Montag, 3. August 2015

Led Zeppelin - Presence (2015 Remaster - Deluxe 2 CD Edition)

Band: Led Zeppelin
Album: Presence
Spielzeit: 76:18 min

Plattenfirma: Warner
Veröffentlichung: 31.07.2015
Homepage: www.ledzeppelin.com




WERTUNG: 

Uneingeschränkte Kaufempfehlung, der letzte echte Led-Zep Klassiker


Tracklist: 


CD One
01. Achilles Last Stand
02. For Your Life
03. Royal Orleans
04. Nobody's Fault But Mine
05. Candy Store Rock
06. Hots On For Nowhere
07. Tea For One



CD Two (Companion audio)
01. Two Ones Are Won (Achilles Last Stand - Reference Mix)
02. For Your Life (Reference Mix)
03. 10 Ribs & All/Carrot Pod Pod (Pod) (Reference Mix)
04. Royal Orleans (Reference Mix)
05. Hots On For Nowhere (Reference Mix)



Die Led Zeppelin Remasters gehen in die letzte Runde. Getreu der Chronologie macht "Presence", welches ursprünglich 1976 erschien, den Anfang. Zur damaligen Zeit herrschten im Led Zeppelin-Lager tumultartige Zustände, angefangen von den Streitigkeiten untereinander bis hin zu Robert Plants Autounfall in Griechenland im Jahr zuvor, von dem er sich immer noch nicht ganz erholt hatte während der Aufnahmen.
Doch die Truppe konnte sich zusammenraufen und lieferte mit "Presence" ihren wohl letzten grossen Klassiker ab.
Im Gegensatz zum Vorgängeralbum "Physical Graffity", wo doch vermehrt akustische und folkige Töne und auch Keyboards in nicht untergeordnetem Umfang zu hören waren, stellt "Presence" ein straightes Hard Rock Album ohne viel Firlefanz dar.

Der 10 minütige Opener "Achilles Last Stand" steht den Long-Track Klassikern der Band ala "Kashmir" in nichts nach und inbesondere Jimmy Page ist es zu verdanken, dass die Scheibe sich im hochwertigen Back-Katalog der Engländer nicht zu verstecken braucht, hat er doch die Lp auch produziert. 
Aufgenommen wurde in den bekannten Musicland Studios im Keller eines bekannten Münchner Hotels, in dem auch sehr viele Rockklassiker der Stones und insbesondere Queen entstanden.

Weitere Höhepunkte der Scheibe stellen das funkige "Royal Orleans" sowie das unterbewertete "Nobody's Fault But Mine" dar, welche beide in die Hall Of Fame des Led Zeppelin'schen Gesamtkatalogs Einzug finden sollten. 
Auch die unbekannteren Songs wie das etwas hektische "Candy Store Rock" oder das sehr trockene "For Your Life" liefern Hardrock der Spitzenklasse ab.

Mit dem Neunminüter "Tea For One" nimmt man Bezug auf die bluesigen Anfangsjahre und beschließt so ein erneut mehr als hochwertiges Album.

Verkaufstechnisch war "Presence" zwar kein absoluter  Überflieger, konnte jedoch in den Billboard Charts sowie in den heimischen Charts in Großbritannien jeweils die Spitzenposition erklimmen.

Live wurden auf der folgenden 1977er Tour überraschenderweise lediglich "Achilles Last Stand" sowie "Nobody's Fault But Mine" zum Besten gegeben, was doch für einige Verwunderung sorgte angesichts des sonstigen auch hochwertigen Materials. "For Your Life" wurde gar erst auf dem 2007er Reunion Konzert erstmal live performed.



 

Die harten Fans kaufen natürlich wieder die umfangreicheren Fassungen. Mir liegt als Rezensionexemplar die Deluxe-Doppel-CD vor. Das wie gewohnt altemberauben schön aufgemachten Digipack wurde mit hochwertigen Live- und Studiophotos aus der damaligen Phase ergänzt.
Was ich bei den ganzen Remasters etwas schade finde ist die Tatsache, dass man keinen zusätzlichen Liner-Notes von Jimmy Page, der die gesamten Projekte ja eigenhändig überwachte, finden konnte. Einige seiner Insider-Infos zur Entstehung der einzelnen Scheiben hätte ich durchaus interessant gefunden. Ebenso gibt es außer den Tracknamen keine genauen Infos zu den Bonus-Tracks.

Diese umfassen lediglich 5 Songs, was auf den ersten Blick etwas wenig erscheint, mit  
"10 Ribs & All/Carrot Pod Pod (Pod) (Reference Mix)" jedoch einen komplett unveröffentlichten (Instrumental-)Song bietet, der wohl aufgrund seiner eher soften Ausrichtung sowie der akustischen Einlagen und des enthaltenen Pianos der gewollten härteren Ausrichtung zum Opfer fiel. Jedenfalls mit Abstand das Highlight der Doppel-CD.

Beim "Royal Orleans" Reference Mix hört man John Bonham am Gesang -  sehr gewöhnungsbedürftig,  klingt fast wie eine Spass-Version, was das Ganze aber durchaus interessant macht aufgrund des deutlichen Unterschieds zum Original. Bei den übrigen Bonusstücken muss man schon genauer hinhören um die Unterschiede der zusätzlichen Mixe zu erkennen.

Wie auch die vorherigen Re-Issues, so verdient "Presence" auf alle Fälle wieder uneingeschränkte Kaufempfehlung. 
Die Hardcore-Fans sind sowieso an Bord und wer beginnt, sich mit dem Zeppelin'schen Gesamtwerk zu beschäftigen dem seien die Remasters ebenfalls schwer ans Herz gelegt, da auch der Sound über alle Zweifel erhaben ist.


Abschließend noch eine Zusammenfassung aller Versionen dieser Veröffentlichung aus dem offiziellen englischen Presseinfo:


  • Single CD - Remastered original album. 
  • Deluxe Edition (2CD ) - Remastered album, plus a second disc of unreleased companion audio.
  • Single LP - Remastered album on 180-gram vinyl, packaged in a sleeve that replicates the LP's first pressing in exacting detail. 
  • Deluxe Edition Vinyl - Remastered album and unreleased companion audio on 180-gram vinyl. 
  • Digital Download - Remastered album and companion audio will both be available.  
  • Super Deluxe Boxed Set - This collection includes:
  • Remastered album on CD in vinyl replica sleeve.
  • Companion audio on CD in card wallet.
  • Remastered album on 180-gram vinyl in a sleeve replicating first pressing.
  • Companion audio on 180-gram vinyl.
  • High-def audio download card of all content at 96kHz/24 bit.
  • Hard bound, 72+ page book filled with rare and previously unseen photos and memorabilia. High quality print of the original album cover, the first 30,000 of which will be individually numbered.                                    

Martin





 


 

Montag, 13. Juli 2015

Trixter - Human Era

Band: Trixter
Album: Human Era
Spielzeit: 44:14 min.
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 05.06.2015
Homepage: https://www.facebook.com/trixterrocks


WERTUNG: 8 von 10


Tracklist: 


1. Rockin’ To The Edge Of The Night
2. Crash The Party
3. Not Like All The Rest
4. For You
5. Every Second Counts
6. Beats Me Up
7. Good Times Now
8. Midnight In Your Eyes
9. All Night Long
10. Soul Of A Lovin’ Man
11. Human Era



Trixter gingen bislang etwas an mir vorüber. Sowohl in den 90er Jahren (ihr Debut 1990 schaffte immerhin noch eine Goldene in den USA) als auch das Comeback vor ein paar Jahren hab ich irgendwie verschlafen. Aber man kann ja nicht alles kennen und so kann man sich vorurteilsfrei an die neue Scheibe "Human Era" wagen.

Beim Opener "Rockin' to The Edge Of The Night" fühlt man sich wie in einer Zeitmaschine in die Epoche versetzt, als die Haare noch lang waren  und die Musik noch Spass machte, sprich 80's pur im alten Bon Jovi-Stil, was auch so ungefähr die Marschrichtung der Band ist.

"Crash That Party" setzt dem flotten Opener in Sachen Geschwindigkeit noch eines drauf. Schöne Breitwandchöre und ein ohrwurmartiger Refrain machen Lust auf mehr.
Die "Nanana"'s in "Not Like All The Rest" wecken ebenfalls nostalgische Gefühle, ohne jedoch zu verstaubt zu wirken. Was waren das noch für Zeiten, als die Jungs aus New Jersey um Herrn Jovi noch gute Musik machten. 
"For You" erinnert etwas an Van Halen ala "Hot For Teacher", sprich ebenfalls ein Lichtgeschwindkeitssong hoch drei, genial geeignet für die nächste 80er Hair Metal Party.

"Every Second Counts" befriedigt den AOR Maniac, eine Weltklasse-Halbballade, die anno dazumal sicher ganz oben in den Hitlisten gestanden hätte.

"Beats Me Up" hätte ich nicht genau danach folgen lassen von der Reihenfolge her, da es sich hier ebbeienfalls um einen eher balladesken Song handelt, und die Vocals einmal mehr an Jon Bon erinnern, als er noch singen konnte.

"Good Times Are Now" ist mir persönlich etwas zu schwerfällig und der einzige "Filler" auf "Human Era".

Das wieder mitreißendere "Midnight In Your Eyes" entschädigt dafür jedoch umso mehr, auch hier zeigen die Jungs wieder, dass sie ihr Handwerk beherrschen und ihre Nische gefunden haben. Nostalgie ja aber mit dem gewissen Etwas.

"All Night Long" könnte auch von Danger Danger zu Paul Laine-Zeiten stammen, dezent punkig angehaucht auch auf der Habenseite zu verbuchen.

Das Abschlussduo "Soul Of A Loving Man" und das Titelstück setzen das hohe Niveau fort, so dass man der Truppe zu "Human Era" nur gratulieren kann und sich zumindest einmal wünschen kann, dass die Band auch mal in unserem Breitengraden auftritt, so gering diese Hoffnung auch sein mag!

Fazit des Ganzen: Prima Scheibe ohne große Minuspunkte und einer mehr als annehmbaren Produktion!

Martin



 

Montag, 6. Juli 2015

House Of Lords - Indestructible

Band: House Of Lords
Album: Indestructible
Spielzeit: 50:26min.
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 05.06.2015
Homepage:
https://www.facebook.com/houseoflordsofficial



WERTUNG: 8 von 10


Tracklist: 

1. Go To Hell
2. Indestructible
3. Pillar Of Salt
4. 100 Mph
5. Call My Bluff
6. We Will Always Be One
7. Die To Tell
8. Another Dawn
9. Eye Of The Storm
10. Ain’t Suicidal
11. Stand And Deliver


Der Titel der mittlerweile zehnten House Of Lords Scheibe ist in der  Tat Programm. Entgegen den Widrigkeiten der Musikindustrie, besonders im Melodicrock-Bereich manchmal ja äußerst schmerzlich spürbar, trotzen James Christian und seine Mitstreiter allem, was sich Ihnen in den Weg stellt und liefern in pünktlichem Rhythmus CD für CD ab. Dazu gehört schon Stehvermögen, gerade in Zeiten, in denen die Verkäufe immer mehr zurückgehen und auch auf kleinere Konzerte nur noch die Die-Hard-Fans pilgern.

Meister James Christian ist das egal und er liefert auch mit der neuen "unzerstörbaren" Scheibe ein hochwertiges Stück Rockmusik ab. 
Das mit einem gregorianischen Chorgesang eingeleitete "Go To Hell" gibt zum Einstieg bereits ordentlich auf die Zwölf. Die Produktion ist schön druckvoll, vor allem im Drumbereich, was ja nicht immer üblich ist.
Das etwas schleppende Titelstück schließt sich an. In die Höhen kommt James Christian zwar nicht mehr so ohne weiteres, aber der Zahn der Zeit nagt ja an uns allen, nur ist merklich in manchen Chorgesängen doch einiges eingemixt worden, was nicht unbedingt nach James Christian klingt (Gerüchten zufolge hat Robin Beck da ausgeholfen).
Beim ruhigeren "Pillar Of Salt" kann man sich entspannt zurücklehnen, eine schöne Halbballade, die auch auf den ersten HOL-Alben stehen könnte. "100 mph" deutet es vom Titel her bereits an, ein flotter Heavy-Song, dennoch sehr melodiös und Jimi Bell an der Axt zeigt was er drauf hat.
AOR-Time ist bei "Call My Bluff" angesagt, ein hitverdächtiger Track, der anno 1988 sicher in den Radioplaylisten weit obengestanden hätte. Nur ist es eben leider 2015.
"We Will Always Be One" ist die nächste (Halb-)Ballade, ist mir persönlich zwar etwas zu zäh, aber der Refrain ist ein Winner, so dass man den Song auch nicht unbedingt als Ausfall bezeichnen kann.
"Die To Tell" gehört wieder zur flotten Fraktion, wenngleich man aber sagen muss, dass hiervon fast ein wenig zu viel auf "Indestructable" vertreten sind, die sich zum Teil auch etwas zu arg ähneln. Am Ende der Scheibe kommen mit "Ain't Suicidal" und "Stand and Deliver" nochmals zwei Heavy-Bretter, die aber auch von der gleichen Machart sind, was dann doch etwas zu Lasten der Abwechslung geht. Nichtsdestotrotz qualitativ hochwertige Tracks keine Frage.

Der einzige Song, der nicht wirklich bei mir zünden will ist "Another Dawn", der wirkt irgendwie blutleer. Der dritte ruhige Song "Eye Of The Storm" dagegen punktet wieder auf ganzer Linie, bei den Refrains gelingen HOL meistens zuverlässig Volltreffer, so auch hier.

Auch wenn die letzten Veröffentlichungen doch irgendwie etwas austauschbar geworden sind, so besteht kein Zweifel daran, das James Christian und House Of Lords mit jeder Veröffentlichung hochwertigen Melodicrock abliefern, der sich qualitativ meilenweit von so manch gehypter Veröffentlichung abhebt. Ich freue mich schon wieder auf die nächste Scheibe! Well Done.....


Martin






Sonntag, 5. Juli 2015

Sideburn - Evil Or Divine


Band : Sideburn
Album : Evil Or Divine
Spielzeit : 44:56 Min.
Plattenfirma : Metalville
Veröffentlichung : 22.05.2015
Homepage : www.facebook.com/sideburnswedenfanpage

Wertung : 5 von 10

Trackliste : 

  1. Masters And Slaves 
  2. Sea Of Sins
  3. When Darkness Calls
  4. The Seer (Angel Of Death)
  5. The Day The Sun Died
  6. Evil Ways
  7. Presence

Echt schade, wie die Stockholmer Sideburn mit ihrem unzweifelhaft vorhandenen Potential umgehen...aber wer dieser Tage eine richtig geile Platte kaufen möchte, die dem Gedanken des düster-doomigen Hardrock gerecht wird und zäh groovende Gitarrenriffs, düstere Stimmung, fette Drums und dazu noch einen knackigen Sound enthält, der greift wohl eher nicht zu Evil Or Divine.

Das Problem von Dimitri Keisiki (voc. git.), Morgan Zocek (git., bck.voc.), Martin Karlsson (bs., org., bck.voc.) und Fredrik Haake (dr., perc.) ist leider vielfältiger Natur und besonders ärgerlich. Zum einen kann sich die Band nicht entscheiden, nach wem sie denn nun klingen möchte...mal stehen die frühen Scorpions zusammen mit Rainbow Pate (Sea Of Sins), danach halten Candlemass (When Darkness Calls) die Hand über die Jungs, ein anderes Mal wieder drehen Sideburn irgendwie alles gleichzeitig durch den düsteren Hardrockwolf...nur eines sind sie leider überhaupt nicht: Eigenständig. 

Dem Sound der Gruppe fehlt ein herausragendes Merkmal. Hätte man einen besonders begnadeten Sänger, Gitarrist oder Schlagzeuger im Team, hätte man ein entsprechendes Klangkorsett erhalten, mal ein Solo eingstreut, Abwechslung in irgendeiner Form eingebracht, wie auch immer...hat man aber nicht. Und so schleppe ich mich durch knapp 45 Minuten zäher Musik, die wenig bis keinen Spaß macht. Die ich vor allem aber in den letzten Jahren beim Hören anderer Bands deutlich spannender empfunden habe.



Ärgerlich ist die Angelegenheit deshalb, weil von Anfang an klar ist, dass die Jungs gar nicht so viel tun müssen um es allen zu zeigen. Holt Euch einen Profi ins Studio, der Euch in den Hintern tritt und vorhandes Talent aus Euch herauskitzelt. Einen der Euch einen markanten Sound bastelt, der Euch beim Songwriting berät, was auch immer...

Doppelt blöd ist; Evil Or Divine punktet ausgerechnet mit dem Schlusssong Presence der, stark The Tea Party verdächtig, seine Wurzeln wieder mal nicht verleugnen kann ABER; endlich Spaß macht. Die Nummer darf als gelungen bezeichnet werden, endlich kommt eine Stimmung auf, endlich mag man genauer hinhören, weil Dimitri Keisiki plötzlich voller Inbrunst singen kann, endlich hört man, was geht, wenn Sideburn ihre Energie bündeln...schade dass es schon zu spät ist.

Bleibt zu hoffen dass den Stockholmern in absehbarer Zeit ein Licht aufgeht, denn die sechste Platte muss endlich zünden, sofern es sie gibt...


Bernd

Sonntag, 28. Juni 2015

Palace Of The King - White Bird - Burn The Sky


Band : Palace Of The King
Album : White Bird / Burn The Sky
Spielzeit : 44:40 Min.
Plattenfirma : Listenable Records
Veröffentlichung : 12.06.2015
Homepage : www.facebook.com/palaceofthekingmusic

Wertung : 9 von 10

Trackliste :
  1. Take Your Medicine
  2. No Chance In Hell
  3. Another Thing Coming
  4. Burn My Bridges
  5. White Bird (Bring Your Armies Against Me)
  6. Ain't Got Nobody To Blame But Myself
  7. Leave Me Behind
  8. Devil's Daughter
  9. Get Back Up (Burn The Sky)
  10. If It Ain't Broke

Falls dem Einen oder Anderen von Euch der Gedanke kommen sollte: Ja, Palace Of The King kommen aus Down Under, sie haben mit AC/DC aber ebenso viel zu tun wie Angus Young mit Elektrozigaretten. Haben sie auch überhaupt nicht nötig, denn White Bird - Burn The Sky, just erschienenes Zweitwerk, hat mit seinem vielfätigen Kickass-Rock überhaupt keinen Grund sich hinter anderen Bands zu verstecken.

Allein die personelle Breite der mit sechs Leuten sehr gut besetzten Band lässt vermuten, dass hier einiges drin stecken könnte. In der Tat, Tim Henwood (Gesang, Percussion), Leigh Maden (Lead Gitarre, Mundharmonika), Matthew Harrison (Rhythmus-Gitarre), Andrew Gilpin (Bass), Anthony Troiano (Schlagzeug) und Sean Johnston (Keyboard / Orgel) weben einen Soundteppich, den man als Kreuzung aus Deep Purple meets Raven meets Black Crowes meets Aerosmith ganz passabel beschreiben kann. 

Die ersten beiden Tracks sind rauhe, hemmungslose Losgehnummern mit einem kräftigen Arschtrittfaktor. Tim Henwoods hell-bellendes Organ erinnert ein wenig an Geddy Lee, bringt aber schon mit dem zweiten Titel No Chance In Hell den Beweis, auch tiefere Lagen stemmen zu können. Auffällig der kurz auf der Bremse zuckende Fuß im Mittelteil; hier ein kurzes Guitarsolo, dort ein Tambourin, dazu ein cooler Basslauf und Henwoods hektisch-kontrollierter Gesang, fertig ist eine geile Rocknummer, die Appetit auf mehr macht. 
Another Thing Coming hat nichts mit der gleichnamigen Judas Priest Nummer zu tun, und stellt den Hörer klassischer Hardrock- bzw. Metalmusik leider auf eine harte Probe...der verzerrt-kitschige Keyboardriff muss erstmal verdaut werden und nervt mich. Schade, der Song hat im weiteren Verlauf einen funkig-souligen Charme und erinnert ein wenig an Mother's Finest meets Ike & Tina Turner, da hätte man echt mehr draus machen können...



Die Rückbesinnung folgt auf dem Fuße und die Fieberkurve steigt in unerwartete Höhen. Über Burn My Bridges, dem zentnerschweren Titeltrack White Bird (Bring Your Armies Against Me) und der immer wiederkehrenden, agbrundtief fetten Schweineorgel von Sean Johnston entwickeln sich verdammt feine Songstrukturen mit Tiefgang. Vorläufiger Höhepunkt für mich stellt Ain't Got Nobody To Blame But Myself dar. Die um zwei Gänge zurückgefahrene Drehzahl verleiht dem Stück eine fast bedrohliche Atmosphäre, die ausserdem in der Mitte der Platte gut platziert ist und für Abwechslung sorgt. Und von weiteren Qualitätsrockern gefolgt wird...
Im Grunde folgen jetzt nur noch Highlights. Leave Me Behind, der nach vorne galoppierende Rocker wird von einer (sic!) Bläsersektion und einem Saxophon garniert ! Geilomat ! Devil's Daughter hat einen schönen, an Mother Love Bone erinnernden Mittelteil inklusive noch schönerem Gitarrenpart verpasst bekommen. Der fräsende Gitarrenriff und die coole Harp von Leigh Maden drücken der vorletzten Nummer Get Back Up (Burn The Sky) ihr Siegel auf.

If It Ain't Broke beendet ein unerwartet starkes Palace Of The King - Album auf knackige, jedoch leicht angespannte Weise. Die letzten fünf Minuten geraten ein wenig krampfig, man hat den Eindruck dass die Ideen auf der Zielgeraden dann doch weg waren. Aber egal, White Bird - Burn The Sky ist nix anderes als ein Arschtritt-Rocker und ich freue mich auf mehr. Denn Palace Of The King haben so viel Potential, von denen werden wir mehr hören...

Und Ihr geht jetzt mal ganz schnell los und kauft Euch die Platte ! Nicht dass hinterher einer behauptet, ich hätte nix gesagt...

Bernd 

Freitag, 5. Juni 2015

Michael Bormann - Closer


Band: Michael Bormann
Album: Closer
Spielzeit: 45:28 min.
Plattenfirma: Pride & Joy Music
Veröffentlichung: 22.05.2015
Homepage: www.michaelbormannpage.de

WERTUNG: 8 von 10


Tracklist:
01. I’m Not Your Entertainment
02. Let’s Make History
03. Never Say Die
04. Can’t Get A Touch Too Much
05. Because We Are The World
06. Living It Up
07. I Wanna Be A Rock Star
08. For This One Time In Life
09. Closer
10. Richmen’s World
11. Down To The Bottle
12. Warrior

Michael Bormann dürfte nach seinen Auftritten bei der Castingshow "The Voice Of Germany" sicherlich auch außerhalb der Melodic- und Hardrock Gemeinde einige Fans gefunden haben. Manche der Old School Fans haben zwar längst ihren Unmut über diesen Schritt hin zum Mainstream bekundet, der Großteil hat dies nach meiner Erfahrung jedoch sehr begrüßt und Michael weiterhin nach Kräften unterstützt. Über seine über 25-jährige Erfahrung mit Stationen bei JADED HEART (als Mitbegründer) oder BLOODBOUND, BISS oder SILENT FORCE muss ich hoffentlich nicht mehr all zu viele Worte verlieren. Michael hat in diesem Bereich wirklich fast alles qualitiv hochwertig beackert. 


Nun liegt mir sein fünftes Soloalbum vor, das relativ nah am Erscheinungstermin seines letzten Projekts, den Italienern von GRINDHOUSE (Review hier) liegt. Bei den bisherigen Soloscheiben hatte ich immer das Problem, das neben einigen Krachern zu viele Balladen zu finden waren und auch der ein oder andere Füller. Ersteres fällt bei "Closer" nicht mehr so arg ins Gewicht. Erstens ist die von THE VOICE bekannte Ballade "Warrior" absolut gelungen und dürfte bei so manchem 80er Jahre Kuschelrock Fan Gänsehaut hervorrufen. Die mir dann zu weichgespülte Ballade Nummer 2 "Because We Are The World" inklusive Kinderchor drücke ich leider nach dem dritten Durchlauf durchgängig weg. Intention und Stimmung passen zwar, doch mir sagt der Song echt nicht zu. Manchmal ist zuviel Plüsch einfach zuviel. 

Doch kommen wir nun endlich zu den Krachern auf dem Album, denn die sind eindeutig in der Überzahl. Bereits der Opener "I'm Not Your Entertainment" (doch Michael, du bist ein guter Entertainer, hihi) geht voll nach vorne ab und weiß mit rockenden Gitarren und tollen Melodien zu gefallen. "Let's Make History" ist ein weiterer Guter-Laune Rocker, bei dem mich die Häufung der Soundsamples aber manchmal an Tom und Jerry erinnert. Vielleicht wäre für das nächste Album ein Bandgefüge dafür hilfreich, denn Michael hat eigentlich fast alles selbst eingespielt (eine Anzahl Gastmusiker ist aber auch auf "Closer" vertreten). "Can't Get A Touch Too Much" startet schön Southern Rock-mäßig ehe sich Michael rappend an KID ROCK versucht und grandios scheitert. Sorry Michael, aber lass den Sprechgesang, das ist echt übel und ohne den berüchtigen Flow. Also auch hier schnell weiter. 

"Living It Up" ist zum Glück wieder richtig gute Melodic Rock Kost. So muss ein Bormann auch anno 2015 klingen. Vom Song und der Produktion her erinnert mich das Stück stark an MICHAEL MORALES, falls den noch jemand kennt. Klasse. "I Wanna Be A Rockstar" ist dann der nächste Kracher, groovt ohne Ende, hat Dampf unterm Kessel und sorgt live sicher für eine Bombenstimmung. Auch die restlichen Songs (besonders "Richmen's World") wissen zu munden und so kann ich "Closer" guten Gewissens starke 8 Punkte verleihen. Zum Album des Jahres wird es für mich nicht reichen, aber ich werde die Scheibe sicher des Öfteren auflegen und mich an "Closer" erfreuen.

Markus

Sonntag, 31. Mai 2015

Halestorm - Into The Wild Life

Band: Halestorm
Album: Into The Wild Life
Spielzeit: 56:47 Min.
Plattenfirma: Atlantic Records
Veröffentlichung: 10.04.2015
Homepage: halestormrocks.com



Wertung: 10 von 10 Punkten



01. Scream
02. I Am The Fire
03. Sick Individual
04. Amen
05. Dear Daughter
06. New Modern Love
07. Mayhem
08. Bad Girl’s World
09. Gonna Get Mine
10. The Reckoning
11. Apocalyptic
12. What Sober Couldn’t Say
13. I Like It Heavy


Special Edition Bonus Tracks:
14. Jump The Gun
15. Unapologetic



Halestorm sind wohl eine, wenn nicht DIE am härtesten arbeitende Band im Rock-Circus überhaupt. Sie touren beinahe ständig und wenn dann doch mal Pause angesagt ist wird eine neue Scheibe eingetütet. Zwischen den regulären Studiowerken gibt es - weil man ist ja nicht ausgelastet - dann noch EP's mit (allesamt tollen!) Coverversionen.

Halestorm sind für mich eine der wenigen "neuen" Bands mit eigenem Charakter UND Star-Appeal, natürlich zu vorderster Front begründet durch Lzzy Hale, der Frontwoman der Truppe. Im Vorfeld  der neuen Veröffentlichung gab es ja Stimmen, die der Band nachsagten, sie wollen nun einen auf Country machen, nachdem sie mit Jay Joyce einen namhaften Produzenten eben dieses Genres verpflichten konnten. Diese Bedenken kann man jedoch ohne weiteres ins Reich der Fabeln zurückweisen. Halestorm rocken weiterhin wenn auch anders. Wie auch "Strange Case...." sich vom selbstbetitelten Erstlingswerk unterschieden hat so ist "Into The Wild Life" eine Weiterentwicklung zum Vorgänger. Ein klares Zeichen dafür, dass man im Hause Halestorm nicht auf Nummer sicher geht und ein weiteres "Here's To Us" auf den Markt schmeisst, welches ja überaus erfolgreich war. 

Halestorm gehen durchaus Risiken ein indem Sie ihren Sound weiter verfeinern. So ist z,B. "Scream" nicht der typische Opener in Form eines schnellen Eröffnungstracks sondern eher im Midtempobereich gehalten. Auffallend die durchaus effektreiche Produktion, welche glasklar und differenziert aus den Boxen tönt. Laut Band wurde ein Großteil der Songs live eingespielt und erst danach verfeinert. Die verfremdeten Vocaleffekte hätte es bei der grandiosen Stimme meines Erachtes zwar nicht bedurft aber dennoch ein guter Einstieg.

"I Am The Fire" ist das erste Highlight der CD. De rSong beginnt eher balladesk, ehe einen der Refrain ziemlich wegpustet und am Ende der Song das Tempo in Richtung Speedgranate wechselt. Rockt wie Sau würde ich sagen. "Sick Individual" erinnert am ehesten an die "alten"Halestorm. Ein schöner Stampfer, der auch live gut abgehen wird. Das  Lzzy- Kreischen wird dabei auch wieder gut dosiert eingesetzt.

"Amen" wurde bereits vorab ausgekoppelt, hierzu gibt es ein aufwändiges witzig gemachtes Video, die leichten Country-Twangs der Gitarre fallen sicher auf sind jedoch nicht als Abkehr vom Rocksound zu werten. Im Gegenteil - auch dieser Song geht live gut ab (was ich mit eigenen Ohren in München erleben durfte)

"Dear Daughter" ist der nächste Song, bei dem die Höchstwertung gar nicht reicht. Waren Halestorm in der Vergangenheit schon für die ein oder andere Top-Ballade zuständig so übertreffen sie sich mit diesem Song fast selber. Clever textlich als Brief einer Mutter an ihre Tochter verpackt zieht Lzzy hier alle Register ihres Könnens und die gefühlvolle Ballade dürfte für Feuerzeuge satt im Live-Convert sorgen, heutzutage aber wohl eher Smartphonedisplays.....

Ebenfalls nicht alltäglich an der Scheibe ist die Tatsache, dass die Songs meist ohne Pause ineinander übergehen, teilweise mit extra Outros als Übergang.. Dies kreiert eine tolle Atmosphäre und die Songreihenfolge ist prima gewählt.

"New Modern Love" ist der einzige Song der nicht so 100% bei mir zünden will, was das granatenstarke und auch für Heavyfans geeignete "Mayhem" (welches wie "I Like It Heavy" schon bei der letzten Tour mit im Gepäck war)aber locker wieder wettmacht.

"Bad Girl's World" erinnert (wie eine Handvoll weiterer Songs) etwas an eine rockige P!NK, für mich kein schlechtes Zeichen, stimmlich braucht sich Lzzy da sicher auch nicht zu verstecken, songwriterisch schon gar nicht. Zwar ein sehr poppiger Track aber unheimlich gut gemacht.Von der ruhigeren Sorte sind auch "What Sober Couldn't Say" und "The Reckoning", die die Hartwurstfraktion sicher etwas abschrecken dürften aber die Tracks haben das gewisse Etwas um sie aus dem Einheitspoprockbrei herauszuheben.

Zu "Apocalyptic" (mit X-Rated Lyrics) gibt es ebenfalls ein Video, welche leider einmal ehr in Deutschland auf youtube ohne Ip-Blocker nicht zu sehen ist. Der Song  war lange Zeit hoch in den Radio-Rockplaylisten und das zu Recht.

Mit dem riffbetonten "I Like It Heavy" geht die bislang beste Halestormscheibe offiziell zu Ende. Die Scheibe ist eine klare Fortentwicklung ihres Sounds, hat Klasse und Rasse zuhauf und ist stimmungsvoll zusammengestellt. Diejenigen, die murren, dass ein paar Songs zu poppig geraten sind, wird man verschmerzen können. Die Scheibe ist zu Recht kurz nach der Veröffentlichung in die Top 5 Billboard Charts eingestiegen und die Band befindet sich (wie sollte es auch anders sein) schon wieder auf Tour.

Für die Freunde der Deluxe-Editionen gibt es noch zwei Zuschläge: Das Bon-Jovi-mäßige "Unapologetic" sowie das flotte "Jump The Gun". Für das, was hier als Bonustracks verbraten wird,  wären andere Bands froh,  auf ihrem Hauptalbumbieten zu können.

Halestorm haben alles richtig gemacht, wer sie noch nicht live gesehen hat sollte das schleunigst nachholen. Es lohnt sich. Für "Into The Wild Life" gibt es ohne Umschweife eine glatte 10 von mir.


Martin



Jim Peterik/Marc Scherer - Risk Everything

Band: Jim Peterik/Marc Scherer
Album: Risk Everything
Spielzeit: 52:16 min
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 17.04.2015
Homepage: http://jimpeterik.com/


 Wertung : 8,5 von 10


 Tracklist:
  1. Risk Everything
  2. Chance Of A Lifetime
  3. Cold Blooded
  4. Desperate In Love
  5. Thee Crescendo
  6. The Dying Of The Light
  7. How Long Is A Moment
  8. Brand New Heart
  9. Broken Home
  10. Milestones
  11. Independence Day

Nach längerer Funkstille gibt es endlich einmal wieder neues von Jim Peterik zu vermelden. Seit dem letzten Pride Of Lions-Werk war nicht mehr viel von ihm zu hören und zu sehen, was sich ja in Europa meist auf CD-Veröffentlichungen beschränkt, denn Touren ist in unserer heutigen Musiklandschaft auch für einen (zumindest in Melodic-Kreisen hochgeschätzten) Jim Peterik wohl finanziell nicht drin, ausser man tourt unter dem Survivor-Banner, aber da ist er ja schon lange nicht mehr mit von der Partie.

Survivor ist das Stichwort, denn was der Gute zusammen mit dem mir bislang doch recht unbekannten Marc Scherer hat er ein sehr gutes Melodicscheibchen auf den Markt gebracht, welches sich in seinen besten Momenten durchaus mit dem Survivor -D'Oevre messen kann und das ist schon ein wirkliches Kompliment, das man ihm mit dieser Veröffentlichung machen kann.

Entgegen dem Titel gibt es auf "Risk Everything" sicherlich keine großartigen Experimente, aber die Songs haben durchaus das gewisse Etwas welche das Album vom üblichen Melodic-Einheitsbrei abheben und den gewissen "oha"-Effekt bieten.
Allen voran die Eingangshymne in Form des Titelstücks, welches auch auf einem 80er-Jahre Survivor Album positiv aufgefallen wäre. Die Produktion ist wie von Peterik gewohnt schön klar und fett und Marc Scherers Stimme ist ein weiterer Pluspunkt. Er hat eine klare hohe Stimme, die für Mel-Rock wie gemacht scheint, ohne jedoch das teilweise unangebrachte Vibrato in der Stimme zu haben wie es Toby Hitchcock von Pride Of Lions teilweise überstrapaziert. Ein wirklicher Genuss.
Die erste Hälfte der Scheibe gehört mit zum besten aus dem Haus Frontiers in diesem Jahr und hat ein sehr hohes Niveau. Sei es nun das ebenfalls famose "Chance Of A Lifetime", das treibende "Cold Blooded"  oder das balladesk beginnende "Desparte in Love", welches sich in einen ebenfalls treibenden Rocker ala Pride Of Lions verwandelt - alles Knaller vor dem Herrn. 
"Thee Crescendo" ist AOR in seiner pursten Form und Peterik at his best. Ich würde sogar soweit gehen, dass die Scheibe - zumindest die ersten zwei Drittel- mit zum Besten gehören was Peterik seit langer, langer Zeit zustande gebracht hat. Quasi eine Zusammenfassung seines bisherigen Schaffens in neue tolle Songs verpackt. 

Der eine oder andere würde vielleicht anmerken, dass die Stücke ein doch ziemlich gleiches Strickmuster aufweisen, ich würde das jedoch generell als eigene Handschrift von Peterik sehen. Ein Peterik-Song bleibt eben einer und wenn man seine Trademarks hat ist das durchaus positiv zu verbuchen, gibt es doch heutzutage viel identitätslose Mucke. Dies ist hier ganz klar nicht der Fall.

Einziger Wehrmutstropfen dieser doch sehr guten CD ist die Tatsache, dass nach der (überraschenderweise einzig wirklichen) Ballade "How Long Is A Moment" der Scheibe am Schluss auf der Ziellinie doch etwas die Luft ausgeht. "Brand New Heart" ist noch eine weitere treibende flotte Hymne, "Broken Home" und vor allem das eher uninspirierte "Milestones" halten nicht ganz das hohe Niveau der Vorgängernummern, wenngleich das wirklich Jammern auf extrem hohem Niveau ist. 
Der Rausschmeisser "Your Independence Day" zieht da die Qualitätskurve wieder etwas nach oben, einer von mehreren Uptemposongs im typische Peterik-Optimismus-Stil. Toll gemacht.

Fazit: Ein Peterik-Werk, welches es in sich hat und mit Marc Scherer eine tolle Stimme versehen mit hochwertigen Melodic-Songs. Prima gemacht, macht Spass! Alle Daumen hoch!



Martin





 

Status Quo - Aquostic Live @ The Roundhouse


Band : Status Quo
Album : Status Quo - Aquostic Live @ The Roundhouse
Spielzeit : 86 Min (2CD) + 100 Min. (DVD)
Plattenfirma : earMUSIC 
Veröffentlichung : 10.04.2015
Homepagewww.statusquo.co.uk

Wertung : 6 von 10

Trackliste CD1 :
  1. And It's Better Now
  2. Break The Rules
  3. Again And Again
  4. Paper Plane
  5. Mystery Song
  6. Little Lady
  7. Rock'n'Roll
  8. Caroline
  9. What You're Proposing
  10. Softer Ride
  11. Down Down
  12. Pictures Of Matchstick Men

Trackliste CD2 :
  1. Down The Dustpipe
  2. All The Reasons
  3. Reasons For Living
  4. Rollin' Home
  5. Don't Drive My Car
  6. Claudie
  7. Rain
  8. Marguerita Time
  9. Na Na Na
  10. Whatever You Want
  11. Rockin' All Over The World 
  12. Rock 'til You Drop
  13. Burning Bridges (On And Of And On Again)

Es ist durchaus möglich daß ich etwas gehemmt oder voreingenommen bin. Erstens bin ich kein Hardcore-Fan der Band, die mir und meinen Kumpels wunderbare Momente verschaffte...vor weitaus mehr als einem Vierteljahrhundert wohlgemerkt geschahen absonderlichste Dinge auf unserem schönen westfälischen Fleckchen Heimaterde. Es war die Zeit der Jugendfeten am Vorabend des alljährlichen Schützenfestes. Da durfte die Dorfjugend ohne elterliche Kontrolle saufen, rauchen und neben allerlei Schlager- und Popschmonsens zu vorgerückter Stunde richtig "harte" Musik wie Ram Jam, Golden Earring und eben Status Quo zelebrieren. Die lässig in den Mundwinkel geklemmte Fluppe (selbstgedrehte DRUM oder SAMSON natürlich), ein 0,2l Rolinck Pilsener in der Hand, Spagat bis die Plinte runter bis zu den Adidas Allround platzte und die Pete Townshend für arme Leute-Gedenkwindmühle waren Audruck dafür dass die Musik gut war. Und Status Quo gingen immer. Keine Fete ohne Quo, und welche Songs da liefen dürfte hinlänglich bekannt sein. Die Songs haben sich halt in die Gehörgänge meiner Generation gefressen.

Soviel zu den Umständen meiner Status Quo-technischen Vorbelastung. Die Band hat natürlich etwas mehr zu bieten als 08/15 Partyrock, doch, und so geht es bestimmt nicht nur mir, ich persönlich verbinde die Musik halt mit Schweiss, Zigarettenqualm und Stimmung in der Bude. Und so geht die ergraute Eminenz des Boogie Rock mit einem leichten Handicap ins Rennen dieser Rezension.

Ach ja, zweitens fehlt ja noch. Zweitens haben einige Vorgänger die Acoustic-, Unplugged- oder was weiss ich für stromlose Live Alben-Messlatte verdammt hoch gelegt, so zum Beispiel Nirvana, Eric Clapton oder Neil Young, die in diesem speziellen Format wahre schon Seelenstripteases hinlegten.

Status Quo haben ihren Auftritt jedenfalls gut vorbereitet. Die Location, das altehrwürdige Londoner Roundhouse, diente nicht ohne Grund vielen bekannten Bands als geeignete Location für ihre Plattenaufnahmen. "Live at the Roundhouse" gilt in Rockfan-Kreisen als ernstzunehmendes Qualitätsmerkmal für eine hervorragende Akustik. Led Zeppelin, Pink Floyd, die Rolling Stones, Kraftwerk, Opeth usw. traten dort auf und schnitten die Gigs oft mit um sie später zu veröffentlichen. So auch Status Quo.


Im Oktober 2014 gab es eine BBC-Sondersendung zur Promotion des 31ten Studio-Albums der Band, die mit mehr als 1,3 Millionen Views im Internet innerhalb von fünf Tagen zum Riesenerfolg mutierte. Und dass eine Band, die mehr als 50 Jahre Erfahrung und mehr als 60 Top40 Single-Platzierungen in GB hatte, an einem solchen Abend ein selbstbewusstes Programm aufstellt, dürfte sich von selbst verstehen. 

Ergo nahmen Freddie Edwards, Rick Parfitt, Francis RossiAndrew Bown, John "Rhino" Edwards und Drummer Leon Cave nebst einer Vielzahl weiterer Musiker gemütlich auf ihren Stühlen Platz, um vor vollem Haus die Träume ihrer treuesten Anhängerschar wahr werden zu lassen.  

Acoustic Live ist an diesem Abend aber vor allem die bühnentaugliche Umsetzung des Albums, welches im Laufe der Zeit zum verdienten Verkaufsschlager mutierte: Aquostic:Stripped Bare. Und dort zeigt sich leider auch, dass fünf auf dem Stuhl klebende Herren im Laufe eines Abends an ihre Grenzen kommen können. Was dem Roundhouse-Besucher evtl. wegen der Stimmung in der Halle verborgen blieb, ist auf der Mattscheibe leider allzu schnell klar...bereits nach wenigen Minuten kann ich mir ein Gähnen kaum noch verkneifen und spätestens mit dem verschunkelten Again And Again wird mir klar, dass dieses Konzept für mich nicht aufgehen wird. 

Ich denke unweigerlich an vergangene Zeiten zurück und vermisse den Dreck und meine gröhlenden Kumpels. Natürlich bin in all den Jahren nicht nur ich, sondern auch Rossi, Parfitt und Co. älter geworden, aber in meiner Erinnerung lege ich gerade On The Level oder Never Too Late auf den Plattenteller. Die Bude qualmt zwar, als Rossi in Paper Plane die große Runde fragt, ob jemand in seinem "deutsche car..." mitfahren möchte, doch mir persönlich mangelt es bei aller Unterstützung durch Akkordeon, Percussion oder Backgroundgesang an dem musikalischen Ausgleich der mangelnden Bewegungsmöglichkeiten der Band.
Wie schön wäre es gewesen, hätte Francis Rossi nur einen einzigen Song solo gebracht, oder hätte es für einen Gastsänger bzw. -sängerin gereicht. Ein Schlagzeug-, Gitarren-, oder Basssolo...ein Instrumental ? Leider nein, die Möglichkeiten sind vielfältig, doch trotz aller Qualität kehrt Langeweile ein. Ständig die gleiche Tonlage, die selbe Leier. Da helfen dann auch die schönen Harp-Einlagen von Andy Bown, die Streichersektion und Rossi's lockere Ansagen in schönstem britischem Akzent nix mehr.

Nun denn, 86 (CD) bzw. 100 (DVD) Minuten werden echte Fans zufriedenstellen, da bin ich mir sicher. Das Roundhouse-Publikum scheint jedenfalls voll auf seine Kosten gekommen zu sein. Ich greife im Zweifellsfall auf meine Plattensammlungs-Quo zurück, mache mir ein Bier auf und lege die Füße auf den Tisch. Bin zwischenzeitlich alledrings auf Dortmunder Union Export umgesattelt...



Prösterchen !


Bernd Fischer

Nelson - Peace Out


Band : Nelson
Album : Peace Out
Spielzeit : 57:24 Min.
Plattenfirma : Frontiers Records
Veröffentlichung : 18.05..2015
Homepage: http://www.matthewandgunnarnelson.com/
 

Wertung : 8 von 10


Tracklist:

1. Hello Everybody
2. Back In The Day
3. Invincible
4. Let It Ride
5. I Wanna Stay Home
6. On The Bright Side
7. Rockstar
8. Autograph
9. What’s Not To Love?
10. You And Me
11. Bad For You
12. Leave The Light On For Me



Nelson sind für mich die ultimative Gute-Laune -Truppe. Wer eine ihrer Scheiben anhört und danach noch schlecht drauf ist ist entweder dauerdepri oder bereits tot. 
Zyniker würden sagen, dass die Jungs klassische One-Hit-Wonder sind bzw. waren und in der Tata war ihr MIllionenseller "Love and Affection sowie der zugehörige Longplayer "After The Rain" ihr verkaufstechnisches Highlight, die nachfolgenden Veröffentlichungen fanden - wenn überhaupt - leider nur noch in Asien eine größere Käuferschicht, was nicht bedeutet, dass es sich dabei um schlechte Alben handelt, im Gegenteil! Eine richtig üble Scheibe haben Nelson noch nie aufgenommen und auch "Peace Out" ist ein gelungener Longplayer.

"Hello Everybody" ist der ideal Konzertopener, flott und auf den Punkt und total nach Cheap Trick klingend. Bereits hier fällt jedoch der arg trocken produzierte Sound auf, der mit persönlich nicht so ganz zusagt, gehört zu einer schmissigen Melodicrockscheibe für mich doch immer ein richtig fetter Sound anstatt einer eher abgespeckten Klangausstattung.

Etliche Songs stellen textlich eine Art Vergangenheitsbewältigung ihrer kurzen Megastar-Zeiten zu Beginn der 90er dar, als da wären das schmissige "Back In The Day", "Rockstar" oder "Autograph", alles jedoch mit einem Augenzwinkern unterlegt. 

Auf "Peace Out" befinden sich auffallend viele Uptemponummern, die durchwegs ein hohes Niveau aufweisen. Ein Blick ins Booklet gibt zu verstehen, dass es sich offenbar zum Großteil um Lieder aus vergangenen Jahren handelt, denen der letzte Schliff verpasst wurde um 2015 letztlich veröffentlicht zu werden.

Die Kuschelrockfraktion kommt lediglich bei "On The Bright Side" und beim abschließenden bombastischen "Leave The Light On" auf ihre Kosten, ansonsten regiert die rockige Fraktion.

Bis auf das doch recht lasche und mit einem schwachen Refrain ausgestattetet "You and Me" kann ich keinen richtigen Füller ausmachen, andererseits gibt es auch keinen wirklichen Übersong auf "Peace Out".

Nichtsdestotrotz macht die Scheibe Spass und ist die ideale Einstimmung auf einen hoffentlich tollen Sommer.

Glaubt man den Angaben im Booklet, so könnte die vorliegende Scheibe die letzte Nelson-Scheibe überhaupt sein, aber ob da das letzte Wort gesprochen ist glaube ich persönlich ja noch nicht. Schade wäre es in jedem Fall.


Martin



Montag, 25. Mai 2015

Virgin Steele - Nocturnes Of Hellfire & Damnation



Band : Virgin Steele
Album : Nocturnes Of Hellfire & Damnation
Spielzeit : 79:34 Min.
Plattenfirma : Steamhammer / SPV
Veröffentlichung : 19.06.2015
Homepage : www.virgin-steele.com

Wertung : 8 von 10

Tracklist :
  1.  Lucifer's Hammer
  2. Queen Of The Dead
  3. To Darkness Eternal
  4. Black Sun - Black Mass
  5. Persephone
  6. Devilhead
  7. Demolition Queen
  8. The Plague And The Fire
  9. We Disappear
  10. A Damned Apparition
  11. Glamour
  12. Delirium
  13. Hymns To Damnation
  14. Fallen Angels

Was soll ich lange um den heissen Brei reden. Ich bin langjähriger Fan dieser fantastischen Band und hätte einer Fortsetzung des schwachen letzten Albums The Black Light Bacchanalia garantiert auch noch irgendetwas Positives abgewonnen. So sind wir Fans, was wir erstmal liebgewonnen haben...

Ich verpreche Euch aber, so objektiv wie möglich an die Sache heranzugehen. Wer noch nicht herausgefunden hat, worum es geht: Die Rede ist natürlich von Virgin Steele, dem Projekt eines begnadeten Mannes mit Hang zur Klassik und barbarisch-romantischen, altgriechischen Mythen und Mysterien. David DeFeis setzt diese musikalisch um und verspinnt teils kitschige Liebesgeschichten mit knüppelharten Gitarrenriffs und seiner mehrere Oktaven umfassenden Gesangsstimme. Das alles fast immer unter Einsatz seines mehr oder weniger präsenten Keyboards. So entstand seit der Veröffentlichung des ersten, selbstbetitelten Albums im Jahre 1982 ein Gesamtwerk, welches zu 80% Qualitätsmucke und tolle, dramatische Songs mit hohem Wiedererkennungswert enthält.

Die restlichen 20% erhielten wir Fans leider vor allem mit den beiden letzten Alben. Visions Of Eden und vor allem The Black Light Bacchanalia enttäuschten viele Anhänger ob ihrer kalten, nahezu sterilen Produktion und Atmosphäre. DeFeis' Gesang ähnelte in dieser Phase eher einem maulkorbtragenden, altersschwachen Dackel als einem kraftstrotzenden, hungrigen Wolf der nichts anderes will als seine Beute zu packen.

Nun liegt Nocturnes Of Hellfire & Damnation entpackt auf meiner Festplatte und ich jauchze vor Glück. Die Band besteht neben ihrem Mastermind aus Edward Pursino an der Gitarre, Josh Block am Bass und Frank Gilchriest* am Schlagzeug. Die Vier haben dankenswerterweise einen Riesenschritt in die richtige Richtung (nämlich zurück) gemacht und knallen mir soeben den furiosen Opener Lucifer's Hammer um die Ohren. Mr. DeFeis hat seine verlorengeglaubten Eier wiedergefunden, das wird gleich klar. Das Schlagzeug hört sich wieder an wie ein echtes Schlagzeug und nicht mehr wie eine Bontempiorgel. Bratzgitarren statt zurückhaltendem Gezupfe...hach wie schön das Leben doch ist. Das Ganze erinnert mich zaghaft an selige Invictus-Zeiten in rauh produziert. Ja, mir scheint fast, dass der gute David den Spies einfach mal umgedreht hat um sämtlichen Kritikern eins auf die Fresse zu geben.

Doch damit nicht genug, neben erwähnter Anlehnung an die Invictus / House Of Atreus I+II Phase kommt mit Black Sun - Black Mass ein Song ans Tageslicht, der vielleicht dem einen oder anderen Fan bekannt vorkommen dürfte. Black Mass hiess der Opener einer ziemlich obskuren Death-Metal Platte, die DeFeis alias "Damian Rath" 1985 mit seinem Exorcist Sideprojekt intonierte. Nightmare Theatre wird bei Discogs derzeit ab 35,-€ gehandelt.


Zurück zu Nocturnes Of Hellfire & Damnation. Der Querschnitt des Albums ist erstaunlich rauh und heavy ausgefallen. We Disapper groovt anfangs ungewohnt riffbetont daher, bevor ein wunderschöner Mittelteil diese Stimmung ablöst. Ed Pursino hat mehrere starke Auftritte, die in dieser Form ebenfalls vermisst wurden und David DeFeis' Gesang reicht teils gedoppelt oder gedreifacht, teils ohne technische Unterstützung an vergangene Zeiten heran. Das darauffolgende gesprochene A Damned Apparition verweist an selige Invictus-Zeiten, was für viele Anhänger dieser Band Balsam für die Seele gleichkommen wird...

Die Neue kommt in drei verschiedenen Versionen und Artworks auf den Ladentisch. Wer mich kennt weiss, wie ich zu diesem Thema stehe, aber egal. Die vorliegende Rezension entspricht bezüglich der Trackliste sowohl der 2LP- (blaues Vinyl), als auch der CD-Version im Jewelcase. Die LPs kommen inklusive einer CD, soweit ich das erkennen kann aber nicht inklusive der Bonustitel. Die CD-Digipak-Version wird diese Bonus-CD enthalten, über die ich an dieser Stelle nicht berichten kann, da nicht vorhanden. Was ich ebenfalls schlecht beurteilen kann ist die Produktion bzw. Soundqualität. Ich höre mir sämtliche Musik eigentlich auf einer halbwegs vernünftigen Stereoanlage an und muss in diesem Fall einer Sounddatei lauschen, die ich mir auf einen CD-Rohling gebrannt habe. Ehrlich gesagt bin ich eher enttäuscht als zufrieden. Das Ganze kommt ein wenig muffig und drucklos herüber, was aber umständehalber mit Vorsicht zu geniessen ist. Schade, aber nicht zu ändern.

Warten wir also auf den 19.Juni und lehnen uns bis dahin entspannt zurück. Alles in Allem knüpft Nocturnes Of Hellfire & Damnation erfreulicherweise wieder an bessere Zeiten an und bedarf einiger Durchläufe um es komplett zu entdecken.

Ich lausche derweil noch den letzten Sekunden der entspannten Schlussnummer Fallen Angels und vergebe gute acht Punkte für ein starkes "Comeback".


Bernd Fischer

* laut Info-Text ist Frank Gilchriest der Drummer. Frank Gilchriest jedoch streitet dies ab. Sobald Klarheit besteht, korrigieren wir unseren Text.

Sonntag, 24. Mai 2015

Pig Irön - Sermons From The Church Of Blues Restitution


Band: Pig Irön
Album: Sermons From The Church Of Blues Restitution
Spielzeit: 50:18 min.
Plattenfirma: Off Yer Rocka
Veröffentlichung: 27.03.2015
Homepage: www.facebook.com/PIGIRONMC

Wertung: 6 von 10



Tracklist:

1. Wildcat Birdhead
2. One Million Mega Hurts
3. One Final Kiss
4. The Spell
5. The Devil In The Woodpile
6. Come To Me

7. High As A Pine
8. Tapestry
9. Take Your Burden To The Lord
10. Restitution Blues


Sehr lange Zeit habt ihr hier auf unserer Seite nicht mehr wirklich viel neuen Lesestoff bekommen. Dafür möchte ich mich entschuldigen, doch nun bin ich seit 3 Wochen in meinem neuen Job tätig und der Umzug ist auch endlich hinter mir. Damit habe ich wieder Zeit mich für euch mit guter Rockmusik zu beschäftigen. Und möchte euch gleich mal einiges zu einem bodenständigen erdigem Rockalbum erzählen.

Die Rede ist von PIG IRÖN und derem neuen Album mit dem endlos langen Titel "Sermons From The Church Of Blues Restitution". Was auf dem Cover stark nach 80er Jahre Heavy Metal aussieht, entpuppt sich als Classic Rock mit leichten Southern Rock Einschüben. Beim ersten Hördurchgang sind bei mir dann auch die Mundwinkel stark gen Himmel gewandert. Toller Sound, die Band versteht ihr Handwerk und der Opener "Wildcat Birdhead" weiß mit einem schönen lässigen Riff zu gefallen. Leider fehlt mir dann der griffige im Ohr bleibende Refrain. Egal, dachte ich mir. Einfach weiter, klingt ja vielversprechend. "One Million Mega Hurts" legt vom Härtegrad eine Schippe drauf und reißt mich dann mit seiner Energie auch wirklich mit. Als dann mit "One Final Kiss", um es gleich vorweg zu nehmen, das absolute Highlight des Albums meinen Ohren schmeichelt und nach über 6 Minuten dies noch immer tut, fühle ich mich fast dazu verführt von einem Rockjuwel zu sprechen. 

Wie ihr euch aber sicher denken könnt, kommt nun das große Aber. Denn die restlichen sieben Songs haben allesamt das gleiche Problem wie der Opener "Wildcat Birdhead" - es bleibt auch nach zigmaligem Hören einfach nichts hängen. Natürlich haben PIG IRÖN nicht alles auf einmal verlernt aber das Songwriting ist ein großes Problem bei den Briten. Live könnten einige der Stücke sogar krachen, auf Schillerscheibe tun sie es leider nicht. Durch das leichte Classic Rock Revival momentan sehen sich PIG IRÖN auch einer relativ großen und qualitativ guten Konkurrenz gegenüber und genau diese Duelle verlieren die Briten spätestens im Elfmeterschießen. Stücke wie die folkige Ballade "The Spell", das siebenminütige "Come To Me" haben zwar alle gute Momente zu bieten, können diese aber alle nicht über die gesamte Spielzeit halten. Und wenn man die sich doch ziemlich ähnelnden Gitarrenläufe zum siebten Mal hört, schalte ich zumindest manchmal glatt ab und lasse das Album völlig an mir vorbei laufen.

Als Hintergrundmusik bei einem Biker Treffen ist die Scheibe aber durchaus geeignet und zwei klasse Songs haben sich auch darauf verirrt. Viel mehr ist "Sermons From The Church Of Blues Restitution" dann für den geneigten Rocker nicht. Fans von BLACK LABEL SOCIETY, die dringend was für Ihre Anlage benötigen, dürfen aber gerne reinhören.


Markus