on the snare and wouldn't stop for nearly an hour." so Gitarrist Frank "Poncho" Sampedro über den Titelsong. 
Auf diesem Wege entstanden erfreulich frische, gleichzeitig aber auch an längst vergangene Zeiten erinnernde Songs, die vor allem den langjährigen Young-Anhängern vor Freude das Wasser in die Augen treiben dürften, wird man doch gleich mit dem Opener Driftin Back mit einer nahezu halbstündigen Verzerr- und Feedbackorgie konfrontiert...eine gleichermaßen einfache wie schwierige Sache, an der unzählige weniger talentierte Bands kläglich scheitern. Neil Young und seine Band Crazy Horse jedoch machen daraus einen Hörgenuss und lassen die eine oder andere Schwäche des Vorgängers "Americana" vergessen.

Doch es ist nicht nur die Verwunderung über instrumentale Dinge oder Songlängen, Young sinniert und spricht in Rätseln. Phrasen wie "Here's how I got my mantra, gave them 35 bucks now...gave it all to the maharashi, it went all to the organisation" oder "Gonna get a hip hop haircut" machen erst Sinn wenn man den Albumtitel noch mal nach vorne holt...Psychedelic Pill. Alles klar ? 
Erst nach längerem Rätseln wird klar dass er mit Zeilen wie "I used to dig Picasso, then the big tech giant came along and turned him into wallpaper" vermutlich seinen persönlichen Eifer für hochwertige Musikwiedergabesysteme besingt. Picasso=Pono (sein eigener hochauflösender Musikstandard) oder Vinyl, Wallpaper=datenreduzierte Systeme, MP3 etc.

Letztenendes jedoch spielt das alles nur eine untergeordnete Rolle. Young hat Songs für die Ewigkeit, zumindest aber für sein eigenes musikalisches Vermächtnis geschaffen. Ramada Inn, mit fast 17 Minuten ebenfalls mit nahezu epischen Ausmaßen ausgestattet, darf ohne Übertreibung als phänomenal bezeichnet werden. Ein musikalischer Ausflug, dominiert vom treibenden Rhytmus der Crazy Horse Band, vor allem aber Youngs wabernde Gitarrenwände, der einfach nur Spaß macht. Und hier kommt wieder der Faktor Zeit ins Spiel. Leute, nehmt sie euch, es lohnt sich zuzuhören. 

Es folgt eine Serie "kürzerer" Songs, und schon zeigt sich die andere Seite des Loners. Eingängige Refrains in Born In Ontario, übersichtliche, packende Songstrukturen in Twisted Road und eine nahezu sakrale Stimmung in For The Love Of Man. Eine erste und einzige Schwachstelle erlaubt Young sich mit dem 8-minütigen She's Always Dancing das gekürzt sicher mehr Schmackes gehabt hätte, so aber dümpelt die Nummer etwas langatmig vor sich hin.

Dann das Grande Finale. Mit Walk Like A Giant verabschiedet Neil Young sein Publikum und zündet eine letzte Kerze an. Was folgt sind mehr als 16 Minuten all dessen was einen perfekten Neil Young Song ausmacht. Die Essenz dieses Albums und die Auferstehung alter, vergessener Highlights. Der mehrstimmige herzerweichende Refrain, die wabernde Gitarre, der treibende Beat, das Pfeifen im Walde...Young-Fan, was willst Du mehr ?

Es folgt ein Bonus-Song, eine Version des Titelsongs. Ein Alternativ-Mix den ich nicht gebraucht hätte, gefällt mir doch die Album-Version schon sehr gut. Meiner Meinung nach überflüssig, wenngleich ebenfalls sehr gut.

Schlussendlich bin ich der Meinung dass Herr Young mit seinem bisher längsten Studio-Album sein Revier reichlich markiert hat. Gerne hätte es um ein, zwei Songs kürzer ausfallen dürfen, dann hätte ich zum zweiten Mal innerhalb von 14 Tagen die Höchstnote zücken müssen. So bleiben für Psychedelic Pill immerhin richtig fette neun Punkte. 

Bernd Fischer

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Aerosmith - Music From Another Dimension

Band: Aerosmith
Album: Music From Another Dimension
Label: Sony Music
Spielzeit: 81:16  Minuten (Deluxe Edition)
Veröffentlichung: 02.11.2012
Website: www.aerosmith.com


Wertung: 3 von 10


Tracklist:

01 – LUV XXX
02 – Oh Yeah
03 – Beautiful
04 – Tell Me
05 – Out Go The Lights
06 – Legendary Child
07 – What Could Have Been Love
08 – Street Jesus
09 – Can’t Stop Lovin’ You (Duet With Carrie Underwood)
10 – Lover Alot
11 – We All Fall Down
12 – Freedom Fighter
13 – Closer
14 – Something
15 – Another Last Goodbye 


Bonus-CD:

01 – Up On The Mountain
02 – Oasis In The Night
03 – Sunny Side Of Love




Kurz vor Veröffentlichung der neuen Aerosmith-Scheibe konnte man von Steven Tyler folgendes über seine Kollegen von Kiss hören: "Kiss sind eine Comicband - wenn ich ein Riff von Joe Perry gegenüber einem Riff von Kiss höre, weiss ich was besser ist etc.etc." Paule Stanley gab sich angesprochen darauf recht weltmännisch  gelassen und entgegnete lediglich: "Steven muss wohl seine neue Scheibe promoten und braucht einen Realitäts-Check. Wenn die Platte draußen ist vergleichen wir einmal beide Veröffentlichungen und dann sehen wir weiter". Lässig gekontert! Abgesehen davon, dass es für einen 63jährigen ziemlich kindisch ist, über Kollegen zu ätzen, ist nun die Stunde der Wahrheit gekommen, da beide Platten erhältlich sind. Und das Ergebnis der Gegenüberstellung fällt in etwa so aus, wie wenn der FC Bayern München in Stammbesetzung ein Freundschaftsspiel bei einer Altherren-Thekenmannschaft bestreitet. Zugunsten von wem, wird im Folgenden untersucht:
Die Aero-History in den 2000ern war doch recht bescheiden: Nach dem durchaus guten "Nine Lives" und dem Hit "I Don't Wanna Miss A Thing" aus dem "Armageddon"-Film, der sich zu einem Riesenhit entwickelte, war es bald vorbei mit der Glückseligkeit im Luftschmidt-Camp. Die fürchterliche "Just Push Play" war ein einziges Fiasko, die Touren wurden lauer, die Spielzeiten kürzer und es wechselten sich nur noch Greatest Hits-Scheiben mit Live-Compilations ab. Abgesehen davon tourte man so ziemlich jedes Jahr durch Amerika, denn man muss ja auch von etwas leben und die Ex-Frauen verzichten sicher nicht freiwillig auf ihre üppigen Unterhaltsansprüche. Dazwischen gab es im Jahr 2004 eine Cover-Scheibe namens "Honkin' on Bobo", die genauso überflüssig war wie ein Sandkasten in der Wüste Gobi. Kürzlich kam dann noch eine ziemlich konfuse Steven Tyler-Biographie auf den Markt und die Streitigkeiten zwischen Perry und Tyler zogen wieder mächtig an und gipfelten darin, dass sie sich gegenseitig auf der Bühne dissten. Einmal flog Tyler nach einer Attacke von Perry sogar von der Bühne. Nach absolviertem Entzug Nr. xx gab Tyler den Bohlen in "American Idol". So weit so schlecht. Besser sah es wieder aus, nachdem bekannt wurde, dass als Produzent für ein wirklich brandneues Studio-Album Jack Douglas gewonnen werden konnte, der 70er Jahre Haus- und Hofproduzent der Bostoner. Dieser war allerdings bereits bei der Blues-Coverscheibe am Werk und konnte selbige auch nicht retten. Den gestreuten Gerüchten zufolge sollte es wieder "Back to the Roots" gehen, ohne Balladenballast und ohne aussenstehende Songwriter. Blickt man auf die Credits, so kann man dieses Statement schon einmal komplett in die Tonne treten, sind mit Diane Warren & Co genau die üblichen Verdächtigen vertreten, die bereits das Vorgängerwerk verwässerten.
Nach einem sehr spacigen Intro wird der Hörer wirklich gespannt. Leider ist das originelle Intro aber der wirkliche Höhepunkt der ganzen Scheibe, denn was in großen Teilen folgt, ist die schlichte Demontage einer ehemaligen Legende. Anstatt dem Intro ein flottes Stück im Stile von "Toys in the Attic" oder "Eat The Rich" folgen zu lassen, hören wir Steven Tyler in "Love XXX" (gesprochen "Love Three Times") ein langgestrecktes "Helloooooooooo" singen und was zuallererst auffällt ist, dass die Produktion nahtlos an "Just Push Play" anschliesst: Glatt, poliert und ohne Dampf - "Pop" statt "Rock".  Das Stück gewinnt gar keine Fahrt, wird zwar zum Ende hin etwas flotter aber kann man getrost als unwürdig für den Opener-Slot einer Aero-Scheibe betiteln. Das nachfolgende "Oh Yeah" klingt in der Tat etwas rauher, recycelt aber ein lahmes Stones-Riff und die deplatzierten Frauen-Chöre, die "Oh Yeah" skandieren, tragen auch nicht dazu bei, dass der Song besser wird. Der aktuell neue Stones-Track "Doom & Gloom" zeigt es den Bostonern, wie es richtig geht. Bereits der zweite Rohrkrepierer. Das Leck im Rohr hält weiterhin an mit "Beautiful" . 1986 feierten Aerosmith mit "Walk This Way"in einer rap-betonten Version  ihre Renaissance zusammen mit Run DMC. Den Rap gibt es anno 2012 auch, nur klingt das hier so, als würde ein alter Mann früh beim Rasieren einen Beastie- Boys-Song schmettern. So klingen jedenfalls die Verse des Songs, da rettet auch das ganz nette Perry-Riff nicht mehr viel. Als Chorus wurde dann offenbar in der "Was haben wir denn noch an Pop-Refrains"-Schublade gekramt und ein fürchterlicher Seicht-Refrain in den Song eingebaut, der nun mal so gar nicht passt. Das Leck im Rohr wird immer grösser - soll das wirklich die erste Aerosmith-Studioscheibe nach 11 Jahren sein oder machen sich die Herren nur einen Spass ? "Tell Me", der nächste Stolperstein, wurde von Tom Hamilton mitverfasst und ist die erste (fast-) Ballade der CD (und es wird nicht die letzte sein). Auch hier ist wieder Popmusik ohne Biss angesagt, der Refrain klingt billig dahingenölt und ist erneut einer Band unwürdig, die ruhige Klassiker a'la "Dream On" oder "You See Me Crying" verfasst hat. Mit "Out Go The Lights" wird auf Song 5 das erste Mal annähernd so etwas wie Rockmusik geliefert. Hier allerdings auch wieder sehr stoneslastig und mit Frauenchören, die den Song eher seicht erscheinen lassen. Desweiteren ist die Bridge des Liedes ab "Roses are Red" irgendwie kitschig. Weiterer Negativpunkt: Nach 4 Minuten ist der Song praktisch vorbei um dann nach einem Break noch 3 Minuten lang mit "Oh-Wa-Hoo"-Chören unterlegt mit einem nicht gerade spannenden Gitarrensolopart bis knapp unter 7 Minuten fortgeführt zu werden. Da braucht man starke Nerven - absolut unnötig. Nichtsdestotrotz einer der besseren Songs, was viel über diese Scheibe aussagt. "Legendary Child" klingt nicht nur so wie ein mißglücktes und aus diesem Grund damals nicht veröffentlichtes Outtake zu "Get A Grip" - Zeiten, es ist auch tatsächlich ein Überbleibsel aus dieser 20 Jahre zurückliegenden (guten) Phase. Auch hier zitiere ich wieder Paul Stanley: "Warum alte Songs veröffentlichen, die bereits damals als albumuntauglich verworfen wurden?". Diese mehr als berechtigte Frage ist Aerosmith auch zu stellen, ich wäre auf eine Antwort gespannt. Der Song kombiniert ein geklautes Led Zep-Riff mit dem Luftschmidt-eigenen "Eat The Rich", ohne jedoch dessen Härtegrad und Biss zu erreichen. Der Chorus ist zudem so spannend wie ein Rosamunde-Pilcher-Film. Auch hier sind die inflationären "Oh"'s auffällig und mehrere Nummern zuviel. Zwar ein schwacher Song aber es gibt hier noch bei weitem schwächere. Hört man "What Could Have Been Love" , der nächsten Ballade, so sollte  der Truppe doch wirklich mal jemand sagen, dass man als Rockband 2012 mit einer süßlichen Ballade keinen Hit mehr landet. Es scheint an Ihnen völlig vorübergegangen zu sein, dass es heutzutage nicht mehr reicht, ein "More Than Words" oder "I'll be There For You" zu schreiben. So eine Herzschmerz-Ballade wirkt bei älteren Herren dann doch etwas peinlich, wobei man sagen muss, dass der Song so ziemlich der beste auf "Music From Another Dimension" ist. Er geht gut ins Ohr, hat eine epische Melodie und ist gut arrangiert. Nur bereits schon in mehrfacher Fassung auf vorherigen Aerosmithscheiben gehört und das auch um Einiges besser.Tyler finde ich klingt hier langsam müde und alt.  "Street Jesus" ist dann einer der wenigen wirklich guten Songs , die einigermaßen rocken. Wenn man es genau nimmt eigentlich der Einzige. Doch auch hier werden Fehler begangen. Nicht etwa dergestalt, dass das Lied ziemlich von "Rats In The Cellar" kopiert wurde, nein, statt einem kurzen knackigen Rocksong wird er auf über sechs Minuten gestreckt und das "Street Jesus" am Ende hin derart oft wiederholt, dass man sich vor die Boxen knieen möchte, um darum zu betteln, dass der Song doch bitte endlich endet. Wieder eine verpasste Chance. Dass Tyler in der Jury von "American Idol" (dem Gegenstück zu DSDS bei uns) sitzt, hat leider auch seine Spuren hinterlassen und zwar in Form  von "Can't Stop Loving You", einer seichten Country-Ballade, die zusammen mit der AI-Siegerin Carrie Underwood vorgetragen wird. Die Nummer wäre auf einem Tyler-Solo-Album (sofern dass denn einer benötigt) nicht weiter tragisch aber auf einem Aerosmith - Album ?? Nein Danke. Einer der absoluten Tiefpunkte der Scheibe und der Bandkarriere. Erinnert mich an eine Gruppe aus New Jersey, die auch mal als Rockband gestartet ist und sich dann auserkoren sah, einen auf Nashville-Seicht-Pop-Country zu machen. Angebiedere an ein jüngeres Publikum und die Gitarren wohlweisslich in den Hintergrund gemixt. "Lover A Lot" soll dann wohl wieder etwas den Rockfan zurückbringen, schafft mit seinem eintönigen sich dauerwiederholenden Refrain jedoch nur, dass man die Skip-Taste betätigt. Nervtötend. Weil es so schön war, steht dann schon wieder die nächste Ballade an, die da "We All Fall Down" heisst und von Diane Warren im Alleingang geschrieben wurde, in der Hoffnung, dass sich der "I Don't Wanna Miss A Thing"-Erfolg wiederholen mag. Klingt wie am Reißbrett entworfen (wurde der Song wahrscheinlich auch) und schon Tausendmal gehört. Die Drums klingen hierbei erschreckend synthetisch und Gitarren sind einmal mehr Mangelware. Auf "Freedom Fighter" ist einmal mehr Joe Perry am Mikrofon zu hören, der wohl eine der langweiligsten und monotonsten Stimmen im gesamten Rockzirkus hat. Offenbar traut sich das ihm keiner zu sagen und der von ihm vorgetragene Song plätschert auch nur langweilig vor sich hin ohne zu überzeugen. "Closer" geht auch als Ballade durch (nein nicht schon wieder!!!!!!!!!!!!!!!!) und verkackt auf ganzer Linie durch seinen in allen Belangen misslungenen Refrain, die Band klingt saft- und kraftlos und man reibt sich weiter verwundert die Augen bzw. Ohren bei dem hier Dargebotenen. Irgendwie merkt man, dass das keine richtige Band mehr ist, die Spass am gemeinsamen Musikmachen hat und ein Kollektiv darstellt, anders kann ich mir dieses Fiasko wahrlich nicht erklären. Das ist unterdurchschnittliche Auftragsarbeit , die den Namen "Aerosmith" nicht  verdient hat  Ein Song wie "Something" (wieder von Perry intoniert) wäre früher nicht einmal eine B-Seite wert gewesen, ein weiterer absolut nichtssagender Song, bei dem man erleichtert ist, wenn er vorbei ist. Ein weiteres  Lowlight haben sich die Jungs für ganz zum Schluss aufgehoben. Eine erneute (!!) Ballade namens "Another Last Goodbye", auf der nur Tyler mit Piano und Streichern zu hören ist. Der Song führt irgendwie nirgendwo hin und erinnert höchstens an Aufwärmübungen von Steven Tyler vor einem Konzert. Wie vor allem der schief gesungene Chorus, bei dem man wirklich kurz davor ist, das Ganze für eine Parodie zu halten, die Qualitätskontrolle passiert hat, ist mir ein Rätsel. Über die weiteren drei Songs der "Deluxe"-Edition noch Worte zu verlieren erspare ich mir, den  sie ziehen das Niveau noch weiter in den Keller (ein von Tom Hamilton gesungenes recht hüftsteifes Stück, ein Popsong sowie ein akustisches Nichts wieder mit Perry an den Stimmbändern) und macht mich nur noch wütender als ich es mittlerweile schon bin.
Von einer Band dieses Stellenwerts habe ich seit langem kein belangloseres, unrockigeres, balladenbetonteres, unharmonischeres und letztlich schwaches Werk gehört als "Music From Another Dimension". Den Titel muss man geradezu dergestalt deuten, dass diese Dimension eine ist, deren negatives Ausmaß man sich vorher wirklich nicht vorstellen konnte. Dass ich mit dieser Meinung nicht alleine dastehe, zeigen die mehrheitlich negativen Stimmen im Forum auf der bandeigenen Website (siehe oben).

Um den Faden von "Kiss vs. Aerosmith" von oben nochmals aufzunehmen: Kiss sei "eine Comicband" ? Schauen Sie sich das Cover Ihrer neuen Scheibe an, Herr Tyler, ist das nicht ein Comic ? Die Riffs von Perry wären "in einer anderen Liga als die von Kiss"? Mag sein, wären sie denn auf MFAD zu hören. Der Vergleich zwischen "Monster" und "Music From Another Dimension" ist eigentlich schon Blasphemie. Wo auf der einen gerockt wird, als ob es kein Morgen gäbe, bekommen wir auf der anderen fade und kraftlose Kost geboten, mit Songs, die dem Namen der Band auf dem Cover unwürdig sind. Diese Scheibe reiht sich bei mir  nahtlos in die "Hall Of Shame" neben "Lost Highway", "Dedicated To Chaos" , "Chinese Democracy" und ein paar anderen schwarzen Schafen ein. Sollte das wirklich die letzte Aerosmithscheibe sein, und danach sieht es ja nun wirklich aus, so ist das ein wirklich trauriger Abschied. 

Für die sehr raren, einigermaßen  guten (aber bei weitem nicht brillanten!) Momente der Scheibe, namentlich das coole Intro,  "What Could Have Been Love", "Out Go The Lights" sowie "Street Jesus", welche jedoch auch ihre Macken haben, vergebe ich 3 Gnadenpunkte. Der Rest spottet zum Teil wirklich jeder Beschreibung. Mir ist ein Rätsel, wie in so mancher Fachpresse das Werk als das beste Aerosmith-Teil seit Jahrzehnten abgefeiert wird. Kann an sich nur an den großflächig platzierten, ganzseitigen Anzeigen im Heftinneren liegen. Hier gibt es jedoch die (in diesem Fall leider schmerzhafte) unbeeinflusste Kritik. 

R.I.P. Aerosmith - ihr wart mal echte Helden!


Martin