Sonntag, 7. Februar 2016

Dream Theater - The Astonishing (2 CD)

Band: Dream Theater
Album: The Astonishing
Spielzeit:  130:23 min. (2 CD)
Plattenfirma: Roadrunner Records
Veröffentlichung: 29.01.2016
Homepage: http://www.dreamtheater.net


WERTUNG: 8 von 10 Punkten

Act I
01. “Descent of the NOMACS”
02. “Dystopian Overture”
03. “The Gift of Music”
04. “The Answer”
05. “A Better Life”
06. “Lord Nafaryus”
07. “A Savior in the Square”
08. “When Your Time Has Come”
09. “Act of Faythe”
10. “Three Days”
11. “The Hovering Sojourn”
12. “Brother, Can You Hear Me?”
13. “A Life Left Behind”
14. “Ravenskill”
15. “Chosen”
16. “A Tempting Offer”
17. “Digital Discord”
18. “The X Aspect”
19. “A New Beginning”
20. “The Road to Revolution”
Act II
01. “2285 Entr’acte”
02. “Moment of Betrayal”
03. “Heaven’s Cove”
04. “Begin Again”
05. “The Path That Divides”
06. “Machine Chatter”
07. “The Walking Shadow”
08. “My Last Farewell”
09. “Losing Faythe”
10. “Whispers in the Wind”
11. “Hymn of a Thousand Voices”
12. “Our New World”
13. “Power Down”
14. “Astonishing”


Read More: Dream Theater Unveil 'The Astonishing' Artwork + Tracklist | http://loudwire.com/dream-theater-the-astonishing-artwork-track-listing/?trackback=tsmclip

Act I
01. “Descent of the NOMACS”
02. “Dystopian Overture”
03. “The Gift of Music”
04. “The Answer”
05. “A Better Life”
06. “Lord Nafaryus”
07. “A Savior in the Square”
08. “When Your Time Has Come”
09. “Act of Faythe”
10. “Three Days”
11. “The Hovering Sojourn”
12. “Brother, Can You Hear Me?”
13. “A Life Left Behind”
14. “Ravenskill”
15. “Chosen”
16. “A Tempting Offer”
17. “Digital Discord”
18. “The X Aspect”
19. “A New Beginning”
20. “The Road to Revolution”
Act II
01. “2285 Entr’acte”
02. “Moment of Betrayal”
03. “Heaven’s Cove”
04. “Begin Again”
05. “The Path That Divides”
06. “Machine Chatter”
07. “The Walking Shadow”
08. “My Last Farewell”
09. “Losing Faythe”
10. “Whispers in the Wind”
11. “Hymn of a Thousand Voices”
12. “Our New World”
13. “Power Down”
14. “Astonishing”


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Tracklist:

Act I
01. Descent Of The NOMACS
02. Dystopian Overture
03. The Gift Of Music
04. The Answer
05. A Better Life
06. Lord Nafaryus
07. A Savior In The Square
08. When Your Time Has Come
09. Act Of Faythe
10. Three Days
11. The Hovering Sojourn
12. Brother, Can You Hear Me?
13. A Life Left Behind
14. Ravenskill
15. Chosen
16. A Tempting Offer
17. Digital Discord
18. The X Aspect
19. A New Beginning
20. The Road To Revolution



Act II
01. 2285 Entr'acte
02. Moment Of Betrayal
03. Heaven’s Cove
04. Begin Again
05. The Path That Divides
06. Machine Chatter
07. The Walking Shadow
08. My Last Farewell
09. Losing Faythe
10. Whispers In The Wind
11. Hymn Of A Thousand Voices
12. Our New World
13. Power Down
14. Astonishing




Progfreunde sind es ja durchaus gewöhnt, eine Platte ihrer bevorzugten Musikrichtung erst einmal lange auf sich wirken zu lassen ehe sich die Songs einem überhaupt erschließen. Manchmal tun sie es, manchmal aber auch nicht. Aber genau das ist es ja gerade, was den Reiz einer Progscheibe ausmacht, wenn man sich denn darauf einlässt, sich eingehend mit dem Produkt zu beschäftigen. Die Prog-Veteranen von Dream Theater machen es einem auf "The Astonishing" sogar noch etwas schwerer: Ein Doppelalbum mit 34 Songs (zwar zum Teil keine vollwertigen Songs sondern Intros und Übergänge mitgezählt) mit einer Spieldauer von 2 Stunden und 10 Minuten, und das Ganze noch eingebettet in eine Story mit verschiedenen Charakteren. Entweder man wirft da gleich von Vornherein das Handtuch oder man versucht sich durchzubeissen und hofft, dass einem irgendwann das grosse Licht aufgeht.

Bei Dream Theater hatten sich ja nach Mike Portnoys überraschendem Ausstieg mit " A Dramatic  Turn Of Events" erstmals Abnutzungsspuren größerer Art gezeigt. Mit der Scheibe wurde ich nie richtig warm. Der selbstbetitelte Nachfolger war dann schon wieder ein Schritt in die richtige Richtung, wenngleich auch hier einige Stücke der Marke "Dream Theater nach Zahlen" vorhanden waren. 

Auf "The Astonishing" gibt es nun erstmals seit "Scenes from a Memory" ein vollwertiges Konzeptalbum und das in Vollbedienung. Die Story ist ein klassiches "Gut vs. Böse", in dem angeprangert wird, dass heutzutage gar keine Zeit mehr für Musik bleibt. Der Hauptprotagonist Gabriel ist auf einer Mission, dies zu ändern, wird auf seinem Weg aber von finsteren Gestalten oftmals daran gehindert. Natürlich spielt auch eine Frau mit. Die Geschichte wird gut erzählt und ist neben den 8 Hauptcharakteren auch mit einem Erzähler ausgestattet, so dass man auch mit seinem Hausgebrauchs-Englisch der Geschichte gut folgen kann. Ich war (und bin) der Meinung, dass die Hauptsache immer noch die Musik sein sollte, denn andernfalls würde ich mir ein Buch kaufen. Die Geschichte ist von daher für mich eher zweitrangig, wenngleich sie bei dem neuen Doppler des Traumtheaters natürlich die Musik bestimmt.

Und die ist über weite Strecken überraschend melancholisch ausgefallen, manche Spötter sprachen bereits von "Kuschelprog". Soweit würde ich nun nicht gehen und wer Dream Theater kennt, weiß, dass sie gerade mit ihren ruhigen Stücken auf jeder bisherigen Veröffentlichung gut Punkte einfahren konnten. So auch hier, wenngleich man sich durchaus wünschen würde dass Majestro Petrucci ab und an ein bisschen mehr shreddern würde.

Unmöglich wird es bei dieser Scheibe, bei der Fülle ein "Track by Track" Review zu fahren, denn dazu wird einige Zeit vergehen, bis man die Scheibe intus hat. Doch auch bereits nach ein paar Hördurchgängen bleiben einige Songs in den Gehörgängen haften, was auf den letzten Vorgängerscheiben nicht immer der Fall war. 

Wie es sich für ein derartiges Bombastwerk gehört ist auch ein Orchester am Start sowie ein Gospelchor. Interessant wird es werden, wie das Ganze live umgesetzt wird, denn es ist ja geplant, die Scheibe in ihrer Gesamtheit auf der kommenden Tour vorzustellen. Ambitioniert ist das auf jeden Fall.

So bleibt einem als Reviewer nur die Möglichkeit nach den ersten Höreindrücken einmal zusammenzufassen, was einem gefallen hat und was nicht:


Pro "The Astonishing":  
Alleine der Mut anno 2016 so ein Brett aufzufahren abseits des musikalischen Fast Foods bedarf schon gehörigen Respekts: Diejenigen, die sich zwei Stunden und mehr aktiv einer CD samt Konzept widmen, wird es heutzutage nicht mehr allzuviel geben. Und genau das ist auch Hauptthema des lyrischen Konzepts, wie es auch in der ersten Auskopplung "The Gift Of Music" zum Ausdruck kommt.
Ebenfalls auf der Habenseite zu verbuchen ist die ausgeglichene nicht zu laut gemasterte Produktion und insbesondere auch der Drumsound. Da hatte Neuzugang Mark Mangini bei seinen ersten beiden Scheiben irgendwie immer Pech, dass das Ganze entweder zu klinisch oder einfach zu laut klang. Hier stimmt der Gesamtsound vorzüglich und die CD ist eine der bestproduziertesten Dream Theater Platten aller Zeiten.
James LaBrie hat die schwere Aufgabe, neben dem Erzähler alle 8 vorkommenden Charaktere zu verkörpern und er zieht sich dabei durchaus achtbar aus der Affäre und bemüht sich um entsprechende stimmliche Abgrenzung.Sicherlich könnte man hinterfragen, ob ein oder zwei Gastsänger vielleicht angebracht gewesen wären aber wäre das dann wirklich noch Dream Theater geblieben? Schwer zu sagen. Für LaBrie wird es sicher nicht einfach, die nächste Tour zu überstehen, hat er doch jede Menge Texte an den Mann/die Frau zu bringen.
Wie bereits angesprochen, kristallisieren sich bereits nach kurzer Zeit erste Songperlen heraus und das ganze klingt nicht zu arg verkopft und kompliziert sondern überraschenderweise sehr zugänglich. Songs wie das bereits angesprochene "Gift Of Music", das ruhige "When Your Time Has Come" (sehr genial!) oder das an Pink Floyd zu The Wall-Zeiten erinnernde "Brother Can You Hear Me" haben durchaus das Zeug, auf lange Sicht zu Dream-Theater-Klassikern zu werden. Auch "Our New World" hat Hitqualitäten und bewegt sich abseits der bisherig beschrittenen Traumtheater-Pfade.
Der rote Faden ist auf "The Astonishing" durchaus erkennbar, es ziehen sich etliche musikalische Themen durch die gesamte Scheibe und man kann sich vorstellen, dass die gesamte Konzeption und der Aufnahmeprozess der CD immense Zeit in Anspruch genommen haben muss. Hut ab!


Contra "The Astonishing":
 Auch wenn man sich gezielt auf die Scheibe einlässt so ist man an mancher Stelle alleine schon durch die Fülle an Songs fast schon etwas überfordert als Hörer. Und das Ding mehrfach durchzuhören ist in der Tat schon teilweise etwas anstrengend. Allerdings ist es auch wiederum schwierig, nur einzelnes Songs herauszupicken für eine Playlist, da dann der Faden zum Gesamteindruck verloren geht. Alles in allem eine Gratwandererung und ich sehe durchaus die Gefahr darin, dass sich der eine oder andere Hörer abwendet, weil er von allem etwas erschlagen wird.
Der Einfluß von Keyboarder Jordan Rudess auf den Sound der Scheibe ist immens. Die Tasteninstrumente sind allgegenwärtig und es beginnt fast kein Stück ohne Piano-Intro, was auf lange Sicht dann doch etwas nervig und eintönig erscheint, auch wenn es meist nur Einleitungen sind.
Wie erwähnt ist die Scheibe durchaus melancholisch angelegt und die balladesken Songs sind in erheblicher Überzahl im Vergleich zu  die flotten Rockern, die man eher mit der Lupe suchen muss. Manchmal wünscht man sich, dass Petrucci öfter von der Leine gelassen wird. Einen Ferrari in der Garage sollte man auch ausfahren sonst stottert der Motor. 
Manche der ruhigen Songs schrammen auch knapp am Kitschfaktor vorbei und wären in einem Musical besser aufgehoben als auf einer Rockscheibe, aber dafür ist "The Astonishing" auch eine Rock-Oper. Und da gehört so etwas wohl dazu.
Ich traue es mich kaum zu sagen, aber trotz des Umfangs der einzelnen Stücke hätte ich mir an mancher Stelle gewünscht, dass die eine oder andere Songidee etwas länger verfolgt worden wäre. Es gibt auf der gesamten Scheibe keinen herausstechenden Longtrack (das längste Stück ist knapp 8 Minuten lang) so dass manches doch etwas fragmenthaft wirkt. Andererseits würde man sich bei anderen Tracks wünschen, dass schneller zum Punkt gekommen wird, da vieles wie ein langgezogenes Intro wirkt und dann nicht wie erhofft der erwartete Hammer kommt. Das ist mir irgendwie dann doch zu auseinandergerissen.
Das Artwork der Platte finde ich (mir liegt nur die Digipack -Version vor) doch etwas unausgegoren. Wer da bei der Qualitätskontrolle gepennt hat und die Credits mit weisser Schrift auf weissen Wolken durchgewunken hat, sollte entlassen werden, da ist wirklich nichts lesbar. Und das in der Mitte eingeklebte Booklet, welches man nicht herausnehmen, kann finde ich auch nicht wirklich prickelnd. Da wäre mehr rauszuholen gewesen.


Erstes Fazit nach ein paar Hördurchgängen:
"The Astonishing" ist eine Scheibe mit der man sich beschäftigen MUSS. Ein Nebenbei-Hören ist schlichtweg unmöglich. Ob sich da jeder darauf einlässt (trotz der Prog-Zielgruppe) lasse ich mal dahingestellt, ich habe die Befürchtung, dass sich der eine oder andere Hörer durchaus etwas erschlagen fühlt von diesem Gesamtwerk.
Andererseit Hut ab vor soviel Mut, ein derartiges Opus in diesen musikalischen Fast-Food-Zeiten herauszuhauen. Es wird spannend werden zu sehen, wie die Rock-Oper von der Käufermasse angenommen wird und ob sich das geplante Umsetzen eines "The Astonishing only"-Konzertabends ohne alte Klassiker auszahlen wird. Durchaus spannende Fragen, welche sicher bald geklärt werden.
Bis dahin hoffe ich, dass der Doppeldreher weiterhin wächst und so vielleicht noch ein Extra-Bewertungspunkt, den ich noch in Reserve lasse hinzukommen wird.    

Martin

 
 
Act I
01. “Descent of the NOMACS”
02. “Dystopian Overture”
03. “The Gift of Music”
04. “The Answer”
05. “A Better Life”
06. “Lord Nafaryus”
07. “A Savior in the Square”
08. “When Your Time Has Come”
09. “Act of Faythe”
10. “Three Days”
11. “The Hovering Sojourn”
12. “Brother, Can You Hear Me?”
13. “A Life Left Behind”
14. “Ravenskill”
15. “Chosen”
16. “A Tempting Offer”
17. “Digital Discord”
18. “The X Aspect”
19. “A New Beginning”
20. “The Road to Revolution”
Act II
01. “2285 Entr’acte”
02. “Moment of Betrayal”
03. “Heaven’s Cove”
04. “Begin Again”
05. “The Path That Divides”
06. “Machine Chatter”
07. “The Walking Shadow”
08. “My Last Farewell”
09. “Losing Faythe”
10. “Whispers in the Wind”
11. “Hymn of a Thousand Voices”
12. “Our New World”
13. “Power Down”
14. “Astonishing”


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Avantasia - Ghostlights

Band: Avantasia
Album: Ghostlights
Spielzeit:  75:06 min.
Plattenfirma: Nuclear Blast
Veröffentlichung: 29.01.2016
Homepage: www.avantasia.net


WERTUNG: 9 von 10 Punkten

  

Tracklist:

01. Mystery Of A Blood Red Rose
02. Let The Storm Descend Upon You
03. The Haunting
04. Seduction Of Decay
05. Ghostlights
06. Draconian Love
07. Master Of The Pendulum
08. Isle Of Evermore
09. Babylon Vampyres
10. Lucifer
11. Unchain The Light
12. A Restless Heart And Obsidian Skies
13. Wake Up To The Moon


Tobi Sammets Avantasia geht mittlerweile in die sage und schreibe siebte Runde und vorab ist bereits festzustellen, dass es so gut wie keine Abnutzungserscheinungen gibt. Auch "Ghostlights", welche das lyrische Konzept vom Vorgänger "Mystery of  Time" fortführt, ist Bombast-Rock allererste Sahne mit einigen subtilen Überraschungen gespickt.

"Mystery Of A Blood Red Rose" wurde für Meat Loaf geschrieben und das merkt man auch. Nachdem der Fleischklopps jedoch absagte macht Meister Sammet gesangstechnisch mal eben einen auf Meat und trifft die Töne sicherlich besser als das Original (wer die letzten Meat Loaf Liveauftritte gesehen hat weiß was ich meine) und die Komposition ist über alle Zweifel erhaben. Ein recht untypischer Avantasia-Song, der mit den Folgestücken musikalisch nicht viel am Hut hat aber dennoch sofort zündet, insbesondere der melodische Refrain. Mit dem Titel treten die Jungs übrigens beider deutschen Vorausscheidung zum  Eurovision Song Contest an. Nichts für böse True Metaller natürlich aber der Song hat meiner Meinung nach durchaus Chancen. Lordi haben es ja damals auch geschafft.

Der einzige überlange Song auf der neuen Scheibe ist "Let The Storm Descend Upon You", bei dem sich Tobi, Jorn Lande, Ronnie Atkins (Pretty Maids) und Robert Mason das Gesangsmikro reichen. Besonders genial bei dem Song ist der zweifache Chorus - kommt der erste und man denkt das wars, setzt Chorus zwei dem ganzen das Sahnehäubchen auf, clever gemacht und arrangiert.

"The Haunting" erinnert (teilweise ein bisschen zu stark) an die alten Klassiker " Death Is Just A Feeling " (von "Angel of Babylon") oder "The Toymaster" (von "The Scarecrow"). Statt Alice Cooper und Jon Oliva ist hier Dee Snider zu hören, der dem bedrohlichen Stampfer seine Stimme leiht. Vielleicht nicht ganz die Klasse der beiden vorgenannten Songs aber immer noch schwindelerregendes hohes Niveau.

Eines der Talente von Meister Sammet ist es bei Avantasia für mich immer gewesen, dass er alte Sangesrecken, deren Karriere sich eher in der Sackgasse befinden, wieder zu neuen Höchstleistungen anspornt. So ist es diesmal bei Geoff Tate. Über seine Solokarriere seit dem dramatischen Split von Queensryche ist ja eher der Mantel des Schweigens zu decken so schlecht ist das Ganze. Auf "Ghostlights" brilliert er mit toller Stimme und singt mit "Seduction Of Decay" so, als ob er sich in seinen besten Zeiten befinden würde. Sicherlich das Beste was er seit Jahrzehnten eingesungen hat. Der Song würde auch gut auf "Rage For Order" passen. Eines DER Highlights der Scheiblette.

Der Titelsong ist eine übliche Kiske-Power-Nummer, bei der sich der Meister himself wieder in allerhöchste Tonlagen schraubt. Die Texte versteht man dabei ohne Lyricbook zwar nicht mehr aber es ist schon beeindruckend, wie der Mann immer noch die Töne trifft, wenngleich der Song jetzt eher "Standard-Avantasia-Powermetal" darstellt und nicht besonders herausragt.

Die nächste Überraschung stellt "Draconian Love" dar. Am Mikro ist dort Herbie Langhans zu hören, den manche vielleicht von Beyond The Black kennen und der hier eine formidable Ville-Valo-Gedächtnisvorstellung gibt, wie überhaupt der ganze Song an HIM erinnert, deren letzte Ergüsse aber bei Weitem in den Schatten stellt. Überrascher Song aber sehr geil gemacht.

Freunde Von Edguy und Helloween'schen Kinderlied-Refrains (nicht negativ gemeint!) kommen bei "Master Of The Pendulum" auf ihre Kosten. Der Song startet balladesk ehe ein fetziges Brachialriff den Song als Powerhymne weiterführt. Ein Duett zwischen Sammett und Marco Hietala (u.a. Nightwish).

Die weibliche Komponente wird von Within Temptation's Sharon den Adel beigesteuert. Leider ist "Isle Of Evermore" die Schwachstelle des Albums, eine elektronisch gehaltene Ballade, die für mich höhepunktslos dahinwabert und eher als Bonustrack geeignet wäre. Sehr nahe an der Kitschgrenze. Da hatte man in der Vergangenheit bessere ruhige Nummern am Start.

Dieser Ausrutscher wird durch das flotte "Babylon Vampires" locker wieder wettgemacht. Robert Mason gibt hier eine weitere exzellente Gesangsvorstellung, überhaupt muss man sagen, dass er wohl die grösste Überraschung auf "Ghostlights" darstellt und der mit Abstand beste Sänger auf der CD ist. Leider wird er wohl nicht auf der bald startenden Tour mit dabeisein. Er singt wirklich alles in Grund und Boden mit seiner klaren unaufdringlichen Stimme. Top!

Jorn darf auf dem weitgehend eher gediegenen "Lucifer" nocheinmal ran, eine Nummer, welche als Ballade beginnt und erst gegen Ende Fahrt aufnimmt. Man darf sich auf Jorn auch live freuen, dessen Solokarriere die letzten Jahre auch irgendwie im Sande verlaufen ist. Zum Glück haben wir Avantasia.

Powerhymnen-Time ist dann wieder auf "Unchain The Light" angesagt. Im Refrain schwebt Michael Kiske wieder in höchste Höhen, während Ronnie Atkins mit seiner eher tieferen Stimme einen schönen Kontrast dazu bildet. Ebenfalls ein herausragender Song.

Den offiziellen Abschluss auf  "Ghostlights" wird mit "Restless Heart and Obsidian Skies" mit Bob Catley als Gast  abgeliefert, den man auch "The Story Ain't Over Part 2" betiteln hätte können. Besagter Track wurde damals ja seltsamerweise als B-Side verwurstet und gehört für mich noch heute zu den absoluten Höhepunkten der Avantasia-Discographie (und wird ja zurecht auch immer wieder live gespielt). "Restless..." kommt da erwartungsgemäß nicht ganz heran ist aber dennoch ein starker Abschluss eines wieder mehr als gelungenen Albums. Klar gibt es etliche Stellen, an denen man sich denkt "hab ich doch schon mal auf einer früheren Avantasia gehört" (insbesondere was die schnellen Powermetal-Abgehnummern angeht) aber das macht in diesem Fall nicht viel aus, denn die Scheibe ist top. Dass die Produktion wieder höchsten Ansprüchen genügt ist bei einem Könner wie Sascha Paeth (der auch wie übliche die Gitarre bedient neben einigen anderen Gaststars wie z.B. Bruce Kulick, der einige Soli beisteuert) nicht anders zu erwarten gewesen.

Als Bonustrack gibt es noch das recht nette "Wake Up To The Moon"; auf dem mit Ronnie Atkins, Robert Mason, Michael Kiske, Bob Catley und Jorn nochmal fast alle Gesangsrecken vertreten sind. Eine eher poppige Nummer, die aber weitaus besser ist als "Isle Of Evermore" und den Platz auf der Scheibe durchaus verdient hat.,

Fazit: Erneut eine Scheibe auf allerhöchsten Niveau. Tobi ist und bleibt auf seinem Gebiet der beste Songwriter bei uns im Lande. Die Hater wird er auch mit "Ghostlights" nicht überzeugen, die Fans hält er weiter bei der Stange und dürfte sich bei vollen Hallen auf der kommenden "Ghostlights"-Tour wieder ins Fäustchen lachen. Well done my son!

Martin




 

Dienstag, 2. Februar 2016

Supersuckers - Holdin The Bag


Band: Supersuckers
Album: Holdin The Bag
Spielzeit: 38:36 min.
Plattenfirma: Steamhammer/SPV
Veröffentlichung: 29.01.2016
Homepage: www.supersuckers.com


WERTUNG: 8,5 von 10


Tracklist:

1. Holdin' the bag
2. This Life... With You (feat. Hayes Carll)
3. High and Outside
4. Man On A Mission
5. I Can't Cry (feat. Lydia Loveless)
6. Let's Bounce
7. I Do What I Can
8. Jibber-Jabber
9. That's How It Gets Done
10. Shimmy and Shake
11. All My Rowdy Friends
12. Georgia On A Fast Train (EU Bonus Track)
13. Loaded (Vinyl Only Bonus Track)

Wer von euch hat Lust auf ein wenig Lagerfeuer-Romantik ohne den meist dazu gehörenden Kitsch Faktor? Dann seid Ihr beim neuen SUPERSUCKERS Album goldrichtig. Im Gegensatz zu den Vorgängern wurde der Punkrock-Einfluss stark zurück genommen, dafür hat Eddie Spaghetti mit seinen Mitstreitern ein erdiges Country-Album eingespielt, welches zumindest in meiner Stereroanlage für wohlige Gefühle sorgt. Denn die SUPERSUCKERS haben den Mojo, den berüchtigten Spirit, der authentisch und ehrlich auf "Holdin The Bag" rüber kommt. 


Bereits die ersten Mundharmonika-Klänge vom Titeltrack tragen eine Sehnsucht in sich, die mit dem Banjo und dem Akkordeon zusätzlich verstärkt werden. Dazu ein wunderbarer Refrain und schließlich ein rauher Groove. Ganz so als würden THE BOSS HOSS richtig gute Mucke macken. Gut, manche würde diese musikalische Kurskorrektur nach "Get The Hell" als überraschend bezeichnen, manche könnten soweit gehen, dass die SUPERSUCKERS sich langsam ans Altenteil gewöhnen. Ich persönlich finde es einfach klasse. Gerade, when beim folgenden "This Life...Without You" die Füße automatisch mitstampfen und am liebsten sofort eine Square Dance hinlegen möchten (wenn dieser denn im Repertoire wäre). Ein Gute-Laune-Song, der von der ersten bis zur letzten Sekunde begeistert. 

Richtig viel Country-Musik gibt es dann mit "High And Outside" auf die Lauscher, benötigt zwar ein paar Durchläufe mehr, setzt sich dann aber unerbittlich in den Gehirnwindungen fest. Nur, um dann mit "Man On A Mission" einen Mexican-Style Kracher vor dem Herrn Platz zu machen. Für mich definitiv einer der besten SUPERSUCKERS Stücke aller Zeiten. Genial, diese Hooks. "I Can't Cry" ist ein ruhiges Duett mit LYDIA LOVELESS, welches mir persönlich zu sehr in die Schmacht-Ecke abdriftet. Leider ein Song, der nicht bei jedem Durchlauf wächst. "Let's Bounce" dagegen wird bei mir sicher fester Bestandteil jeder Sommerparty werden - so gut war KID ROCK schon lange nicht mehr. Und wie gesagt, die Mischung machts bei "Holdin The Bag", denn mit dem folgenden "I Do What I Can" gibt es wieder viel Country, ehe mit "Jibber-Jabber" klassicher Rock N Roll bzw. sogar Boogie ertönt. Da hätte sogar LITTLE RICHARD seine helle Freude daran. 



Wie Ihr seht, kann ich (fast) nur Gutes berichten. Lediglich die doch arg mickrige Laufzeit empfinde ich als viel zu wenig. Denn mit beiden Bonustracks bleibt man noch immer unter der 40 Minuten Marke. Doch lieber so, als mmassenhaft Füllmaterial auf dem Album. “If you don’t like Holdin’ The Bag, then you really don’t like the Supersuckers,” meinte Eddie Spaghetti kürzlich und ich kann ihm nur zustimmen. Mit dem HANK WILLIAMS JR Cover "All My Rowdy Friends" endet ein Album, welches bei mir sicher häufig auf Dauerrotation laufen wird. Und auch die beiden Bounsstücke sind nicht von schlechten Eltern, sondern durchaus ernst zu nehmen.  

Markus

Montag, 1. Februar 2016

Danny Bryant - Blood Money



Band : Danny Bryant
Album : Blood Money
Spielzeit : 48:35 Min.
Plattenfirma : Jazzhaus Records / In-Akustik
Veröffentlichung : 29.01.2016
Homepage : www.dannybryant.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. Blood Money feat. Walter Trout
  2. Master Plan
  3. Slow Suicide
  4. Unchained
  5. On The Rocks 
  6. Sugar Sweet
  7. Fool's Game
  8. Holding All The Cards
  9. Just Won't Burn feat. Bernie Marsden
  10. Sara Jayne

Danny Bryant hat es mit seinen letzten beiden (allesamt von Richard Hammerton produzierten) Alben völlig zurecht geschafft, sich den Ruf eines bodenständigen Bluesmusikers mit feinem Gespür für sensible, aber auch knackig groovende Bluesrocksongs zu erarbeiten. Darüberhinaus darf der hart arbeitende Musiker dank kontinuierlicher Livepräsenz eine treue Fangemeinde hinter sich wissen. Mit seinem insgesamt zehnten Studioalbum Blood Money schliesst sich denn auch der Kreis zu den Vorgängern Hurricane (2013) und Temperature Rising (2014), die sich doch hörbar in Songauswahl und Grundstimmung ähneln. 

Bryant schafft es wie kaum ein anderer, seine melancholisch-sanften Balladen, die kaum jemanden, der einen Funken Gefühl in seiner Seele hat, kalt lassen dürften, unters Volk zu bringen. Der gewichtige Brite verfügt eben über eine Stimme, die dem Hörer die berühmte Gänsehaut beschert, zum anderen hat er ein Gespür für Gitarrenlicks und -riffs, wie kaum ein anderer. Ob die Songs nun, wie in diesem Fall Slow Suicide, Just Won't Burn oder Sara Jayne heissen...stets findet man zwei, drei Nummern auf seinen Alben, die man umarmen möchte, wenn das denn ginge. 
Die andere Seite des Danny Bryant ist der Bluesrock, den er in geradeaus losstampfenden Songs wie Masterplan auslebt. Wenn er die Fret-King Corona frei lässt, wird seine Musik wie sie die Fans auf der Bühne hören wollen. Hart, schwitzend und ehrlich. 

Dann wäre da aber noch die Nähe zu seinen väterlichen Freunden. Es war die Schallplattensammlung seiner Eltern, die den jugendlichen Danny einst veranlasste, einem gewissen Walter Trout einen Fanbrief zu schreiben...der revanchierte sich kurz darauf mit einem Telefonanruf und besiegelte eine bis heute anhaltende Freundschaft zwischen den beiden Bluesgiganten. 


Und so steht der Opener und Titelsong Blood Money in einem ganz besonderen Licht. Bryant wollte ein Album, auf dem er seinen Idolen und Vorbildern auf seine Weise huldigen und danken konnte. So entstanden neben dem Opener, den er dank heutiger Möglichkeiten ohne Trouts physische Anwesenheit mit ihm zusammen bearbeiten konnte, Nummern wie die Albert Collins-Hommage On The Rocks oder Holdings All The Cards, welches an Jimmy Reed erinnert. Ein weiteres Idol, Albert King, wird mit Unchained gewürdigt. Mit der vorletzten Nummer betritt ein weiterer Freund Bryants die Bühne: Bernie Marsden, vielen sicher als Whitesnake-Gitarrist bekannt und ebenfalls langjähriger Freund Bryants. Beide nahmen in entspannt-lockerer Atmosphäre in den Grange Farm Studios in Emneth, Cambridgeshire die Ballade Just Won't Burn auf.


Was Blood Money jedoch im Unterschied zu seinen Vorgängernein ein wenig einschränkt, ist die Tatsache dass es bei einigen Stücken einfach nicht richtig rund laufen will. Slow Suicide, so wunderbar die Ballade auch von Danny Bryant geschrieben und umgesetzt wurde, nervt mit jedem Keyboardeinsatz. Diese wurden vom Produzenten Hammerton eingespielt und takten leider überhaupt nicht...ständig fühlt man sich gezwungen, den Anschlag von Schlagzeug und Keyboard miteinander abzugleichen um festzustellen dass diese eben nicht harmonieren. Auch die nächste Nummer, Unchained, laboriert an einem, sorry, Keyboardgeklimper, welches für meinen Geschmack auch noch viel zu weit nach vorn gemixt wurde. Ob Albert King daran seine Freude gehabt hätte...wer weiß. Wie schade, denn beide Stücke sind ansonsten absolut hörenswert.

Trotzdem darf ich zu einem größtenteils homogenen Album gratulieren, welches nach mehreren Durchläufen hängenbleibt und Nachhaltigkeit beweist. Ich würde mir von Danny Bryant aber für das nächste Album ein wenig frischen Wind wünschen, woher auch immer dieser wehen mag. So sehr ich seine Musik mag, ich befürchte dass mir ein viertes Werk dieser Machart ein Gähnen entlocken könnte...

Bernd

Sonntag, 24. Januar 2016

Shakra - High Noon


Band: Shakra
Album: High Noon
Spielzeit: 50:11 min.
Plattenfirma: AFM Records
Veröffentlichung: 29.01.2016
Homepage: www.shakra.ch


WERTUNG: 9 von 10


Tracklist:
01.Hello
02.High Noon
03.Into your heart
04.Around the world
05.Eye to eye
06.Is it real
07.Life's what you Need
08.The storm
09.Raise your Hands
10.Stand tall
11.Watch me burn
12.Wild and hungry

Lange Zeit hatte es ja so ausgesehen, als würden die Lichter im Hause SHAKRA endgültig ausgehen. Nach der Trennung von Sänger John Prakesh, der seine "beruflichen und privaten Ziele" anderweitig gesetzt hat und sogar dem Verkauf einiges an Equipment über die Bucht, sah es zumindest für mich danach aus. Doch KROKUS Legende Chris von Rohr haben wir es zu verdanken, dass Ex-Sänger Mark Fox zu den Eidgenossen zurück gekehrt ist, denn Chris hat, so wird gemunkelt, die verfeindeten Lager an einen Tisch gebracht und zu einer Aussprache gezwungen. Denn so ganz ohne kaputtes Porzellan verlief die Trennung 2009 nicht. Doch lassen wir die Vergangenheit ruhen und konzentrieren uns darauf, was die Schweizer Hardrocker nun auf Silberling gezaubert haben. 


Um es vorweg zu nehmen, in meinen Ohren ist "High Noon" das stärkste SHAKRA seit dem 2001er "Powerride" Hammer, wobei da sicher so mancher nostalgische Blick das Album verklärt. Mit der Single "Hello" haben Thom Blunier, Thomas Muster, Dominik Pfister, Roger Tanner und eben Mark Fox gleich einen richtig schönen schnellen Rocker komponiert, dessen Refrain sich auch ganz schnell in die Gehörgänge frisst. Mark Fox klingt, als wäre er nie weg gewesen. Herrlich. Richtig geil dann der etwas ruhigere Titeltrack "High Noon", der mich fast zu Begeisterungsstürmen hinreißen kann. "Into Your Heart" zieht das Tempo wieder leicht an, ist ein typischer SHAKRA Song, mit den gewohnten Trademarks. Bei "Around The World" werden dann die Gitarren tiefer gestimmt, das gibt dem Stück einen etwas modernen Touch. Ohne jedoch den klassischen SHAKRA Refrain zu vernachlässigen. Cooler Track. Auch "Eye To Eye" bleibt auf dieser Schiene, eine gelungene Gratwanderung zwischen klassischem 80er Jahre Hardrock und modernen Einflüssen. "Is It Real" geht dann wieder den traditionellen Weg. Den aber weiterhin auf sehr hohem Niveau. 

Die Ballade "Life's What You Need" ist zwar ganz gut gemacht, mir persönlich aber etwas zu schwülstig. Gerade beim Refrain könnte man fast volksfestmäßig mitschunkeln. Ist aber sicher Geschmackssache, wie immer, wenn es um Musik geht. "The Storm" legt anschließend die Latte für SHAKRA-typische Up-Tempo Songs wieder verdammt hoch. Dürfte zu einem richtigen Livekracher vor dem Herrn werden. Mit "Raise Your Hands" und dem abschließenden "Wild And Hungry" haben es dann noch zwei weitere Stücke auf "High Noon" geschafft, die live sicher für eine gewaltige Stimmung sorgen können. 

Und da wirklich kein einziger Ausfall auf dem kompletten Album zu finden ist, kann ich "High Noon" als ersten ernst zu nehmenden Anwärter auf das Album des Jahres 2016 betiteln. Das sind 50 Minuten SHAKRA at its best. Bin ich froh, dass Mark Fox wieder zurück ist und die Jungs solch eine Granate auf uns loslassen. Absolute Kaufempfehlung!

Markus


 

Dienstag, 19. Januar 2016

Simo - Let Love Show The Way


Band : Simo
Album : Let Love Show The Way
Spielzeit : 67:38 Min.
Plattenfirma : Provogue / Mascot
Veröffentlichung : 29.01.2016
Homepage : www.simo.fm

Wertung : 8 von 10

Trackliste : 
  1. Stranger Blues
  2. Two Timin' Woman
  3. Can't Say Her Name
  4. I Lied
  5. Please
  6. Long May You Sail
  7. I'll Always Be Around
  8. Becky's Last Occupation
  9. I'd Rather Die In Vain
  10. Today I'm Here
  11. Let Love Show The Way (Bonus Track)
  12. Ain't Doin' Nothin' (Bonus Track)
  13. Please Be With Me (Bonus Track)

Das Resultat dieser im Sommer '69 zunächst unbedeutenden Panne, bei der Studiotechniker Glen Snoddy versehentlich eine Gitarre in einen defekten Röhrenverstärker stöpselte, war eine Erfindung, die Musikern seither Klangverzerrungen und alle erdenklichen Soundeffekte ermöglicht. Die Fuzzbox !

Simo, das Trio aus Nashville/Tennessee um Sänger/Gitarrist und Namensgeber JD Simo nutzt die Möglichkeiten der damaligen Errungenschaft reichlich. Ergebnis ist ein kerniger Bluesrock-Mix mit gelegentlichen Griffen in die psychedelische Vintage-Kiste. Und das laut JD Simo stets in einem Take, live im "Big-House" Studio in Macon, Georgia eingespielt. Zumindest im zweiten Anlauf, denn die erste, fertig produzierte Version der Platte fiel einem plötzlichen Sinneswandel während der Studiojams zum Opfer...Platte fertig, also weg damit !

So geriert sich der Stranger's Blues, ein anfangs handzahmes Elmore James Cover, zu einem furiosen Spektakel, in dessen Verlauf die Hände des JD Simo auf der ehrwürdigen Les Paul von Duane Allman wahre Höchstleistungen vollbringen. Was soll ich sagen, es ist kein Griffbrettgewichse, es ist Geilheit in sechs Saiten. Solch einen Opener auf die Hörerschaft loszulassen, ist schon frech. 

Let Love Show The Way dürfte Anhängern von Rory Gallagher bis Gov't Mule das Grinsen ins Gesicht meisseln. Es sind eben nicht die technischen Finessen, die fingerfertigen Drum-Fills oder halsbrecherische Bassläufe, es ist Arbeit und der Geruch von Schweiss. Can't Say Her Name riecht förmlich danch, furztrocken und rauh...aber Simo können auch anders. Please und Long May You Sail warten mit eingängigen Strukturen auf, weit entfernt von schmissigen Harmonien, aber die überlassen Simo anderen Bands. Der eine darf auch mal als Partykracher verwendet werden, der andere, eine ruhig dahinfliessende King's X Gedenknummer, wendet das Blatt in verschiedene Richtungen. 



Mit Becky's Last Occupation reicht man Led Zeppelin Fans die Hand und mit I'd Rather Die In Vain stellt plötzlich Jimi Hendrix den Fuß in die Tür, dessen Musik sich im Jahr 2016 vielleicht so und nicht anders anhören würde, wer weiß das schon. Die knapp zehn Minuten lange Nummer entfaltet ein Flair, dem ich mich nur schwer entziehen kann. Hier darf gejammt werden, dass es eine Freude ist...und plötzlich wird klar warum ich die Jungs unbedingt live sehen möchte..."J.D Simo AND his band are the most humble down to earth people I have ever dealt with. I can not say enough about their professionalism. Very down to earth people with Unreal talent. The show was more than I could have asked for and I feel like I have made some new friends. I have this party every year and really I have no idea how to top the SIMO show......ZERO complaints" (Songkick, tze). Der Verfasser dieser Worte wird wissen warum er begeistert war. 

Eine wunderbar entspannte Schlussnummer beendet Let Love Show The Way. JD Simo zieht den Hörer diesmal mit seiner Akustikgitarre in den Bann. Today I'm Here dürfte als würdiger Abschluss bezeichnet werden...wären da nicht die Bonus Tracks der Deluxe-Edition. 

Der erste von dreien, gleichzeitig der Titelsong (muss man nicht verstehen), knüpft ein wenig melancholisch an die Stimmung der Platte an und dann Ain't Doin' Nothin': Die fast 14-Minütige Instrumentalnummer zeigt Simo erneut von einer anderen Seite...sämtliche Deadheads werden ihre Freude an dieser Nummer haben, die ein wenig an Jerry Garcia's Improvisationen der härteren Art erinnert. 

Let Love Show The Way ist eine spannende Reise durch die Vergangenheit geworden, trotz vieler Déjà Vus aber ohne Plagiatsvorwurf. Dafür sorgt der spezielle, eigenständige Sound des Trios. Allen voran, wie so oft, der Gitarrist. JD Simo wird uns in Zukunft noch viele wunderbare Momente bescheren, da bin ich mir sicher. Ob Provogue, dem niederländischen Label aus der Mascot Group, mit Simo ein Juwel heranwächst, warten wir natürlich wie immer erstmal ab. Das Potential hat die Band, selbst wenn Simo die Musik nicht revolutionieren. 

Mir ist das egal, ich bin begeistert und warte auf mehr.


Bernd

Sonntag, 10. Januar 2016

Konzertreview: Wucan Live in Münster / Rare Guitar 8.1.2016



Band : Wucan
Vorgruppen : Doc Heyne + Aerial
Location : Rare Guitar, 48153 Münster
Datum : 8.1.2016


Das Rare Guitar in Münster platzte im Grunde schon weit vor Beginn des Hauptacts aus allen Nähten. Wer also von Wucan nicht nur etwas hören, sondern auch sehen wollte, war gut beraten, sich rechtzeitig um einen Platz vor der kleinen, hinten rechts liegenden Bühne des Gitarrengeschäftes zu bemühen. Ja richtig, Rare Guitar ist ein kleiner Gitarrenladen mitten im Herzen von Münster. Der Shop und das nette Personal um Inhaber Rudi haben Charisma ohne Ende, aber nicht gerade viel Platz. So standen sich schon bei den Vorgruppen Doc Heyne (Tech-Metal mit singendem Schuhkarton) und Aerial (Slow-Dark-Pop) die Gäste auf den Füßen. Beide Bands bemühten sich redlich, konnten der erwartungsvollen Meute ob ihrer etwas speziellen Konzepte, aber nicht wirklich gerecht werden. 

Als Wucan dann kurz nach 23Uhr Equipment und Soundeinstellungen startbereit hatten, war das Gedränge wirklich etwas für Hartgesottene. Wobei ich auch 30 Jahre nach meinem ersten Konzertbesuch noch immer nicht verstehen will, warum sich die Zuspätkommer in letzter Sekunde mit einer Dreistigkeit durch die Menge drücken, das es schon an einer Frechheit grenzt. Andersrum ein gutes Zeichen dafür, dass die Dresdner inzwischen ein größeres Publikum ziehen...

Schon mit den ersten Takten ist klar dass nicht nur Frontfrau und Aushängeschild Francis Tobolski für den Aufstieg der Band verantwortlich zeichnet. Wucan sind ein eingespieltes Quartett und bringen mit King Korea vom Fleck weg Druck auf die engen 15m². Wie auf den beiden Studioveröffentlichungen Vikarma und Sow The Wind geben sich hart groovende Rockelemente und psychedelische Momente die Klinke, auch auf der Bühne, in die Hand. Und passend dazu setzt sich auch das Münsteraner Publikum zusammen...wo sonst sieht man schon mal den in Öko-Srick gekleideten Waldorf-Tänzer einhellig hinter dem Headbanger mit Metal-Kutte stehen ?



Die folgenden 80 Minuten sind geprägt von diversen Wow-Momenten. Sängerin Francis zieht, ob sie will oder nicht, die Leute in ihren Bann. Wenn sie die Querflöte herausholt, spirituelle Weisheiten vorliest oder ihre schlicht und ergreifend sensationelle Bühnenpräsenz und mimischen Fähigkeiten einsetzt...ist jedem klar dass Wucan ohne Francis wie Queen ohne Freddie wären. Über alledem stehen und überzeugen aber die Songs, Father Storm, Dopetrotter und Looking In The Past sorgen für begeisterte Gesichter unter den geschätzt 100 Zuschauern. Spätestens jedoch mit dem Schlusssong des regulären Sets, Wandersmann, und dem intensiven Einsatz des Theremin wird jedem klar geworden sein, daß Wucan die längste Zeit die kleinen Butzen wie das Rare Guitar besucht haben dürften. 


Zum Abschluss noch die Zugabe, und was für eine. Am I Evil von Diamond Head passte an diesem Abend wie die Faust aufs Auge. Selbst wenn die geile Nummer die Musiker an ihre Grenzen führte, war die durch Metallica bekannt gewordene Nummer aus besten NWOBHM-Zeiten ein würdiger Rausschmeisser. Mein Dank für den tollen Abend geht an Francis, Patrick, Phil und Tim. Tim war es denn auch, der die schnelle und anspruchsvolle Schlussnummer mit einem tollen Gitarrensolo garnierte. Danach war Schluss und mir bleibt nichts anderes übrig als Euch den zum Song passenden Blick zu präsentieren:


Bernd

Mittwoch, 6. Januar 2016

Axel Rudi Pell - Game Of Sins



Band: Axel Rudi Pell
Album: Game Of Sins
Spielzeit: 64:37 min.
Plattenfirma: Steamhammer/SPV
Veröffentlichung: 15.01.2016
Homepage: www.axel-rudi-pell.de



WERTUNG: 8,5 von 10


Tracklist:
01. Lenta Fortuna (Intro)
02. Fire
03. Sons In The Night
04. Game Of Sins
05. Falling Star
06. Lost In Love
07. The King Of Fools
08. Till The World Says Goodbye
09. Breaking The Rules
10. Forever Free
11. All Along The Watchtower (Bonustrack, Digipack)

Wir schreiben das Jahr 2016, ganz Deutschland ist von Helene Fischer und Konsorten verseucht, da leistet eine Band mit ihrem passenderweise 16. Album Widerstand. Jaja, ein mieser Einstieg, aber nach dem fulminanten Charteinstieg des Vorgängers "Into The Storm" (2014), der es sogar bis Platz 5 schaffte, bin ich mir sicher, dass AXEL RUDI PELL auch anno 2016 die Top Ten knacken werden. Denn die altbekannten Zutaten werden bei "Game Of Sins" wieder routiniert zu einem wohlschmeckenden Hörcocktail vermixt. Nach dem obligatorischen Intro böllert "Fire" gleich mal richtig fett aus den Boxen. Schön, dass Bobby Rondinellis Schlagzeugspiel diesmal wieder etwas besser zur Geltung als beim Vorgänger kommt. Über die Qualität der einzelnen Bandmitglieder großartig zu schwadronieren spare ich mir lieber. ARP sind ein eingespieltes professionelles Team, die sich einfach super ergänzen. 


Doch zurück zu "Fire", flott, melodisch mit eingängigem Refrain zwar kein Klassikeranwärter, aber ein guter Beginn. "Sons In The Night" huldigt der TV-Serie "Sons Of Anarchy" und kann mit klassischem sauberen Songaufbau überzeugen, ebenfalls ein richtig guter ARP Song, meiner Meinung nach. Beim Titeltrack wird es dann richtig episch, fast 9 Minuten vergehen vom ersten bis zum letzten Ton. Und was soll ich kurz dazu sagen? Keine Sekunde ist langweilig, der Refrain geht sofort ins Ohr und bleibt dort hängen. Herrlich, da war endlich die Vorfreude nicht die schönste Freude. Bei "Falling Star" zaubern die Jungs ein Riff-Feuerwerk aus den Saiten, welches hoffentlich nicht nur mich zum Mitbangen animiert. Ebenfalls ein Highlight des Albums. 

"Lost In Love" hätte man sich meiner Meinung nach sparen können, viel zu schmalzig, da rettet auch Johnny Gioeli nichts mehr. Mit "Till The World Says Goodbye" gibt es zum Glück später wieder ein Stück, welches sogar an die großen Klassiker herankommt. Episch, ausladend, düster mit verspieltem Aufbau. Wer dem Song mehr als nur 5 Durchgänge gibt, wird es sicher lieben. Mir geht es jedenfalls so. Da auch der Digipack Bonus Track "All Along The Watchtower" noch einiges an Kohlen aus dem Feuer holt (ja, der Bob Dylan Song, den Jimi Hendrix so wunderbar interpretiert hatte) und auch die restlichen Stücke qualitativ nicht all zu sehr abfallen, kann ich frohen Mutes 8,5 Punkte zücken und eine Kaufempfehlung an alle Jünger des Bochumer Blondschopfs aussprechen.

In dieser Form macht es Spaß der Band stundenlang zuzuhören. Klar wird so mancher wieder sagen, aber Album X oder Y war besser, doch das ist mir egal. "Game Of Sins" ist ein tolles Melodic Metal/Hardrock Album geworden, welches in jeden gut sortierten Plattenschrank (falls den noch jemand hat) oder zumindest in die MP3 Sammlung gehört.

Markus

Freitag, 1. Januar 2016

Pristine - Reboot



Band : Pristine
Album : Reboot
Spielzeit : 45:14 Min.
Plattenfirma : Pristine Music Production / Cargo
Veröffentlichung : 22.01.2016
Homepage : www.pristinemusicproduction.com

Wertung : 8 von 10 


Trackliste :
  1. Derek
  2. All Of My Love
  3. All I Want Is You
  4. Bootie Call
  5. Reboot
  6. The Middlemen
  7. California
  8. Louis Lane
  9. Don't Save My Soul
  10. The Lemon Waltz

Manch einer stellt sich bestimmt die Frage, wie lange der Boom psychedelisch angehauchter Rockbands noch anhalten mag. Vielleicht sollte man sich bei der Fülle dieser Bands auch mal überlegen, über wie viele dieser Gruppen wir in 10 Jahren noch reden werden. 

In der Tradition dieser Bands namens Blues Pills, Wucan, Graveyard oder Horisont stehen seit ihrem 2011er Debut auch die Norweger Pristine. Die aus Oslo stammende Band um Sängerin und Labelbetreiberin Heidi Solheim wird ihr drittes Album im Januar auf den Markt werfen. Konnten die beiden Vorgänger Detoxing (2011) und No Regret (2013) noch ausschliesslich über einen norwegischen Verlag bezogen werden, dürfte Reboot durch die Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner Cargo deutlich leichter zu beschaffen sein.

Und was soll ich sagen, man sollte den Musikern erstmal zu einer richtig guten Platte gratulieren, selbst wenn der Einstieg in Reboot ein paar Sekunden lang an eine Rage Against The Machine-Gedenkveranstaltung (zieht man das kurze Harp-Intro ab) erinnert. Der Eindruck währt jedoch nur ganz kurz und die nachfolgenden 45 Minuten lassen ein ganz anderes Licht auf die Platte scheinen. Pristine verstehen sich dank Frontrau Heidi auf knallharten Bluesrock ebenso wie auf sensible Momente. Überhaupt Heidi Solheim...die Dame erinnert ein wenig an amerikanische Sängerinnen wie Dana Fuchs oder Beth Hart und hat 2011 mit Found ein ganz feines Solo-Album veröffentlicht, gefolgt von Dinosaus, einem Kinder-Konzeptalbum im Blues-Pop-Rock Stil, mit dem sie die norwegischen Kids (die Platte ist heimatsprachlich eingesungen) unter anderem darüber aufklärt, daß nicht jeder Musiker eine Karriere der Marke Justin Bieber hinlegen kann.

Es gibt Musiker, die hatten schon schlechtere Ideen...


Die Musik der Band auf eine Person zu reduzieren wäre jedoch ungerecht und völlig falsch, denn bereits mit dem dritten Song, All I Want Is You, entfalten Pristine ein Flair, das nur eine gewachsene Band hinbekommt. Die mit viel Hall unterlegte Gitarre weist den Weg in einen atmophärisch-schwebenden 6-Minüter, der an Intensität stetig hinzugewinnt und von einer zunächst zurückhaltenden Orgel profitiert, die im hinteren Drittel aus der geilen Nummer eine sehr geile macht. Meine unbedingte Empfehlung zum Reinhören !!!!!
Ganz ähnlich der Titelsong. Der langsam stampfende Beat von Drummer Karl Karlsen legt das Fundament über das sich langsam eine immer fetter werdende Orgelschicht samt Querflöte und Bläsersatz legt. So schwillt der Song innerhalb von knapp sechs Minuten zu einem furiosen Ende an, welches erneut von der Stimme Solheims, die einen Moment lang an die legendäre Björk erinnert, gekrönt wird. The Middlemen trägt Euch durchs Wohnzimmer, ob ihr wollt oder nicht. David Gilmour hätte garantiert nichts gegen den naheliegenden Vergleich mit dem Gitarrenspiel von Espen Elverson, aber da täte man Pristine einen Bärendienst. Denn die Kombination aus der unglaublich wandelbaren Stimme ihrer Sängerin und der überragenden Leistung von Gitarre, Orgel und Rhytmusgruppe ist durchaus eigenständig und bedarf gar keines Vergleiches mit bekannteren Bands.


 
Es beschleicht mich allerdings auch der leise Gedanke, daß die Band sich ihrer Fähigkeiten nicht wirklich bewusst ist. Ich habe bei California, Lois Lane und Don't Save My Soul, allesamt wirklich hörenswert, das Gefühl daß Songs eingespielt wurden, weil man halt grundsätzlich den bluesbasierten Rock in der Vita halten möchte. Das ganze Ausmaß der Möglichkeiten wird halt immer dann deutlich, wenn Heidi Solheim besonders glänzt und ihre Mitmusiker mitzieht. Immer dann stelle ich mir die Frage, wie sich deutlich getragenere Rootsmusik der Marke Raising Sand (Alison Krauss & Robert Plant) oder OH (Ohio) von Lambchop wohl in der norwegischen Pristine-Interpretation anhören würde.

Norgeicana quasi...

Reboot endet mit dem fantastischen The Lemon Waltz. Bei der viereinhalb-minütigen Schlussnummer richten sich mir erneut die Nackenhaare auf, dermaßen gefühlvoll transportiert der vielschichtige Gesang Solheims die ergreifende Stimmung dieser Nummer. So endet die Wundertüte Reboot. Ich bin mir sicher, daß da noch einiges kommt und freue mich schon drauf.

Bernd