Sonntag, 24. September 2017

Ronnie Montrose featuring Ricky Phillips and Eric Singer - 10x10


Band : Ronnie Montrose featuring Ricky Phillips and Eric Singer
Album : 10x10
Spielzeit : 46:02 Minuten
Veröffentlichung : 29.09.2017
Plattenfirma : Rhino
Homepage : www.ronniemontrose.com

Wertung : 9 von 10

Trackliste :
  1. Heavy Traffic feat. Eric Martin & Dave Meniketti 
  2. Love Is An Art feat. Edgar Winter & Rick Derringer 
  3. Color Blind feat. Sammy Hagar & Steve Lukather
  4. Still Singin' With The Band feat. Glenn Hughes, Phil Collen & Jimmy "Z" Zavala
  5. Strong Enough feat. Tommy Shaw 
  6. Any Minute feat. Mark Farner & Ricky Phillips
  7. The Kingdom's Come Undone feat. Ricky Phillips & Joe Bonamassa
  8. One Good Reason feat. Bruce Turgon & Brad Whitford
  9. Head On Straight feat. Davey Pattison & Mark Bonilla
  10.  I'm Not Lying feat. Gregg Rolie, Tom Gimbel & Lawrence Gowan

Ronnie Montrose ist für die meisten von Euch hoffentlich kein unbeschriebenes Blatt, denn um dessen ellenlange Vita aufzuarbeiten, bedürfte es locker eines Sonderartikels. Deshalb sei an dieser Stelle lediglich an sein wohl wichtigstes Werk, das Debutalbum Montrose (1973) und die Tatsache daß er damit den "Red Rocker" Sammy Hagar auf die große Bühne hob, erinnert. "Ronnie Montrose gave me my first break as a songwriter, as a front man, as a recording artist and as a touring artist, and for that I will always be grateful", so Hagar im Rolling Stone Magazin. Ganz nebenbei machte er so den US-Hardrock salonfähig und inspirierte unzählige Bands.



Kurz nachdem der begnadete Gitarrist gemeinsam mit Bassist Ricky Philips (StyxBad English) und Drummer Eric Singer (KissAlice Cooperanfing, 10x10 aufzunehmen, fügte er sich Anfang 2012 selbst eine Schussverletzung zu, an der er schließlich verstarb. Vermutet wird Selbstmord, da Montrose an Depressionen und Prostatakrebs litt, ein Abschiedsbrief wurde allerdings nie gefunden. Phillips und Singer hielten das hinterlassene Songmaterial für hochwertig genug, um das Album posthum fertigzustellen. Ronnie's Konzept zu 10x10 war, zehn Songs mit zehn verschiedenen Sängern einzuspielen. Phillips und Singer luden zunächst Sammy Hagar, der prompt seine Zusage gab, und weitere Musiker aus Ronnie's großem Freundeskreis ein, benutzten die fertigen Gitarrenspuren und Songideen und brachten das letzte Vermächtnis von Ronnie Montrose zu einem mehr als würdigen Ende. 

10x10 ist ein unerwartet solides und kraftvolles Hardrockalbum geworden, dessen Hintergrund und Entstehung für sich allein schon interessant genug wäre, immerhin hat eine Vielzahl von Musikern ihre Visitenkarte hinterlassen (wenn ich mich nicht verzählt habe, sind es 26 geworden). Fast genauso groß ist aber auch die Riege der Tontechniker und Produzenten, die mit der Entstehung zu tun hatten. Erstaunlich, wie wenig man das der Platte anhört, wie homogen und tight der Mix geworden ist. Hut ab ! 

Eric Martin eröffnet die Platte mit einem lauten "RONNIE !", als wolle er sagen "was hast Du da nur gemacht, Du Hornochse" und legt nach, indem er nach den merkwürdigen Medikamenten, die Montrose wohl zum Zeitpunkt seines Todes den Kopf vernebelten, fragt. Das schlichte Montrose-Riff  schiebt Heavy Traffic ein paar Sekunden lang in Richtung AC/DC, doch Tambourine, Backsgroundgesang von J'nae Fincannon und Debby Holiday und ein Piano hieven den Song eher auf die 70er Classic-Rock-Ebene. Spätestens Dave Meniketti stellt im Mittelteil mit seinem Solo klar, was da noch zu erwarten ist. Andere Baustelle; Blues. Lemmy konnte es nicht, Dylan kann es immer noch nicht und Edgar Winter röhrt wie ein brünftiger Hirsch. Aber interessiert das jemanden ? Nein, denn Love Is An Art muss so und nicht anders. Als Winter seine Abhandlung zum Thema Liebeskünste mit "So far, so bad.." startet und das Saxophon völlig relaxt mit Rick Derringer flirtet ist ohnehin alles gut.


Color Blind steht als Statement gegen Rassenhass. Sammy Hagar legte die Worte über Ronnie's Songidee, im Gegensatz zur üblichen Vorgehensweise der beiden, die genau umgekehrt lief. Die anfangs bedächtig-schleppende Nummer wäre denn auch mein erstes Highlight. Sammy Hagar singt von Sekunde zu Sekunde kraftvoller und man nimmt ihm seine Empörung wirklich ab. Der Shuffle wird vom atmosphärischen Wechselspiel zwischen Gitarre und Hi-Hat geprägt, unterbrochen vom gefühlvollen Solo eines Steve Lukather. Da darf man mal reinhören. Heftiger und vor allem schneller wird es mit Still Singin' With The Band, Glenn Hughes darf hier zeigen daß er noch immer zu den Top-Leuten gehört, wenn es um kraftvollen Gesang in verschiedenen Tonlagen geht. Die harte Rocknummer profitiert in erster Linie von den Gitarren und dem Bass-Schlagzeug-Fundament, doch die feinen Akzente setzen andere. Ricky Phillips, der hier die Tasteninstrumente bedient, legt seine Hammond voll mit rein und Jimmy "Z" Zavala holt für einen Moment, aber wirkungsvoll, seine Mundharmonika heraus.

Das schwül-schwitzige Strong Enough ist mein zweites Highlight, woran vor allem Tommy Shaw und der Backgroundgesang ihren Anteil haben. Beides harmoniert hervorragend mit der geheimnisvollen Stimmung dieser Nummer, die wiederum durch die Gitarrenarbeit von Montrose geprägt ist. Dem Meister wird mit diesem herausragenden Song posthum ein mehr als würdiges Denkmal gesetzt. Auch im weiteren Verlauf der Platte finden sich kaum Schwachpunkte, das funkige Any Minute besticht durch einen ausgesprochenen Groove, der im treibenden The Kingdom's Come Undone seine Fortsetzung findet. Die schöne Hookline ist gelungen und bleibt im Ohr hängen. Das obligatorische Gitarrensolo stammt diesmal von Joe Bonamassa. An Foreigner erinnert One Good Reason, was nicht verwundert, denn Sänger Bruce Turgon bediente von 1992 bis 2003 dort den Bass und sang im Hintergrund. Der treibende Song geht direkt ins Blut und ist mein nächstes Album-Highlight. Was für eine schöne Nummer...

Zum Schluss wird es nochmal richtig rauh. Die Hardrocknummer Head On Straight erinnert mich ein wenig an Whitesnake. Wobei Sänger Davey Pattison's helles Organ nicht unbedingt an David Coverdale erinnert, der hatte dafür mit Robin Trower zu tun und schon sind wir bei der letzten Nummer das Albums, die ein wenig an Trower erinnert. I'm Not Lying beschließt 10x10 auf sehr entspannte und ruhige Weise. Sänger Gregg Rolie und ein relaxtes Saxophon von Tom Gimbel runden sieben Minuten lang eine Platte ab, die überraschend kompakt und durchgängig hochwertig daherkommt. 

Ronnie Montrose hätte ganz sicher seine Freude daran gehabt. Ich habe sie und empfehle 10x10, es lohnt sich !


Bernd Fischer

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