Freitag, 1. Januar 2016

Pristine - Reboot



Band : Pristine
Album : Reboot
Spielzeit : 45:14 Min.
Plattenfirma : Pristine Music Production / Cargo
Veröffentlichung : 22.01.2016
Homepage : www.pristinemusicproduction.com

Wertung : 8 von 10 


Trackliste :
  1. Derek
  2. All Of My Love
  3. All I Want Is You
  4. Bootie Call
  5. Reboot
  6. The Middlemen
  7. California
  8. Louis Lane
  9. Don't Save My Soul
  10. The Lemon Waltz

Manch einer stellt sich bestimmt die Frage, wie lange der Boom psychedelisch angehauchter Rockbands noch anhalten mag. Vielleicht sollte man sich bei der Fülle dieser Bands auch mal überlegen, über wie viele dieser Gruppen wir in 10 Jahren noch reden werden. 

In der Tradition dieser Bands namens Blues Pills, Wucan, Graveyard oder Horisont stehen seit ihrem 2011er Debut auch die Norweger Pristine. Die aus Oslo stammende Band um Sängerin und Labelbetreiberin Heidi Solheim wird ihr drittes Album im Januar auf den Markt werfen. Konnten die beiden Vorgänger Detoxing (2011) und No Regret (2013) noch ausschliesslich über einen norwegischen Verlag bezogen werden, dürfte Reboot durch die Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner Cargo deutlich leichter zu beschaffen sein.

Und was soll ich sagen, man sollte den Musikern erstmal zu einer richtig guten Platte gratulieren, selbst wenn der Einstieg in Reboot ein paar Sekunden lang an eine Rage Against The Machine-Gedenkveranstaltung (zieht man das kurze Harp-Intro ab) erinnert. Der Eindruck währt jedoch nur ganz kurz und die nachfolgenden 45 Minuten lassen ein ganz anderes Licht auf die Platte scheinen. Pristine verstehen sich dank Frontrau Heidi auf knallharten Bluesrock ebenso wie auf sensible Momente. Überhaupt Heidi Solheim...die Dame erinnert ein wenig an amerikanische Sängerinnen wie Dana Fuchs oder Beth Hart und hat 2011 mit Found ein ganz feines Solo-Album veröffentlicht, gefolgt von Dinosaus, einem Kinder-Konzeptalbum im Blues-Pop-Rock Stil, mit dem sie die norwegischen Kids (die Platte ist heimatsprachlich eingesungen) unter anderem darüber aufklärt, daß nicht jeder Musiker eine Karriere der Marke Justin Bieber hinlegen kann.

Es gibt Musiker, die hatten schon schlechtere Ideen...


Die Musik der Band auf eine Person zu reduzieren wäre jedoch ungerecht und völlig falsch, denn bereits mit dem dritten Song, All I Want Is You, entfalten Pristine ein Flair, das nur eine gewachsene Band hinbekommt. Die mit viel Hall unterlegte Gitarre weist den Weg in einen atmophärisch-schwebenden 6-Minüter, der an Intensität stetig hinzugewinnt und von einer zunächst zurückhaltenden Orgel profitiert, die im hinteren Drittel aus der geilen Nummer eine sehr geile macht. Meine unbedingte Empfehlung zum Reinhören !!!!!
Ganz ähnlich der Titelsong. Der langsam stampfende Beat von Drummer Karl Karlsen legt das Fundament über das sich langsam eine immer fetter werdende Orgelschicht samt Querflöte und Bläsersatz legt. So schwillt der Song innerhalb von knapp sechs Minuten zu einem furiosen Ende an, welches erneut von der Stimme Solheims, die einen Moment lang an die legendäre Björk erinnert, gekrönt wird. The Middlemen trägt Euch durchs Wohnzimmer, ob ihr wollt oder nicht. David Gilmour hätte garantiert nichts gegen den naheliegenden Vergleich mit dem Gitarrenspiel von Espen Elverson, aber da täte man Pristine einen Bärendienst. Denn die Kombination aus der unglaublich wandelbaren Stimme ihrer Sängerin und der überragenden Leistung von Gitarre, Orgel und Rhytmusgruppe ist durchaus eigenständig und bedarf gar keines Vergleiches mit bekannteren Bands.


 
Es beschleicht mich allerdings auch der leise Gedanke, daß die Band sich ihrer Fähigkeiten nicht wirklich bewusst ist. Ich habe bei California, Lois Lane und Don't Save My Soul, allesamt wirklich hörenswert, das Gefühl daß Songs eingespielt wurden, weil man halt grundsätzlich den bluesbasierten Rock in der Vita halten möchte. Das ganze Ausmaß der Möglichkeiten wird halt immer dann deutlich, wenn Heidi Solheim besonders glänzt und ihre Mitmusiker mitzieht. Immer dann stelle ich mir die Frage, wie sich deutlich getragenere Rootsmusik der Marke Raising Sand (Alison Krauss & Robert Plant) oder OH (Ohio) von Lambchop wohl in der norwegischen Pristine-Interpretation anhören würde.

Norgeicana quasi...

Reboot endet mit dem fantastischen The Lemon Waltz. Bei der viereinhalb-minütigen Schlussnummer richten sich mir erneut die Nackenhaare auf, dermaßen gefühlvoll transportiert der vielschichtige Gesang Solheims die ergreifende Stimmung dieser Nummer. So endet die Wundertüte Reboot. Ich bin mir sicher, daß da noch einiges kommt und freue mich schon drauf.

Bernd

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