Donnerstag, 24. April 2014

BDL - Retribution



Band : BDL
Album : Retribution
Spielzeit : 46:36 Min
Veröffentlichung : 31.01.2014
Plattenfirma : A1 Records
Homepage : www.blues-deluxe.de

Wertung : 7 von 10

Trackliste :
  1. Retribution
  2. Nowhere Else To Go
  3. Blues in D-Flat
  4. The Hard Way
  5. Still Breathing
  6. Bitter Man
  7. Storm Is Coming
  8. Help Me
  9. I Don't Care
  10. Never Going Back
  11. The Ballad Of John Henry

Hoppala. Da kommt aus heiteren Himmel die CD einer unbekannten Band auf meinen Tisch geflattert, die ich jedoch erstmal zur Seite lege, um mich vermeintlich wichtigeren Scheiben zu widmen. Ein paar Tage später ist mein freier Tag, ich habe nix zu tun...also höre ich mal rein in die Scheibe. Und siehe da, welch Überraschung, das Ding rockt...

BDL heissen die Fünf, kommen aus Duisburg und legen mit Retribution ihr Erstlingswerk vor. Die Jungs haben ihren alten Bandnamen einfach abgekürzt, hiessen in Anlehnung an das dritte Album des Mannes, dem sie lange Zeit in Form einer Coverband huldigten, Blues Deluxe
So erstaunt es sicher niemand, dass sich auf Retribution mit The Hard Way und The Ballad Of John Henry gleich zwei Coverversionen aus dem großen Repertoire Joe Bonamassa's tummeln.. 

Wer jetzt denkt, er hätte es mit einer reinen Bluesband zu tun, noch dazu mit einer, die blindlings im Schatten eines übergroßen Idols agiert, irrt sich gewaltig. BDL haben diese Fesseln spätestens mit der Namensänderung abgeworfen und in Gitarrist und Sänger Dennis Eminger einen ganz feinen Songwriter an Board. Eminger, dessen Vater Jochen (Bass) ebenfalls in der Band spielt, hat den Grossteil des Songwritings zu verantworten, zwei Stücke sind in Zusammenarbeit mit Georg Mahr (Keyboard) entstanden. Herausgekommen ist eine mehr als passable Mischung aus Eigenkreationen und genannten zwei Covertracks.

BDL leugnen ihre Wurzeln erfreulicherweise nicht, der Opener und Titelsong macht sofort klar dass bluesbasierter Rock das ist, was den Jungs am Herzen liegt. Retribution ist ebenso wie das pumpende Nowhere Else To Go eine geerdete Midtemponummer mit wunderschöner Gitarrenarbeit und charismatischem Gesang. Dennis Eminger, und das ist das Schöne an der Platte, fällt mir in keinem Moment als nicht-Muttersprachler auf. Wie oft hat es mich schon genervt, dass man vielen deutschen Sängern mit jeder Silbe anmerkt, wie unsicher sie sich auf dieser Bühne bewegen. Nicht so Eminger, zumindest fällt es mir nicht auf.

Es folgt die Feststellung, dass sämtliche Bandmitglieder ihr Handwerk nicht nur gelernt, sondern offensichtlich auch verinnerlicht haben, ich als nicht-Musiker kann jedenfalls keinen Ansatz zur handwerklichen Kritik finden. Die Platte wächst Stück für Stück, besonders die Momente, wo das bereits gelobte Songwriting Dennis Emingers gnadenlos zuschlägt, begeistern mich. So besticht das erste Highlight der Platte, The Hard Way, nicht nur mit absolut stimmigem Timing, sondern mit einem sensationellen Chorus, der direkt in den Gehörgang geht um dort zu bleiben.

Ein kleiner Anlass zur Kritik wäre die Produktion der Scheibe. Mich hätte eine etwas straffere, kraftvollere Herangehensweise vielleicht noch einen Funken mehr begeistert. Ein wenig mehr Emotion in der wirklich tollen Stimme Emingers, ein paar Prozent mehr Dampf auf der Snare, die Handbremse aller Musiker einfach mal los- und die Sau rauslassen, wer weiss was alles möglich gewesen wäre. Klangtechnisch wirkt Retribution phasenweise ein wenig altbacken, zumindest meine ich, gelegentlich einen Wattebausch in den Ohren zu haben... 

Auf der anderen Seite gibt es unerwartet viele Momente in den 46 Minuten, dass es nahezu unumgänglich ist, die Platte mehrfach zu hören. Ob Still Breathing mit wunderbarer, an Mark Knopfler erinnernder Gitarre, das treibende Bitter Man oder das nächste Highlight Storm Is Coming, stets merkt man der Band das unbändige Potential an, welches nur darauf wartet, entfesselt zu werden.
I Don't Care erweckt den Eindruck, die Fabulous Thunderbirds hätten kurz Hallo gesagt, bevor die ganz starke Ballade Never Going Back noch einmal auf beeindruckende Weise beweist dass Dennis Eminger es wirklich drauf hat, starke Songs zu schreiben. Ich kann für uns alle nur hoffen, dass er da am Ball bleibt.



Zwei Songs fallen in meinen Augen etwas zurück. Zum einen Blues in D-Flat und zum anderen Help Me, in beiden Fällen lupenreine Blues. Beide Nummern passen irgendwie nicht in den ansonsten eher rockigen Kontext der Platte. Im Falle von Blues in D-Flat kommt hinzu, dass der Song einfach zu lahm und verkrampft wirkt. Zwar sticht in beiden Fällen die sonst sehr zurückhaltende Orgel im Zusammenspiel mit der Gitarre positiv hervor, trotzdem will es irgendwie nicht zünden. 

Die Schlussnummer The Ballad Of John Henry sehe ich eher als Bonus an, passt dieses ansonsten sehr gelungene Bonamassa-Cover doch so überhaupt nicht zum Rest der Platte. Ich finde es allerdings absolut ehrenwert wie BDL die Nummer entfremdet und ihr einen ganz neuen Anstrich verpasst haben. Selbst wenn ich der Meinung bin, dass ein mit elektronischen Zutaten versehender Song auf ein ansonsten mit natürlichen Instrumenten eingespieltes Album irgendwie nicht so recht passen möchte, gefällt mir der Song sehr gut. Wie gesagt, nicht viele hätten die Eier gehabt den Song dermaßen zu verändern...Hut ab.

Was bleibt ? 

BDL haben, wenn sie ihren Weg konsequent verfolgen, das Potential, eines Tages ein Hammeralbum vorzulegen. Momentan möchte ich noch nicht davon sprechen, aber die Band ist mit Retribution trotz einiger Haken und Ösen auf einem verdammt guten Weg.

7 fette Punkte. Basta.


Übrigens, in den nächsten Tagen dürft Ihr Euch auf ein Interview mit BDL-Frontmann Dennis Eminger freuen. Wir sind bereits gespannt, was er uns alles zu erzählen hat...


Bernd Fischer

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