Sonntag, 7. Dezember 2014

Tom Fuller Band - Freedom



Band : Tom Fuller Band
Album : Freedom
Spielzeit : 39:28 Min.
Veröffentlichung : 28.11.2014
Plattenfirma : India Media Group / Rough Trade
Homepage : www.tomfullerband.com

Wertung : 7 von 10

Trackliste:

  1. Roller Coaster Free Fall
  2. Lonely Man
  3. Freedom
  4. 1+1
  5. Bring Me Down
  6. Fat Boy
  7. Sweet Dreams
  8. Jurisdiction
  9. Sidewinder
  10. Highest Mountain
  11. I Will Always Think About You

Eine richtig gute Platte vorschnell in die falsche Ecke zu stellen, wem ist das noch nicht passiert ? Man hört sich durch eine an sich schöne Scheibe, hat aber einen schlechten Tag, Brassel ohne Ende oder es ist einem in dem Moment schlichtweg nach anderer Mucke...schon landet das Teil im Regal, wird vergessen und taucht Jahre später, völlig verstaubt, wieder auf, um seinen Glanz endlich verbreiten zu dürfen.
Freedom, die aktuelle Scheibe der Chicagoer Tom Fuller Band hat dieses Potential zweifelsohne. Fuller schafft es immerhin mit einer einzigen Nummer, Leuten, die beim Gedanken an schmalzig-klebrige Nummern der Marke Lemon Tree und Konsorten Gänsehaut bekommen, regelrechte Panikattacken aufs Hühnerfell zu jagen. Mir so geschehen beim ersten Freedom Testdurchlauf. 1+1 heisst die grenzwertige Nummer der Scheibe und jetzt mal ganz ehrlich, wer kann bei fröhlich-debilem "gib-mir-Deine-Hand-wir tanzen-jetzt-den-Regenbogen-hinauf-ins-Glück-Ringelpitz..." Schmonsens der Gattung Hanni und Nanni meet F.R.David (remember WORDS?) denn wohl ruhig bleiben ? So ein, sorry, Schwachsinn, ist mir schon lange nicht mehr in die peinlich berührte Stereoanlage geraten. Ein Wunder dass der Player seinen Dienst nicht quittiert hat. Hartnäckig wie ich aber eben bin, widerstand ich sämtlichen natürlichen Reflexen und wurde erneut (die Freejazz Platte von Herrn Simmons neulich war bestimmt auch so ein Testballon aus der Chefetage) belohnt. 



DAS, werte Leser, war es dann aber auch schon mit den Ausrutschern des Tom Fuller. Warum er das getan hat, ich weiss es nicht, doch Freedom zeigt sich vor und nach Titel Nummer vier absolut hörenswert und tiefgründig. Fuller kommt zwar aus seinem angestammten Habitat, dem poppig angehauchten Rock, nie so wirklich heraus, doch wenn jemand das gut kann, dann er bzw. seine Band und er. Die Musik wankt und schwankt irgendwo zwischen dem Erbe einer gewissen Band aus Liverpool namens The Beatles, und einem melancholisch leidigen Tom Petty. So könnte Roller Coaster Free Fall ernsthaft eine Nummer der Fab Four, hätten sie das Zeitliche eben nicht gesegnet, sein. Der Gesang Fullers erinnert mich hingegen immer wieder ein wenig an Herrn Petty, ohne jedoch dessen einzigartig-intime Tiefe zu erreichen. 

Die Schönheit der Scheibe liegt denn auch in der unverfänglichen Stimmung der Songs begründet, Fat Boy, eine kernige Bikerhymne hat richtig Mumm in den Knochen und lässt die Zügel locker, während viele andere Momente der Platte an sich eher leichtbekömmlich sind. Wer also Bock drauf hat, eine richtig gute Alternative zu Bryan Adams oder Bon Jovi kennenzulernen, liegt hier goldrichtig. Die harten Mädels und Jungs unter Euch greifen wohl eher anderweitig zu. 
Ganz nebenbei hat Mr.Fuller dem Album noch ein Konzept aufgedrückt. Die Idee hinter der Clowngeschichte ist die "Sideshow", eine Geschichte über eine Untergrundgruppierung mehrerer Clowns, die vom "Ringmaster", den Fuller höchstpersönlich in der Kette diverser Videos, die für Freedom entstanden, verkörpert. Wer auf solche Geschichten steht, wird seine helle Freude daran finden, mein Ding ist das eher nicht.

Für mich zählt die Musik, uind die ist auf Freedom durch die Bank gelungen, auch wenn ich persönlich eher auf rauhere Sounds stehe. Meine Highlights sind das angesprochene Fat Boy und das darauffolgende Jurisdiction mit seinem entspannt-mitreissenden Swing, der uns im hinteren Drittel sogar ein kurzes aber schönes Gitarrensolo gönnt.



Bernd Fischer

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