Reviews, Berichte, CD Kritiken, DVD Kritiken, Interviews und Konzertberichte aus allen Sparten des Rock, Hardrock und Metal. WE ROCK HARDER! Dies ist der Blog des ehemaligen Webzines Rockingboy.de.
Band: San2 & His Soul Patrol Album: Hold On Spielzeit: 54:29 min. Plattenfirma: norpolrecords Veröffentlichung: 08.04.2016 Homepage: www.san2.de
WERTUNG: 9,5 von 10
Tracklist: 01. Hold On To Me 02. Just A Little Bit More 03. Julie 04. The Joker 05. Solid Man 06. So Beautiful 07. Love Train (feat. Louise Clare Marshall) 08. Burnin' Flame 09. To Be Somebody 10. My Song 11. Thank You It's You 12. Anywhere The Wind Blows 13. I'd Go On 14. Back 2 Frisco (Bonus Track)
Normalerweise konzentrieren wir uns hier auf dieser Seite auf die rockigeren Klänge und doch stehlen sich zwischendrin mal Alben in unsere Playlist, bei denen die E-Gitarre nicht so sehr im Vordergrund steht. "Hold On" von SAN2 & HIS SOUL PATROL ist ein solches und das aus einem guten Grund. Es ist einfach ein wunderbar tolles Album geworden, welches für mich die Sommersaison einläuten wird. SAN2 ist in meiner Heimatstadt Ingolstadt geboren, hat sich dann aber zum Weltenbummler gemausert. San Francisco, Amsterdam, München sind nur einige der Stationen, die SAN2 nach seiner fast schon schicksalhaften Begegnung mit der Soul Legende WILSON PICKETT zu seiner "Heimat" machte. Doch konzentrieren wir uns erstmal auf die Musik des aktuellen Albums. Produziert und mitgeschrieben von JAMIE CULLUM Entdecker & Mitarrangeur Geoff Gascoyne verbindet "Hold On" perfekt den Soul der 70er Jahre mit dem Pop der Neuzeit und ein wenig Jazz sowie Singer/Songwriter bzw. Blues Feeling ist ebenfalls zu spüren. Im Ganzen ergibt das eine Mischung, welche eigentlich dazu prädestiniert ist, sämtliche Charts in Europa auf den Kopf zu stellen.
Getragen von einem lässigen Beat überzeugt bereits der Opener "Hold On To Me" mit einem Refrain, der im Ohr hängen bleibt. Dazu kommt das besondere Timbre in der Stimme von SAN2, welches seinesgleichen sucht. Bei "Just A Little Bit More" kommt für mich der klassische Rhythm & Blues noch mehr zur Geltung als beim Vorgänger, einfach herrlich das tolle Gitarrensolo. Da könnte sich so mancher "Möchtegern-Blueser" eine dicke Scheibe abschneiden. Anschließend folgt mit "Julie" das absolute Highlight des Albums. Wen es bei diesem Song noch auf den Sitzen hält, der klebt mit Sekundenkleber daran fest. Die Mundharmonika ist auch zum ersten Mal deutlich zu hören und man versteht sofort, dass Hohner SAN2 zu den großen lebenden Blues-Mundharmonika Spielern zählt. Gut, die folgende Cover-Version von "The Joker" der STEVE MILLER BAND ist in meinen Ohren gewöhnungsbedürftig. Zu sehr entzieht die SOUL PATROL dem Song den Rock und verpasst ihm eine ordentliche Portion Smooth Jazz. Glücklicherweise aber auch hier in überzeugender Art und Weise und mit "Solid Man" hat man direkt danach wieder die geniale Mischung aus Soul und Blues in den Vordergrund gestellt. Damit könnte sich Deutschland durchaus beim Eurovision Song Contest konkurrenzfähig zeigen, doch dazu verliere ich erstmal keine Worte mehr.
Und zu "Hold On" kann ich im Grunde auch nicht viel Neues mehr berichten, denn die 54 Minuten schäumen nur so über vor Spielfreude und dem Gespür für Groove und Melodie. Im Grunde also ein perfektes Album, welches für mich nur manchmal etwas mehr das Gaspedal durchtreten sollte. Könnte aber durchaus an meinem Faible für Rock liegen, denn ich finde hier nur richtig gute bis geniale Stücke. Wie z.B. das Stück zur Flüchtlingskrise "Love Train", bei dem SAN2 & THE SOUL TRAIN von der großartigen LOUISE CLARE MARSHALL unterstützt werden, die unter anderem auch schon mit dem nicht minder grandiosen JOOLS HOLLAND auf Tour war.
Ok, ich kann mich in meiner Begeisterung kaum bremsen, denn wenn ich ein Stück wie "Burnin' Flame" höre, dann schießt mir sofort ein Gedanke in den Kopf: Genau so muss Blues 2016 klingen. Also, wenn ihr auch ein wenig außerhalb der Rockmusik ein Ohr riskiert, dann steht spätestens am 08.04. beim Plattendealer eures Vertrauens (egal ob digital oder analog) und zieht euch SAN2 rein. Es lohnt sich für euch. Markus
Band : Blood Ceremony Album : Lord Of Misrule Spielzeit : 44:13 Min. Plattenfirma : Rise Above Records Veröffentlichung : 25.03.2016 Homepage :www.facebook.com/bloodceremonyrock
Wertung : 8 von 10
Tracklist :
The Devil's Widow
Loreley
The Rogue's Lot
Lord Of Misrule
Half Moon Street
The Weird Of Finistère
Flower Phantoms
Old Fires
Things Present, Things Past
"Flötenlastiger Hexen-Rock", so oder ähnlich sollte man "Flute-tinged Witch Rock" wohl halbwegs passend ins Deutsche übersetzen. Blood Ceremony aus Toronto beschreiben ihre Musik zumindest selbst mit diesen Worten. Der Mix aus psychedelischem Doom-Rock und stetigem Bezug zu okkulten Themen ist denn auch Programm bei der Band um die betörende Frontfrau Alia O'Brian. Weitere Auffälligkeit: Ähnlich wie die Dresdner Wucan würzen die seit 2006 bestehenden Kanadier ihren Sound mit dem gelegentlichen Einsatz einer Querflöte und rufen damit natürlich mal wieder eine Band auf den Plan: Jethro Tull. Damit hat es sich dann im Grunde aber auch schon mit den Ähnlichkeiten mit anderen Bands. Blood Ceremony gehen deutlich härter zur Sache als Tull und bedienen im Gegensatz zu Wucan nicht den Kraut- sorry, Kräuterrocker, sondern eher die Anhänger der Okkultismus- bzw. Hexenkult-Szene. Wer also auf ältere Bands wie Black Widow oder Sir Lord Baltimore steht, dürfte sich mit Blood Ceremony bestens amüsieren. Wobei nicht unterschlagen werden soll daß lockere Einflechtungen psychedelischen Pops der späten 60er die Sache hörbar auflockern. Und so ist Loreley, die zweite Nummer der Platte, ebenso interessant aber anders als der markante, weil Querflöten- und Riff-lastige Opener The Devil's Widow.
Letztlich fällt auf daß Blood Ceremony als Band ein sehr homogenes Bild abgeben. Alia O'Brian lässt ihre Mitstreiter, nicht zuletzt durch den dankenswerterweise ausgeglichenen Mix, nicht zu reinen Statisten verkommen...was auf der Bühne unter Umständen dank Ihrer optischen "Vorzüge" anders aussehen dürfte. Mir macht die Scheibe bereits nach dem zweiten, dritten Durchlauf eine Menge Spaß. Empfehlenswert das schleppende The Rogue's Lot mit tollem Refrain, insbesondereaber Lord Of Misrule. Dessen historisch angehauchte Story, die dem "Abbot of Unreason" (König Hofnarr, Narrenprinz) und dessen Geschichte um einen mittelalterlichen, heidnischen Brauch gewidmet wurde. In dessen Verlauf wurde einem Mann per Losverfahren das Recht zuteil, anderen Männern das Herumlaufen in Frauenkleidern, singen von zotigen Liedern, exzessives Trinken, Spielen um
Geld, bis hin zu Würfelspielen auf dem Altar in der Kirche zur Vorweihnachtszeit, dem Feast of Fools, zu erlauben. Solche Kleinigkeiten, gut recherchierte Lyrics und Hintergründe sind es, die neben guter Musik den einen oder anderen packen und fesseln können. Und eben das ist es, was die Platte ausmacht: Die Mischung aus der Musik, die ich mag und einer, wenn auch sehr speziellen, konzeptionellen Grundlage.
Mit einem Riff, welches jeder Southern Rock-Band stehen würde, leiten Blood Ceremony einen Höhepunkt der Platte, Half Moon Street, ein. Die geradezu swingende Nummer besticht durch das unaufdringliche, feine Gitarrenspiel Sean Kennedys, aber letztlich ist es Alia O'Brian, die mit ihrem kraftvoll-spröden Gesang Akzente setzt. Den Rest besorgt die Querflöte im Wechselspiel mit der acidlastigen Gitarre. Entspannt aber düsterlich-faszinierend ziehtStück für Stück dahin, leichte Erinnerungen werden wach an Blackmore's Night, wenn Alia deutlich authentischer als o.g. das tun würden The Weird OfFinistère vorträgt. Die bedächtige Nummer stammt aus der Feder des Gitarristen Sean Kennedy, der diese schon für das 2008er Debut schrieb, jedoch bis jetzt keine passenden Lyrics dafür fand. Mit Old Fires holen Blood Ceremony noch mal die schnellen Hardrock-Riffs und mehr Geschwindigkeit zurück an Bord, bevor Alia mich plötzlich in der Abschlussnummer Things Present, Things Past an Christine McVie von Fleetwood Mac erinnert. Die melancholische Nummer schließt die Platte mehr als würdig ab, selbst wenn die Querflötentöne mich stellenweise an einen VHS-Blockflötenkurs erinnern. Ich mag die Scheibe und empfehle sie daher gern weiter, die ausgewogene und transparente Produktion, durch die sämtliche Instrumente zu ihrem Recht kommen, gefällt mir ebenso gut wie das Konzept der Platte und das düstere, interessante Songwriting.
Band : Joe Bonamassa Album : Blues Of Desperation Spielzeit : 61.29 Min. Plattenfirma : Provogue / Mascot Label Group Veröffentlichung : 25.03.2016 Homepage : www.jbonamassa.com Wertung : 7 von 10
Trackliste:
This Train
Mountain Climbing
Drive
No Good Place For The Lonely
Blues Of Desperation
The Valley Runs Low
You Left Me Nothin' But The Bill And The Blues
Distant Lonesome Train
How Deep This River Runs
Livin' Easy
What I've Known For A Very Long Time
Und täglich grüßt das Murmeltier. Ein weiteres Jahr zieht ins Land, unser aller Lieblingsgitarrist veröffentlicht mal wieder ein neues Album, die Hallen sind gut gefüllt und die Fans liegen ihm sowieso schon lange zu Füßen. Also alles töfte im Hause Bonamassa samt Anhängerschar...sollte man meinen.
Blues Of Desperationheisst die neue Studioveröffentlichung, Blues der Verzweiflung oder so. Und wenn ich es mal so sagen darf, bin ich schon ein wenig der Verzweiflung nahe bei der Platte und mach's für Euch erstmal kurz und knackig: Die Scheibe ist spannender, intensiver und kurzweiliger als viele seiner letzten Werke aber Haus- und Hofproduzent Kevin Shirley hat's ordentlich vermasselt.
Vorweg, ich bemühe mich ja stets, die mir zugesandte Musik mit dem gebührenden Respekt in Form diverser intensiver Hördurchgänge zu testen, selbst wenn's dafür mal wieder etwas länger dauert. Zu einer richtig guten Scheibe gehört für mich neben der musikalischen Darbietung auch die Produktion und der Mix. Sicher sind diese Hör-Eindrücke subjektiv, doch mir ist es eben ein Gräuel eine Platte aufzulegen, die sich anhört als hätte man fünf Wolldecken über die Lautsprecher geworfen. Hinzu kommt ein Schlagzeug, welches stellenweise kaum hörbar ist, von Crashbecken oder einer Hi-Hat mal ganz zu schweigen, die hört man teilweise gar nicht. Ich bin weit davon entfernt, ein Soundfetischist zu sein, doch was der hochgelobte Kevin Shirley da abgeliefert hat, geht für mich gar nicht. Um sicherzugehen dass ich mir das alles nicht einbilde, habe ich Kumpel Berti die Promo-CD probehören lassen. Keine Sorge, ich war dabei, es sind keine illegalen Kopien erstellt worden. Seine Meinung zur Platte fällt deutlich krasser aus "Ich bin durch mit Bonamassa...", was sich im Wesentlichen auch auf die Soundqualität bezieht.
Umso ärgerlicher, weil Bonamassa ansonsten eine wirklich tolle Platte hingelegt hat. Er hat sich verdammt starke Songs schreiben lassen, liefert tolle Riffs ab, rockt was das Zeug hält und spielt herzerweichende Gitarrensoli. Als wolle er beweisen, dass eine Dampflok einen 100m Hürdenlauf schafft, legt er mit This Traineinen furiosen Start-Ziel Sprint hin. Das Schlagzeug pumpt die Nummer Stück für Stück nach vorne, Bonamassa singt schön wie immer und spielt eine feine Gitarre, die peu á peu an Härte gewinnt. Das Klavier lockert die Nummer ebenso auf wie der sehr dezent eingesetzte Backgroundgesang. Cool. Die Bandbesetzung hat der Meister bewusst auf den Kopf gestellt, frischer Wind sollte her und dieser tut der Musik gut, die Atmosphäre wirkt rauher und kraftvoller als noch auf Different Shades Of Blue.
Nach dem Tempo dann die Härte. Mountain Climbing. Monsterriff trifft Monsterbass trifft Monsterschlagzeug, soweit es denn wahrnehmbar ist.Der erwähnte Damenchor im Refrain und vor allem, ich betone es gern erneut, Bonamassa's tolles Gitarrenspiel und Gesang machen aus dem ansonsten schlichten Midtempo-Rocker eine hörenswerte Angelegenheit. Das kann er, das hat er drauf, dafür lieben ihn die Massen letztlich zurecht.Man ist ja geneigt, immer wieder zu erzählen, wie toll der Joe das alles kann. Die musikalische Geilheit des Briten ist erschreckend, er hat sich Songwriter gesucht, die es drauf haben, er hat sich Musiker gesucht, die das alles umsetzen, er selber ist ein Paradebeispiel für handwerkliches Können...was er vergessen hat: Sich einen gescheiten Mann an den Reglern zu suchen.
Denn schon mit der dritten Nummer, Drive, vergeht mir die Lust ein wenig. Ich möchte mich nicht wiederholen, stelle aber leider ständig fest daß mir die Aufnahmequalität von Blues Of Desperation gar nicht gefällt. Damit aber denn auch jetzt genug zu dem Thema, denn schon legt er mitdem coolen No Good Place For The Lonely die Messlatte ein Stück höher, baut dezente Streicher plus Wahnsinnssolo ein und haut einfach mal eben einen künftigen Klassiker raus. Er hat eben die Songs im Gepäck, die seine Anhänger glücklich machen. Sein Mix aus Rock, Blues und Melancholie ist derzeit einzigartig in der Musikszene, ob die Anhänger des "echten" Blues das nun hören wollen oder nicht. Dazu kommt natürlich die ebenso clevere wie offensive Werbestrategie, die seinen Bekanntheitsgrad in den letzten Jahren zur echten Marke gepusht hat. Ist vielleicht verpönt aber nicht verboten.
Blues Of Desperation, der Titelsong, könnte aus der Feder von Page/Plant stammen und spielt fast unverschämt mit Zitaten derer Musik. Ich mag's trotzdem, ausserdem ist er nicht der Erste der das macht. Aber Bonamassa wäre nicht er selbst, hätte er nicht auch immer einige Momente derEntspannung auf seinen Veröffentlichungen. Auch diesmal ist das so, TheValley Runs Low, ein nahezu zärtliches Stück, eingängig wie sonstwas und mit tollen "ich bleib direkt im Ohr hängen"-Momenten, rundet das Füllhorn der tollen Songs perfekt ab. Mit dem folgenden How Deep This River Runs gibt es im hinteren Drittel den vermeintlichen Höhepunkt der Platte. In sechseinhalb Minuten baut sich ein furioses Spektakel zwischen Schlagzeug und Gitarre auf, natürlich dominiert von einem der vielen Gitarrensoli des Joe Bonamassa, wie auch sonst. Bonamassa zaubert, rockt, groovt und soliert sich durch das einstündige Album und jeder weiss, dass auch diese Platte wieder ein Erfolg wird.
Ich leide letztlich leise vor mich hin, wundere mich, dass in ersten Rezensionen keine Rede vom dumpfen Sound ist und hoffe daß es irgendwann mal einen besseren Produzenten im Hause Bonamassa gibt. Ich setze auf die Zukunft und hoffe daß dieses tolle Album eines Tages eine zweite Chance in Form eines vernünftigen Remasterings oder Remixes erhält.
Band: Magick Touch Album: Elektrick Sorcery Spielzeit: 35:12 min. Plattenfirma: Edged Circle Productions Veröffentlichung: 22.04.2016 Homepage: http://magicktouch.no/
WERTUNG: 8 von 10
Tracklist: 01. Love Rocket 02. Underwater Prison 03. Trouble & Luck 04. Joker Vs. Ace 05. Wildfire 06. Reprise 07. Dead Man In Chicago 08. Out Of Reality 09. Swansong 10. Loose Cannon
Einen Geheimtipp aus dem hohen Norden Europas, genauer gesagt aus Norwegen, habe ich heute für alle Classic Rock Maniacs unter euch. Denn das Power Trio MAGICK TOUCH (ja, die haben einen leichten ck-Einschlag) liefern mit "Elektrick Sorcery" ein Album ab, welches den Spirit der 70er Jahre in jeder Sekunde atmet ohne dabei altbacken zu klingen. Die Spielfreude von HK Rein (voc./git.), Bård “Heavy” Nordvik (dr.) und Christer Ottesen (bass, voc.) ist einfach ansteckend. Dazu kommt, dass das Songwriting wirklich gelungen ist.
Bereits beim Opener "Love Rocket" kommen Erinnerungen an THIN LIZZY oder frühe KISS auf. Der Einstand ist definitiv geglückt. Das folgende "Underwater Prison" nimmt dann den Fuß vom Gaspedal und groovt dafür ohne Ende. Schon beim zweiten Hören geht der Refrain richtig gut ins Ohr. Man glaubt teilweise gar nicht, dass hier nur drei Mann am Werk sind. "Trouble & Luck" benötigt dann ein paar Durchläufe mehr, da ist die Strophe an sich schon mehr Standardware als zuvor. Bridge und Refrain sind aber relativ gut gelungen. Glücklicherweise folgt mit "Joker Vs. Ace" direkt im Anschluß der stärkste Song des Albums, den wir auch als Tipp der Woche vorstellen. Lässig aus der Hüfte gerockt, mit verdammt viel Drive gespielt, vereint dieser Song wirklich das Beste, was MAGICK TOUCH anno 2016 abliefern. Knapp 4 Minuten purer Rockgenuss. "Wildfire" ist dann etwas ruhiger, kann mit einem großartigen Spannungsbogen aber wiederum überzeugen.
Nach einem kurzen Zwischenspiel folgen mit "Dead Man In Chicago" und "Out Of Reality" zwei Stücke, die mich nicht wirklich überzeugen. Beide sind nicht wirklich schlecht, fallen mir persönlich aber zu sehr in Standardmuster ab. Mit "Swansong" und dem grandiosen "Loose Cannon" besinnen sich die Norweger wieder auf Ihre Stärken und lassen die leider ziemlich kurzen 35 Minuten zu einem guten Ende kommen.
Live dürfte das Trio übrigens noch ein weniger heftiger als auf Konserve rüber kommen, denn 90% der Stücke schreien regelrecht danach auf einer Bühne in einem verschwitzten Club performt zu werden. Leider finde ich im Netz momentan noch nix hinsichtlich einer Tour durch unsere Gefilde. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Natürlich gibt es "Elektrick Sorcery" auch stilgerecht in einer Vinyl Version, die ich persönlich vorziehen würde. Markus
Interpret: Rick Springfield Album: Rocket Science Spielzeit: 48:38 min. Plattenfirma: Frontiers Records Veröffentlichung: 19.02.2016 Homepage: http://rickspringfield.com/
Wertung : 8 von 10 Punkten
Tracklist:
01. Light This Party Up 02. Down 03. That One 04. The Best Damn Thing 05. Miss Mayhem 06. Pay It Forward 07. Found 08. Crowded Solitude 09. Let Me In 10. All Hands on Deck 11. We Connect 12. (I Wish I Had A) Concrete Heart 13. Earth to Angel
Als die ersten Ankündigungen zum neuen Album von Rick Springfield zu lesen waren, war ich nicht gerade optimistisch gestimmt: "Rock mit Country-Twist" so die einhellige Meinung der Gesalbten, die die Scheibe bereits vorab hören durften. Erinnerungen wurden wach an eines der schlimmsten Alben meiner musikalischen Vergangenheit namens "Lost Highway", eigentlich das übelste Album einer (ehemaligen) Rockband aller Zeiten (Bon Jovi). Sollte Rick Springfield mich ebenso vergraulen wie der einstige Haarspray-Rocker? Zum Glück kann Entwarnung gegeben werden. Ich bin zwar immer noch kein Anhänger von Country, aber das was Meister Springfield auf "Rocket Science" fabriziert hat, hat zum Glück nur äußerst dezente Country-Anklänge und ist weit weg von lauwarmer Seichtheit, zudem stimmt auch (wie fast immer bei ihm) das Songwriting. Klar ist die eine oder andere Country-Anleihe (insbesondere bei den Gitarren) zu vermerken, aber alles so stimmig eingesetzt, dass es einem nicht auf den Senkel geht.
Der rockige Opener "Light This Party Up" macht seinem Titel alle Ehre. Die langweiligste Party würde bei dem Song beginnen, lebendig zu werden, auch wenn das Stück gerade einmal knapp über zwei Minuten lang ist. "Down" wurde bereits vor Erscheinen von Rick live gespielt und ist ebenfalls ein straighter Rocker, zwar nicht ganz so heftig wie die Songs der härter produzierten "Songs for the End Of The World"-Scheibe, aber ein Song par excellance, der einmal mehr das Talent des mittlerweile 66jährigen unterstreicht. Die gelungene Halbballade "That One" gibt einem Zeit zum Ausruhen, ehe "The Best Damn Thing" das Tempo wieder anzieht, diesmal mit einer leichten Country-Gitarre im Refrain im Anschlag, aber dennoch typisch Rick.
Das bluesige "Miss Mayhem" reisst mich nicht allzusehr vom Hocker, hier ist die Steel-Guitar sehr prominent, der Song ist zudem recht bluesig ausgefallen, für Springfield-Verhältnisse etwas ungewohnt, der Refrain geht aber wieder klasse ins Ohr. Bei "Pay It Forward" ist dann erstmals eine Country-Fiddle zu hören. Der Song wäre in einem härterem Kontext wohl der Überhammer geworden, so ist er eben etwas Keith-Urban-geglättet ausgefallen, nimmt ihm aber nichts von seiner Klasse. "Found" ist wieder eine Fast-Ballade, die mich etwas an alte Hooters-Songs erinnert. Auch hier wieder formidable Melodieführungen, das Songwriting ist einfach Güteklasse 1A.
"Crowded Solitude" ist eher wieder unter die Rubrik "ganz nett" einzuordnen, eine Spur zu seicht vielleicht, aber macht gute Laune. "Let Me In" gab es bereits als einen von mehreren Bonus-Tracks auf der letzten Scheibe, dort hat mir der Song dann doch etwas besser gefallen, da stört mich der Country-Einschlag dann doch etwas. Nichtsdestotrotz ein guter Song.
"All Hands On
Deck" könnte auch wieder als Hooters-Song durchgehen, flott gespielt und
live sicher ein Abräumer mit Hymnencharakter. "We Connect" ist wieder old-school-Rick , wie man ihn kennt und liebt, ein poppig-treiber Song mit Ohrwurmrefrain. "(I
Wish I Had A) Concrete Heart" ist für mich der einzige Song der
Kategorie "Füller", da gefällt mir der I-tunes-Bonustrack "Beautiful
Inside" um einiges besser. Aber Geschmackssache.
Mit "Earth To Angel" ist nochmal ein gelunger Melodic-Rausschmeisser dabei, der eine gutklassige Scheibe abschließt, die beweist, dass leichte Country-Einflüsse nicht automatisch musikalische Belanglosigkeit bedeuten. "Rocket Science" macht Laune, auch wenn mir die härter rockenden Vorgängerscheiben um einige besser gefallen haben. So ists eben etwas seichter aber der Mann ist trotzdem eine Klasse für sich und sollte wieder einmal den Weg in die deutschen Konzerthallen finden.