Dienstag, 12. März 2013

Long Distance Calling - The Flood Inside



Band: Long Distance Calling
Album: „The Flood Inside“
Spielzeit: 55:27
Plattenfirma: Superball Music/ EMI
Veröffentlichung: 01.03.2013
weltweites Netz:


WERTUNG: 9 von 10

Trackliste:
1. Nucleus (7:13)
2. Inside The Flood (6:42)
3. Ductus (6:48)
4. Tell The End (5:59)
5. Welcome Change (7:09)
6. Waves (6:39)
7. The Man Within (6:35)
8. Breaker (8:13)



Long Distance Calling sind die Könige der Schwermut. Und das bleiben sie auf “The Flood Inside”. Getragener Weltenschmerz, großartig vertont. Die Münsteraner haben mit Martin Fischer einen vocalistischen Neuzugang, ein Novum der bisher allein instrumental arbeitenden Progressive – Rocker. Zu hören ist das auf 4 der 8 Titel des Albums. Das hier vorliegende mittlerweile  4. Studioalbum  ist erneut ein beindruckendes Werk der deutschen Band geworden  und ihr Bestes bislang. Es hebt  dich, vergleichbar wie gute Pink Floyd /Anathema, behutsam aus einem Alltagmoment  und trägt dich ein Stück weit fort auf einen langen Ausflug, vorbei an Landschaften, die wie Aquarelle an dir vorüberziehen. Die beiden Gitarristen schaffen dies im Wesentlichen durch den bandtypischen Sound der durch verwobene und häufig  sehr dichte Tonstrukturen geprägt wird, die dennoch manchmal fast zerbrechlich und grazil wirken.
Sie sagen über sich selber: „ Wir haben uns von Anfang an keinen musikalischen Bestimmungen
unterworfen, was man als Instrumental-Band machen darf. Wenn einer Regeln macht - dann wir.“
Long Distance Calling sind folgende Musiker:

Gesang, Keybords:   Martin Fischer (seit 2012)
Gitarre:  David Jordan
Schlagzeug:  Janosch Rathmer
Gitarre: Florian Füntmann
Bass: Jan Hoffmannn

Das 55minütige Werk wird durch den 7 -minütigen  Instrumentaltitel“ Nucleus“, ein grandioses Paradigma der hauseigenen Stilkunde eröffnet.  Eine fragile Spedition zunächst vorsichtig ins Spiel geworfener Riffstrukturen, die sich zu einem Sommergewitter aufschaukeln. 
Der folgende Titelsong bricht die Melodik  zunächst und verzweigt durch Tempiwechsel und Breaks. Fast schon jazzartige Einwürfe, wirkt zerrissen,  allerdings ohne zerfahren zu sein. "Ductus"  hingegen wieder eine knapp 7 -minütige Enthebung in dynamische Stratosphären. 



Das witzig komponierte "Waves" besticht durch Stimmcollagen die aufgelöst werden in einer zusammenfliessenden aber dräuenden  Harmonie. Spannend!
“The Man Within“ (wieder mit Vocals)  ist das treibendste Stück der Platte, der abschliessende “Breaker“ ein fulminanter instrumentaler Tiefgänger der dem Prolog einen ebenbürtigen bombastisch ausgehenden Endpunkt zu setzen weiß.
Kopflastiges Kino, welches nicht in die Hose rutscht, das zeichnet „The Flood Inside", zudem facettenreich und handwerklich erstklassig eingespielt.  Eine klare Neun – Punkte – Bewertung.

Ich durfte unlängst ein Konzert der Band zur aktuellen Tour goutieren und ich kann nur jedem ambitionierten Rockmusikfreund, der an Musik in Breitwandformat nicht vorbeikommt  empfehlen, dies mir wenn irgend geht,  gleichzutun. Magisch!

Stephan Schneider


Sonntag, 10. März 2013

Stryper - Second Coming

Band: Stryper
Album: Second Coming
Spielzeit: 69:31 min.
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 22.03.2013
Homepage: www.stryper.com


WERTUNG: 9 von 10

Tracklist:

1. Loud 'N' Clear
2. Loving You
3. Soldiers Under Command
4. Makes Me Wanna Sing
5. First Love
6. The Rock That Makes Me Roll
7. Reach Out
8. Surrender
9. To Hell With The Devil
10. Calling On You
11. Free
12. The Way
13. Sing Along Song
14. More Than A Man
15. Bleeding From The Inside Out
16. Blackened

Der Teufel ist echt eine arme Sau und so langsam bekomme ich Mitleid mit dem Kerl! Andauernd muss er sich gegen die terroristischen und diktatorischen Arschkrampen profilieren, welche die Welt in Atem halten, und nun kommen ausgerechnet alte Bekannte wieder, musikalisch zurück, um ihm mit ihren Songs den Garaus zu machen. Der "Gute" ist echt im Streß!


Die Bibelwerfer, im Biene Maja Outfit, werden ihrem Widersacher so einige musikalische Fausthiebe verpassen, die ihm nicht schmecken werden. Mir umso mehr! Denn STRYPER servieren uns mit "Second Coming" ein sehr tolles Album, welches zwar kaum neues Material bietet, aber im neuzeitlichen Gewand hervorragend klingt. Mit "Second Coming" zeigt sich die Band in beeindruckender Form und dürfte viele alte Fans glücklich machen und neue dazu gewinnen.

Die Formation, um die Gebrüder Sweet, sorgte - besonders in den US of A in den '80er Jahren - aufgrund ihres Images und Outfits für aufsehen. Es kam halt auch vor, dass auf den Konzerten in den Pausen zwischen den Songs, einfach mal Bibeln ins Publikum geworfen wurden. Für solche Aktionen wurden sie von Kritikern und Rockfans oft belächelt. Nötig hatten die vier Jungs es eigentlich nicht, denn sie spielten (spielen heute noch) knackigen US Heavy Rock mit perfekt arrangierten (teils bombastischen) Chören, grandiosen Hooklines und waren (sind) technisch verdammt versierte Musiker.

Die "Süßen" Brüder Michael (Gesang und Gitarre) und Robert (Schlagzeug), Oz Fox (Gitarre) und der vor einigen Jahren zurückgekehrte Timothy Gaines (Bass) haben 14 Bandklassiker neu eingespielt und kredenzen uns noch zusätzlich 2 neue Tracks. Dabei fokussieren sich die Christen Rocker auf ihre sehr erfolgreiche Frühphase und präsentieren uns Songs von den ersten drei Veröffentlichungen.

Das erste, was mir positiv aufgefallen ist, ist der Gesang von Michel Sweet. Es ist kein Wunder, dass sich die Ex Dokkies George Lynch & Co., die Dienste des Fronters, für ihre 2013 Liveaktivitäten gesichert haben. Michael ist so gut bei Stimme wie zu seinen besten Zeiten. Da sitzt noch jeder Ton und jeder Schrei. Sehr geile Gesangsperformance, die der Herr abgeliefert hat!

Die Jungs haben den Songs eine kleine Frischzellenkur verpasst, was den Nummern unwahrscheinlich gut zu Gesicht steht. Die Kracher "Loud 'n' Clear“, "Soldiers Under Command“, "Reach Out", "To Hell With The Devil“, "Surrender" und "More Than A Man“ klingen wie zeitgemäßer Heavy Rock klingen soll und muss! Jeder Track knallt wuchtig und frisch aus den Boxen. Hier und da wurden leichte Modifikationen an den Chorus Passagen vorgenommen, teilweise klingen sie noch fetter als in der Vergangenheit.
Ansonsten halten sich die Musiker sehr an die ursprünglichen Versionen. Dadurch ist jede einzelne Song unverkennbar STRYPER.

"Bleeding From The Inside Out" ist die erste neue Nummer und hat einen starken Classic Rock Anstrich. Der Track ist im Midtempo angesiedelt und verfügt über einen wuchtigen, leicht düsteren Grundrhythmus und wirkt dadurch ungewohnt heavy. Besonders gelungen ist die exquisite Gitarrenarbeit und der Song wächst von Durchgang zu Durchgang. STRYPER typisch ist hingegen "Blackened" ausgefallen. Hier passt einfach alles und erinnert an vergangene Tage. Flinke Riffs, fette Chöre und einen Michael Sweet in Bestform, inklusive Screams. Spaß pur und genau so möchte ich die Jungs hören! Klasse Abschlussnummer.

"Second Coming" bietet - außer die letzten 2 Songs - nichts neues, überzeugt mich aber auf ganzer Linie! Das Material klingt einfach schön heavy, frisch und zeigt STRYPER von ihrer besten Seite. Nicht jede Band schafft es Songs, die inzwischen fast 25 bis 30 Jahre alt sind, soviel Power und neues Leben einzuhauchen.

Diese erstklassige Leistung wird mit 9 Bibelstunden (optional 9 Ave Maria's am Rosenkranz) belohnt!

Götz



W.E.T. - Rise Up


Band: W.E.T.
Album: Rise Up
Spielzeit: 46:51 min.
Plattenfirma: Frontiers Records
Veröffentlichung: 22.02.2013
Homepage: 
www.facebook.com/TheBandWET


WERTUNG:  9 von 10



Tracklist:

01. Walk Away
02. Learn to Live Again
03. Rise Up
04. Love Heals
05. What You Want
06. The Moment
07. Bad Boy
08. On The Run
09. Broken Wings
10. Shot
11. Still Believe In Us
12. Still Unbroken



Nach ihrem 2009er Debut, welches die Melodic-Welt gehörig durchrüttelte, hoffte man, dass die Jungs von W.E.T. (bezeichnend die Initialen der Herkunfts-Bands der Hauptmitglieder: Work Or Art, Eclipse sowie Talisman) nicht nur das erwartete Projekt aus dem Hause Frontiers darstellen. Tourmäßige Aktivitäten  war leider nicht zu verzeichnen, aber welche Melodicrockband kann derzeit schon kostendeckend touren? Trotz der pausenlosen Arbeit der vollbeschäftigten Jungs um Jeff Scott Soto  kommt nun gut drei Jahre nach dem Debut das Nachfolgewerk "Rise Up". Und es hat sich nicht wirklich viel verändert. W.E.T. stehen auch 2013 für kraftvollen, gediegenen Melodicrock mit Anleihen bei so mancher Genregrösse aber ohne in allzugroßem Umfang zu klauen. "Walk Away" könnte man sich durchaus als Journey-Track mit Jeff am Mikro vorstellen. Leider wurde er ja von Egozentriker Schon aus der Band gekickt, nunja Pech für Journey, denn so einen Song hatten sie auf ihren letzten beiden, eher durchwachsenen Alben leider nicht im Gepäck. "Learn To live Again "(siehe Video) bietet ein atemberaubendens Vocal-Duett zwischen JSS und Hauptsongwriter Erik Martensson, ehe der hymnische Titelsong einen in die Melodic-Glückseligkeit schießt. Drei Treffer in Folge also. 

Doch das hochklassige Niveau reißt nicht ab: "Love Heals" erinnert etwas an "Love Bites" der tauben Leoparden, eine ebenso bombastische Breitwand-Mega-Ballade wie aus Sheffield. "What You Want" ist dann eher wieder eine smoothe AOR-Nummer, nicht ganz so stark wie die ersten vier Songs, aber mit Soto am Mikro wird auch das Stück zu einem Treffer. "The Moment" zieht den Härtegrad und das Tempo wieder leicht an, was beim nachfolgenden "Bad Boy" nochmals ein paar km/h vorangetrieben wird. Der Sound ist mir an manchen Stellen vielleicht etwas zu glatt, ein paar Ecken und Kanten wären vielleicht noch besser gewesen. 
Die Kommentare auf manchen einschlägigen Seiten, dass der Sound einen "Loudness War" ala "Death Magnetic" darstellt, kann ich absolut nicht nachvollziehen und stammt wohl von denen, die sich das Teil illegal als minderwertige mp3-Kopie gezogen haben. Der Sound ist astrein! Das wieder in etwas langsamerem Tempo gehaltende, leicht schleppende "On The Run" lebt von seinen mehrstimmigen Chören sowie einmal mehr von Weltklasse-Shouter Soto. "On Broken Wings" zeichnet sich durch sein den ganzen Song durchziehendes Hauptriff aus, "Shot" ist eine typische Martensson-Nummer, vielleicht manchmal ein bisschen zu schablonenhaft , aber immer auf hohem Niveau seine Songwriterkunst. Ballade Nr. 2 auf "Rise Up" heisst "Still Believe In Us" und steht "Love Heals" in Nichts nach, im Gegenteil, eine kitschfreie Schmusenummer höchster Güte. Der Rausschmeisser "Still Unbroken" ist nochmal eine flotter Abgehtrack.

Fazit: Melodicrock ist allen Unkenrufen zum Trotz nicht totzukriegen. Nach vielen eher lauwarmen Veröffentlichungen in letzter Zeit (nicht nur aus dem Hause Frontiers) ist "Rise Up" endlich einmal wieder eine gänzlich überzeugende Angelegenheit geworden. Die Truppe sollte lediglich auf dem Livesektor etwas aktiver werden, aber das ist wohl leichter gesagt als getan, wenn man sich die Terminpläne von JSS alleine ansieht. Lockerst 9 Punkte wert. 


Martin



Heaven's Basement - Filthy Empire


Band: Heaven's Basement
Album: Filthy Empire
Spielzeit: 45:19 min.
Plattenfirma: Red Bull Records
Veröffentlichung: 02.02.2013
Homepage: heavensbasement.com




Wertung:  10 von 10


Tracklist: 

01. Welcome Home
02. Fire, Fire
03. Nothing Left To Lose
04. When The Lights Go Out In London
05. I Am Electric
06. The Long Goodbye
07. Heartbreaking Son Of A Bitch
08. Be Somebody
09. Can’t Let Go
10. The Price We Pay
11. Jump Back
12. Executioner’s Day 



Als ich mich neulich mit Kollege Götz in einer unserer groß angelegten Redaktionskonferenzen in der Firmenzentrale (ok ich gebs zu: Chats auf Facebook) über den bisherigen Stand der Veröffentlichungen anno 2013 austauschten, kamen wir irgendwann zu dem Schluss, dass die absoluten Knallerveröffentlichungen irgendwie immer rarer werden. Götz hatte mittlerweile das Glück, ein paar Highlights für sich entdeckt zu haben (z.B.  Snakecharmer - Review siehe hier) , meine Reviews bewegten sich bis dato immer im Bereich 7-8, also recht gut aber auch nicht der absolute Überhammer dabei. Just zu dem Zeitpunkt als ich schon "früher war eben alles besser" sagen wollte, kommen Heaven's Basement mit ihrer ersten Langrille ums Eck gebogen und strafen mich gehörig Lügen. "Filthy Empire" ist derart gut geworden, wie ich es von einer jungen, relativ neuen Band schon lange nicht mehr gehört habe. Die Jungs sind schon seit Jahren aktiv und hatten in der Vergangenheit erhebliche Probleme mit der Besetzung, vor allem am Mikro. Sie touren landauf landab und spielen sich den Hintern wund, haben es aber nur bislang zu ein paar Ep's gebracht. Die erste full-length CD war also mehr als überfällig und getreu dem Motto "was lange währt wird endlich gut" liegt nunmehr das erste Langeisen der sympathischen Engländer vor. Untergekommen sind die Jungs bei Red Bull Records, also ein relativ junges Label mit gehöriger Finanzkraft dahinter. So wurde das Album auch in sunny California eingespielt und nicht per Tausch irgendwelcher Internet- Dateien hin und her, wie es heutzutage doch häufig der Fall ist. Die Aufmachung der Scheibe ist top, schickes Digipack mit großformatigem Poster und den Lyrics auf der Rückseite (was als separates Booklet m.E. etwas besser gewesen wäre aber ok). Der "parental advisory - explicit content" Hinweis ist leider aufgedruckt und verunstaltet das schicke Cover, aber das sind dann auch schon die einzigen marginalen Kritikpunkte, die ich bei der Scheibe anzubringen habe. Hier wird von Anfang bis Ende durchgerockt was das Zeug hält. Der uneheliche Sohn von Skid Row anno Debut-Album und alten Guns N' Roses gepaart mit einem Schuss Moderne und einem jugendlich frischen Elan sowie ein Prise Punk und fertig ist eines der besten Debutalben seit langem. 

Mit "Welcome Home" wird die Richtung vorgegeben, die einen die nächste dreiviertel Stunde erwartet. Aaron Buchanan am Mikro hat das gewisse Etwas, er kann sowohl sanft mit klarer Stimme singen als auch richtig aggressiv schreien (das mag manchem etwas zu oft der Fall sein aber passt vorzüglich zur Mucke)als wäre Sebastian Bach wieder in der Forma von 1989. "Fire Fire" hat mir Gitarrist Sid Glover beim Halestorm Konzert in München letzten Oktober (das beste Konzert 2012, bei dem die Jungs das Vorprogramm bestritten haben) gegen Austausch von 2 Euro in bar als Maxi in die Hand gedrückt. Wenn der Junge mal Weltstar ist, werde ich mich da sicher nochmal besonders dran erinnern. Wer den bisherigen Song des Jahres sucht, der wird mit "Nothing Left To lose" fündig. Das Lied hat alles, was das Herz eines (Hard-)Rockfans begehrt: Geiler Sound (wie überhaupt die ganze Scheibe von vorne bis hinten richtig knallt), Top Refrain und sogar ein gutes nicht unaufwendiges Video (s.u.). Hammersong. Meist ist es ja so, dass manche Truppen eben den einen Topsong im Gepäck haben, der Rest dann aber gehörig abfällt. Bei "Filthy Empire" wartet man da jedoch zum Glück vergeblich drauf. Gleich der nächste , etwas ruhiger angelegte Track "When the Lights Go Out In London", ist beinahe auf dem selben Niveau wie der vorherige Übersong. Das hektische "I am Electric" sprüht vor Energie, ehe einen  "The Long Goodbye" in seelige "Youth Gone Wild"-Zeiten zurückversetzt, Dies jedoch immer mit dem Schuss Frische und alles andere als altbacken klingend. Hätte es Grunge nie gegeben, wäre das genau die Art (Rock-)Musik, die es heute auch noch in die oberen Chartregionen  schaffen würde. "Heartbreaking Son Of A Bitch" könnte man sich auch auf "Appetite For Destruction" Version 2013 vorstellen:  punkig, lärmend, geil! 
Mit "Be Somebody" gibt es dann den ersten ruhigeren Track, bei dem die Jungs beweisen, dass sie auch in balladeskem Gewässer ihr Ruder fest in der Hand halten. Ebenfalls ein Top-Track mit Hitqualitäten. "Can't Let Go" dann wieder eine Hymne mit schönen 80's Chören, die knackig und locker aus der Hüfte geschossen jeder anderen Band des Genres zeigen, wo der Hammer hängt. Das ist wahrlich Referenzklasse. "The Price We Pay" ist dann eine mit Piano und Akustikklampfe untermalte, reine Ballade, die das schwindelerregende Qualitätsniveau ebenso halten kann wie die beiden Abschlusstracks "Jump Back" (wieder eine Hit-Hymne) sowie Executioner's Day (bekannt von der selbstbetitelten 2008er EP). Alles, was man nach Genuss dieser Scheibe will, ist den Repat-Button zu drücken und das Ganze wieder von vorne zu genießen.

Wie man lesen kann bin ich hellauf begeistert von der Truppe und wenn es im Rockgeschäft Gerechtigkeit gibt, dann sollte die Zukunft für Heaven's Basement golden sein. Verdient hätten sie es auf jeden Fall. Somit vergebe ich ohne Umschweife meine erste Höchstwertung des Jahres und hoffe, die Jungs mal wieder live zu sehen. Bald touren sie mit den Black Veil Brides durch unsere Breiten und im Sommer sind sie auf allen großen europäischen Festivals zu sehen. Wer die ganze Scheibe antesten will: Auf der Homepage wird sie derzeit kostenlos gestreamt.

Well Done Boys und weiter so!



Martin


Franke De Mille - Bridge The Roads






Interpret: Franka De Mille
Album: Bridge The Roads
Spielzeit: 43:09 Minuten
Veröffentlichung: 29.03.2013 
Plattenfirma: Chi Wara Musik / Soulfood
Homepage: www.frankademille.com


Trackliste:


  1. Come On
  2. Fallen
  3. Solo
  4. Gare Du Nord
  5. Birds
  6. You'll Never Know
  7. So Long
  8. Oh My
  9. Bridge The Roads
  10. Gare Du Nord - Unplugged
Wertung: 5 von 10

Schenkt man den Jubelarien diverser Musikmagazine glauben, dürfte Franka De Mille, britische Sängerin, Songschreiberin und Komponistin, DIE kommende Sensation der Folkmusik- bzw. Americana-Szene sein. Woher diese Euphorie stammt, ist mir persönlich (der ich mich für durchaus offen und tolerant halte) aber nur schwer verständlich.

Bei Bridge The Roads, dem in den UK bereits im Jahre 2010 veröffentlichten Debutalbum, handelt es sich um eine Platte die sich der Hörer schwer erarbeiten muss. Leichtgängige Melodiebögen oder gar Refrains zum mitträllern sucht man hier vergeblich, dies liegt sicherlich auch überhaupt nicht in der Absicht von Franka De Mille, die seit ihrem vierten Lebensjahr den Wunsch verspürte, eine Songschreiberin zu werden. Naja, denkt sich so manch einer jetzt sicher...das sind ja noch keine Kriterien die auf eine schlechte Platte schliessen lassen müssen. Stimmt auch, eine treue Kundschaft wird die Britin sicher trotzdem finden, nur eben weniger im Kundenstamm der Rock- bzw. Hardrockfans.  

Dabei liegt es aus meiner Sicht nicht am Songwriting welches Bridge The Roads so schwer verdaulich macht, es ist eher Franka De Mille selber. Die Frau hat wunderschöne Songs komponiert, von einer gewissen melancholischen Schwermütigkeit, sicher auch schon fast als düster zu bezeichnen...sie besitzt eine anmutige Stimme, zuckersüss und doch tonnenschwer. Die Sache ist, dass sie ihr Organ eben oft am Stück vorbei einsetzt, es mag Absicht sein, von mir aus auch absolutes Können, doch für mein Empfinden ist ihr Gesang viel zu sperrig und zu kompliziert. 

Wer trotzdem mehr erfahren möchte, sollte die Homepage (siehe oben) besuchen, dort können einige Songs angehört werden. 


Als Hörbeispiel möchte ich aber Gare Du Nord vorstellen. Hört einfach mal rein und bildet Euch eine eigene Meinung.  

Mir ist beim Anhören des Songs klar geworden dass es neben aller von mir geschilderten Punkten an einer weiteren Sache mangelt: Franka De Mille baut auf Bridge The Roads eine chansonesque Stimmung auf, zu dem die französiche Sprache einfach viel besser passt als die englische. Kaum bringt sie ihren Text im hinteren Drittel des Songs nämlich auf französich vor, passt alles zusammen und wird zu dem was mir halt besser gefallen hätte: Zu einer harmonischen Angelegenheit.

So bleibt es eben bei enttäuschenden 5 Punkten. Dies gebe ich für die guten Ansätze und gebe der Dame beim zweiten Versuch gerne eine neue Chance.

Bernd Fischer






 



Freitag, 8. März 2013

Holy Grail - Ride The Void

Band: Holy Grail
Album: Ride The Void
Spielzeit: 53:08 min.
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 18.01.2013
Homepage: www.holygrailofficial.com



Wertung:   8,5 von 10


Tracklist:

1. Archeus
2. Bestial Triumphans
3. Dark Passenger
4. Bleeding Stone
5. Ride the Void
6. Too Decayed to Wait
7. Crosswinds
8. Take It to the Grave
9. Sleep of Virtue
10. Silence the Scream
11. The Great Artifice
12. Wake Me When It’s Over
13. Rains of Sorrow



Holy Grail stammen aus L.A. und sind in ihrer erst seit 2009 laufenden Bandkarriere schon viel herumgekommen. Auftritte bei renommierten Festivals wie Wacken oder Download bestätigen das Potential der Gruppe, die 2010 ihr Debutalbum "Crisis in Utopia" veröffentlicht haben. Nunmehr steht das Nachfolgewerk "Ride The Void" vor der Haustüre und wartet auf den Einlaß in die Stuben der Metalfans.. Die Truppe kann man am besten mit einem gut geführten Gemischtwarenladen vergleichen. Liebhaber von frickelnden Gitarrensounds kommen genauso auf ihre Kosten wie Freunde aggressiveren, thrashig angehauchten Metals. Aber auch die zarter besaiteten Freunde guter Rockmusik werden in Form von melodischen Elementen mit ins Boot genommen.

Zu den Tracks im einzelnen:

"Archeus" ist ein ziemlich langes, spannungsgeladenes Intro, welches Anleihen zu Dream Theater als auch symphonischen Queen-Gitarrensounds nimmt und Lust auf das macht, was folgt. Auffallend bereits hier der mehr als amtliche Sound sowohl im Gitarren- als auch Drumbereich. Fett, differenziert und gewaltig kommen die Instrumente aus den Boxen. Mit "Bestial Triumphans" nimmt das Ganze dann auch sehr flott Fahrt auf. Die Gitarrenbegleitung zu Beginn und in den vielen Breaks des Songs ist schlichtweg atemberaubend und ziemlich John Petrucci-like. Da sind wahre Könner am Werk. Die Stimme von James-Paul Luna ist manchmal zwar etwas schrill aber passt sehr gut zur Musik der Band. Trotz aller Härte und Gefrickel wird nie das Melodiegespür verloren und  zumeist mündet ein Song auch in einen eingängigen Chorus, der einem nach ein paar Mal Hören nicht mehr aus dem Kopf geht. "Bestial Triumphans" bietet sowohl proggige Breaks ala Traumtheater und Doublebassdrums en masse. Was für ein Einstieg! Und zuguterletzt gibt es sogar noch Growl-Vocals zu hören. Für mich zwar grundsätzlich ein Alptraum, wenn da jemand wie ein abgestochenes Schwein gröhlt, aber in diesem Fall recht dezent eingesetzt hat das durchaus seine Momente. "Dark Passenger" macht auf hohem Niveau weiter, kurzes Akustikintro und schon nimmt die Dampfhammerwalze weiter ihren Lauf. Weniger verspielt und viel straighter als der Opener ein ebenfalls mehr als gelungener Track. Die Riffs sind sehr abwechslungsreich wie überhaupt die gesamte Gitarrenarbeit der Gitarrenduos Alex Lee und Blake Mount. Manche Solopassagen haben auch leichte Maiden-Einflüsse zu verzeichnen. "Bleeding Stone" ist wieder ein richtiger "Metal-Hit", der Refrain ist ein Ohrschmeichler erster Güte und die Rythmustruppe bolzt ohne Ende, aber alles auf höchsten musikalischen Niveau und einer der besten Produktionen seit langem. Auch der Titeltrack beginnt mit einem Akustikgitarrenintro, ehe die Gitarrenriffs wieder die Vorherrschaft übernehmen und der Song in einen sehr melodischen Refrain mündet. Bei jedem Hören entdeckt man mehr Details, da hat man sich wirklich Mühe gegeben. "Too Decayed to Wait" ist wieder von der etwas straighteren Sorte, hat aber immer noch genügend Rythmuswechsel und (wie immer!) geniale Gitarrenarbeit. "Crosswinds" fetzt von vorne bis hinten und drückt das Gaspedal ziemlich ins Bodenblech. Den einzigen leichten Vorwurf, den man Holy Grail machen kann ist, dass sich manche Songs im letzten Drittel der Scheiblette doch etwas arg ähneln vom Aufbau her. Aber wenn das alles auf so hohem Niveau wie auf "Ride The Void" angeritten kommt, ist dies nur ein geringes Manko. Mit dem Schlussduo bestehend aus dem Klassikgitarren-Intro  "Wake Me When It's Over" , welches nahtlos in "Rains Of Sorrow" übergeht, gibt es nochmal ein wirkliches Highlight, das textlich von einem Kampf eines Familienmitglieds gegen den Krebs handelt, ein Track, der eher langsam aufgebaut ist aber unheimlich atmosphärisch ist.

Holy Grail kann ich nach bestem Wissen und Gewissen 8,5 Punkte geben. Es sollte für jeden Freund moderner aber auch traditioneller Metal-Musik etwas dabei sein. Also: Antesten ist Pflicht!


Martin


Mittwoch, 6. März 2013

Saint Lu - 2

Band: Saint Lu
Album: 2
Spielzeit: 39:18 min.
Plattenfirma: Warner Music Group
Veröffentlichung: 15.02.2013
Homepage: www.saintlu.com

WERTUNG: 9,5 von 10


Tracklist:
1. Waterfall
2. Craving
3. Falling For Your Love
4. I Got A Feeling
5. No One Loves You Like I Do
6. Revive This Flower
7. The Letter
8. Postcard From Hell
9. Mrs. Suffer
10. Why Do I Want Love
11. Lady Of The Lanterns

I got a feeling, no one loves you like I do. Tja, diesmal ist nicht meine Ehefrau gemeint - Schande über mich - sondern die unglaubliche Stimme einer österreichischen Sängerin, die mich in ihren Bann gezogen hat. Ja, ich gehe fremd, denn mit Rockmusik hat der sogenannte Soul N Roll von SAINT LU auch nichts zu tun. Eher mit verdammt viel Soul, Gefühl, Atmosphäre und eben dieser unglaublichen nicht von dieser Welt stammenden Stimme. Wer die schöne Luise Gruber (so ihr bürgerlicher Name - ja, ich bin auch deswegen hin und weg - schließlich heißt meine Tochter Luise und mein Geburtsname ist Gruber) bereits vom Vorentscheid zum Eurovision Song Contest kennt, dem dürfte "Craving" noch im Ohr hängen - doch diesmal ist dies tatsächlich nicht der in meinen Ohren beste Song des Albums.

Denn auch das eingängige "Waterfall" hätte dort antreten können. Die lässige Gitarre bei "Falling For Your Love" und die ausdrucksstarke Stimme machen diesen Song zum nächsten brutalen Highlight. Ich krieg Gänsehaut und das wird nicht das letzte Mal bei diesem Album bleiben. "I Got A Feeling" hat dann den Soul und Smooth Jazz mit der Muttermilch aufgesogen - unglaublich. Ihr seht, meine Begeisterung ist tatsächlich riesig und dies wird sich auch nach dem 100. Anhören nicht ändern - eher im Gegenteil. Und ich könnte endlos weitermachen.

"No One Loves You Like I Do" spricht mir aus dem Herzen, "Lady Of The Lanterns" ist die Soulballade des Jahrzehnts, nicht weniger, knapp 4 Minuten durchgehendes Gänsehautfeeling und mein innerstes Gefühlsleben fühlt sich angesprochen und schwingt mit den Tönen mit. "Postcard From Hell" bringt dann die etwas düstere Seite zum Vorschein und schleppt sich doomig jazzig zu einem grandiosen Finale. Für mich ist das 2. Album von SAINT LU schlicht und ergreifend das beste Soul-/Pop-Album der letzten 5 Jahre. Ich lass mir aber den halben Punkt noch offen, denn ich bin mir sicher, dass wir alle von LU noch einiges hören werden und die Charts mit ihren Liedern gepflastert werden. Vielleicht bekomme ich auch noch ein Interview mit der tollen Sängerin, mal sehen.

Markus

Steve Lukather - Transition

Band: Steve Lukather
Album: Transition
Spielzeit: 45:52 min.
Plattenfirma: Mascot Records
Veröffentlichung: 18.01.2013
Homepage: www.stevelukather.net

WERTUNG: 8,5 von 10


Tracklist:
1. Judgement Day
2. Creep Motel
3. Once Again
4. Right The Wrong
5. Transition
6. Last Man Standing
7. Do I Stand Alone
8. Rest Of The World
9. Smile

Nach den beiden absolut grandiosen STEVE LUKATHER Solowerken "All's Well That Ends Well" und dem herrlichen "Ever Changing Times" ist meine Erwartung an das neue Album fast ins Unermessliche gestiegen. Und so leid es mir tut, aber STEVE schafft es diesmal nicht, mich so völlig von sich ein zu nehmen, wie zuvor. Nichtsdestotrotz ist auch "Transition" ein wunderbares AOR Album geworden, welches mit tollen Melodiebögen, herrlichen Gitarrensoli und MR. LUKATHERs einzigartiger Stimme überzeugen kann.

Allerdings macht es STEVE mir mit einem einsteigenden "Judgement Day" erstmal nicht leicht. Ein über 7 Minuten langes Stück, welches mehr als nur drei Durchläufe braucht, um sich fest zu setzen und das leider nie richtig. Ist mir etwas zu verkopft das Stück - lässiger kommt da schon "Creep Motel" mit leichten Blues Anleihen um die Ecke und ich fühle mich zum ersten Mal willkommen. Das gefühlvolle "Once Again" hätte ich zwar nie so früh innerhalb der Platte gebracht, doch es erzeugt bei mir definitiv eine Gänsehaut - ich wage zu behaupten, eines der 20 besten Stücke von Mr. Lukather (und das ist schon weit oben, bei all den geilen Stücken aus seiner Feder). Dagegen schafft es "Right The Wrong" mich abermals nur teilweise zu überzeugen - etwas zu dröge, trotz traumhaften Melodien. Das modern und hart beginnende "Transition" ist mehr Instrumentalstück denn Song und lässt zwar in den ersten 10 Durchläufen die Kinnlade gegen Boden wandern, danach geht es mir aber ehrlich auf den Sack und ich ertappe mich immer wieder die Skip-Taste zu drücken.

Denn das folgende "Last Man Standing" zaubert wieder ein Lächeln auf mein Gesicht. Herrlicher AOR mit Freude im Herzen und Sonne in den Augen. Einfach schön. Und das abschließende Trio aus "Do I Stand Alone", "Rest Of The World" und dem atmosphärischen "Smile" beweist abermals, dass hier einer der größten Könner seines Fachs am Werk ist. Einfach nur super. Damit kann ich guten Gewissens 8,5 Punkte für ein tolles Album zücken, das meinen viel zu hohen Erwartungen aber leider nicht ganz gerecht wird.

Markus

Montag, 4. März 2013

Jolly - The Audio Guide to Happiness (Part II)

Band: Jolly
Album: The Audio Guide to Happiness (Part II)
Spielzeit: 56:13 min.
Plattenfirma: InsideOut Music
Veröffentlichung: 01.03.2013
Homepage: www.jollyband.com


WERTUNG: 10 von 10

Tracklist:

1. Guidance Three
2. Firewell
3. You Against the World
4. Aqualand and the 7 Suns
5. Dust Nation Bleak
6. Golden Divide
7. Guidance Four
8. Lucky
9. While We Slept in Burning Shades
10. Despite the Shell
11. As Heard on Tape
12. The Grand Utopia

Das Leben ist eine Bitch! Das mussten JOLLY, Ende letzten Jahres feststellen, als der Wirbelsturm Sandy das komplette Equipment und den Proberaum zerstörte. Die Band musste den Aufnahmeprozess, zum zweiten Teil des binaurale Töne enthaltenen Gesamtwerkes stoppen und einen vernünftigen Plan ausarbeiten, wie man nun wieder Instrumente und Technologie beschaffen könnte. Durch eine Spendenaktion konnten Gerätschaften/Instrumente wieder organisiert werden und der Abschluss, der CD-Aufnahme, konnte in Angriff genommen werden. Gott sei Dank kann man nur sagen, denn es wäre echt schlimm gewesen, wenn sich die Veröffentlichung weiter hinausgezögert hätte, oder im "worst case" erst einmal eingefroren werden müsste. Ist alles nicht passiert und die musikalischen "Glücklichmacher" verwöhnen ihre Fans und die Kritiker, mit ihrem erforschtem Klang-/Sound Konzept/-Projekt.

2011 lief es für das Quartett richtig gut. Mitte März veröffentlichten sie ihren Zweitling "The Audio Guide to Happiness (Part I), welches mit überragende Kritiken überhäuft wurde. Ihr innovativer New/Progressive/Alternative/Art Rock fand sehr schnell eine große Hörerschaft und Fangemeinde. Letztes Jahr fragte ein gewisser Herr Portnoy an, ob die Jungs nicht lust hätten, für seine Band, im Best Buy Theater (New York), zu eröffnen. Diese Einladung, des JOLLY Fans, nahmen sie natürlich sehr gerne an.

Die Band besteht aus:
Anadale - Gesang und Gitarre
Anthony Rondinone - Bass
Joe Reilly - Keyboard
Louis Abramson – Schlagzeug

Nach nur zwei Releases gehört das Quartett zur Speerspitze der "Jungen Wilden" Progressive Rock Szene und ihr Siegeszug kennt keinen Halt. Was JOLLY von der Konkurrenz unterscheidet ist, dass die Herren keine musikalischen Grenzen kennen, ihre Stilvielfalt auf eine sehr angenehm hörbare und harmonische Art miteinander kombiniert und die Endresultate, sowohl den Ottonormalhörer" als auch Prog-Freak, begeistern. Neben brachialen schweren Metalpassagen finden Ausflüge in den Bereich des entspannten Soul's, Pop, New Rock und Reggae statt, ohne dass diese Konfus, aufgesetzt künstlich oder gar wie aufeinander treffende Fremdkörper wirken. Auch die Laut- und Leise Dynamik nutzen die Musiker zu ihren Gunsten und schaffen dadurch zusätzliche Spannungsbögen. Es klingt so verdammt "normal" logisch was die Formation, aus ihren Instrumenten bzw. Anadale aus seinen Stimmbändern, herausholt. Herrschaften, das ist Musik-Kunst auf dem höchsten Niveau.

Songwriterisch haben die Herren noch einmal einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht. Trotz aller Heftigkeit der härteren Nummern, des relaxten und fast schon chilligen Materials und der eingängigen Alternative Rock Titeln, ist jeder einzelne Song ein Hit, mit unwiderstehlichem Charme. Erstklassige Hooklines verfolgen den Hörer durch die ganze Scheibe und werden nur noch von den sensationellen und perfekt ausgearbeiteten Gesangsharmonien Anadale's getoppt.

Guidance Three lässt mir einen wohligen Schauer über den Rücken laufen. Diese warme und angenehme Frauenstimme, welche auch schon auf Part I zum Einsatz kam, begrüßt die Hörerschaft und fordert auf, falls man den ersten Teil noch nicht gehört hat, dieses nachzuholen und erst anschließend mit dem aktuellen Part fortzufahren. Brauch ich nicht ... bin schon längst infiziert! "Firewell" ist als ein breitwändiges, brutales Stück zu nennen. Heftige Gitarrenriffs, ein vielseitiges, kräftiges Drumming und ein präziser Bass pendeln zwischen harten New Metal Eruptionen - teilweise schon Black Metal annehmende Instrumental- und Gesangspassagen - und gemäßigte, fast schon improvisierende Parts, wechseln sich ab oder gehen sogar in ein direktes Duell, welches aber die Brachialität ganz klar gewinnt. Anadale singt genial, irgendwo  zwischen engelhaftem Gesang und alles niederwälzendem Beserker. Der erste Hit ist Nummer Zwo, "You Against The World". Der Song beginnt als eine harmonische, mittelharte Komposition. Sie pendelt zwischen FAITH NO MORE inspiriertem Rock, Reggae, psychedelischen Anleihen und alternativ angehauchtem New Rock. Hört sich anstrengend an ... ist es aber überhaupt nicht. Es ist ein erschreckend homogenes und ins Ohr gehendes Stück, mit einem phantastisch packenden Refrain. Auch JOLLY goes Pop funktioniert vortrefflich. Man höre nur das extrem eingängige "Aqualand And The 7 Suns", mit dem seichten Gesang und den dazu gesellenden '60ties Psychedelic- und Soul Einschüben. Abramson und Rondine sind die Rhythmus-Bestien, mit den Fokus auf Abwechslung, ohne dem dichten Rhythmusteppich auch nur die kleinste Lücke zu gönnen. "Lucky" ist echt fies! Joe haut fröhlich auf seine Tasten und Anadale singt herrlich entspannt, als ob sie nicht wüssten, dass sie hier die absolute Übernummer präsentieren. Diese Melodie und die Entspanntheit lässt einen sofort mitwippen. Die Nummer ist leider viel zu kurz und lässt einen leicht enttäuschten, auf das spannende Ende wartenden, Zuhörer zurück. Absicht oder Unvermögen? Ganz klar Absicht und echt unfair ;-)!!! "Despite The Shell" ist ein Paradebeispiel für die Laut-und Leise Dynamik. Joe agiert auffällig unauffällig und ist, auch bei den harten Passagen, immer heraushörbar. Das herrliche, zu kurze Gitarrensolo und die gnadenlose Präzision der Musiker + Samples, lassen die Nummer zu einem Highlight wachsen. Fast schon Drehorgel/Kirmes-artige Tasteneinsätze, ein hart pumpender Bass und kräftige Schlagzeug Rhythmen treffen auf den vielseitigen und abgedrehten Gesang des Fronters. Dazu Kindergesang/Word Samples und immer wieder die Bezugnahme auf den Psychedelic Rock machen "The Grand Utopia“ einzigartig. Der Song bewegt sich zwischen musikalischer Bösartigkeit und himmlischer Ausgeglichenheit.
So göttlich endet das sensationelle und atemberaubende Album.

Ich wusste, dass die Herren uns ein musikalisches, breitgefächertes Meisterwerk um die Ohren hauen würden, aber hier nimmt Qualität neue Maßstäbe an!!!

"The Audio Guide to Happiness (Part II)" ist für mich ein Referenzwerk in Sachen Kreativität, Musikalität und bester, anspruchsvoller Unterhaltung.

Die Herren JOLLY sind die Zukunft des modernen Progressive Rock und jeder anspruchsvolle Rock Fanatiker sollte unbedingt die Scheibe besitzen.

Das ist definitiv das PFLICHTALBUM des Monats März und wird, am Ende des Jahres, zu den Top-Alben 2013 gehören.

Braucht man nicht lange zu überlegen. 10! Setzen!

Götz

Sonntag, 3. März 2013

Mother Of God - Anthropos




Band: Mother Of God
Album: Anthropos
Spielzeit: 47:54 min.

Veröffentlichung: 01.02.2013
Plattenfirma: Smallstone Recordings
Homepage: www.myspace.com/motherofgodofficial

Wertung: 6 von 10

Tracklist:

  1. 230
  2. Graensladet
  3. The Forest
  4. Aim For The Sun
  5. Adrift
  6. To Live
  7. Hoenan
  8. Windows
  9. Something From Below
  10. R.McCord
  11. Lucy
Verdammt schwer fällt es mir, Anthropos, die erste Veröffentlichung der vier Schweden von Mother Of God einzuschätzen. Vielleicht wird mir auch erst mit etwas mehr zeitlichem Abstand klar was hier ensteht. Oberflächlich betrachtet haben wir es bei Anthropos mit einem Rip-Off allseits bekannter Bands zu tun. Kyuss, Mind Funk (ab Dropped), frühe Soundgarden bis Louder Than Love, Alice In Chains und selbst leichte Anleihen von Led Zeppelin bis zu den Doors gehen mir beim Hören immer wieder durch den Kopf. 
Haken an der Sache ist, dass das Ganze teilweise nicht sehr originell wirkt, ständig fühle ich mich an diese Bands erinnert und möchte die Jungs förmlich um einen Fetzen Eigenständigkeit anflehen. Auf der anderen Seite frage ich mich, warum denn überhaupt ? Erstens haben auch die genannten Bands allesamt und sehr erfolgreich (wenn auch nicht sooo offensichtlich) abgekupfert und vom Schaffen ihrer Idole profitiert, zweitens sind Mother Of God bei ihrem Plagiat nicht gerade schlecht. Die Platte wirkt homogen und lässt sich, sofern man Gefallen an dieser schleppenden aber intensiven Musik findet, sehr gut am Stück hören. 
Sehr mutig von der Band finde ich die Idee, mit Graensladet einen Song in ihrer Heimatsprache zu präsentieren. The Forest ist jedoch eher dazu dazu geeignet, euch einen Eindruck vom Album zu verschaffen, deshalb an dieser Stelle der Verweis zum nicht offiziellen YouTube Video.

Hört einfach mal rein:

 

Im Großen und Ganzen schaffen Mother Of God es durchaus mich zu packen. Der Wechsel zwischen schleppenden, nahezu doomigen Parts und schnellen Stoner- bis an Heavy Metal erinnernde Momente hat echte Reize und findet in Songs wie Aim For The Sun, einer Fünf-Minütigen Nummer oder Windows seinen Höhepunkt. Zwischendurch sorgen fette Sleaze-Rock Riff in Hoenan oder eine Auszeit in Form des psychedelich angehauchten Adrift durchaus für Abwechslung, doch alles in allem bleibt in sämtlichen Bereichen Luft nach oben. 

So dürfte Sänger Daniel Nygren zukünftig durchaus versuchen sein starkes Organ nach sich selbst klingen zu lassen statt Chris Cornell, Layne Staley oder seinem allzu offensichtlichen Idol John Garcia nachzuahmen. Der Mann hat, wie der Rest von Mother Of God, nämlich Qualitäten von denen sie anscheinend noch gar nichts wissen und die nur eines zulassen: Das ihnen mit dem Ablegen ihrer Fesseln ein mittelprächtiger bis großer Wurf gelingen wird, davon bin ich fest überzeugt. Einstweilen begnügen wir uns mit einer Platte dessen Höhepunkt sich in Lucy, einem Acht-Minütigen Song findet, der alle bereits erwähnten Stärken von MOG vereint und eindrucksvoll ein Album beschliesst welches Spaß macht, aber auch eben sehr speziell ist.

Macht in der Summe gute 6 von 10 Punkten.


Samstag, 2. März 2013

Hercules Propaganda




Band: Hercules Propaganda
Album: Hercules Propaganda
Spielzeit: 39 Minuten
Plattenfirma: Fuzzmatazz Records
Veröffentlichung: 26.Januar 2013
                          http://www.fuzzmatazz.com/             

Wertung: 8,5 / 10


Trackliste:

1. Introduction
2. Power To Rock
3. Hunter & Collector
4. Electric Diva
5. Boiling Blood
6. Mammuth
7. Children Of Satan


Hercules Propaganda. Die Band aus Jena hat einen neuen Freund. Mich. Ob die jetzt wollen oder nicht.

Introduction:
An einem dieser langen,  trüben und kalten Nachmittage einer nicht endenden wollenden Winterdepression hatte ich den Debut – Diskus der mir bisher unbekannten Truppe im Briefkasten. Einige Zeit später stand meine zornige, knopfäugige Nachbarin vor meiner Tür und drohte mit einer einstweiligen Verfügung und dem Abstellen meiner Stromversorgung bei den Stadtwerken, eventuell auch mit der Entsendung der GSG 9, aber das konnte ich nicht genau verstehen, weil in meiner Anlage die “ Hercules Propaganda“  lief – zum nunmehr dritten Mal in Folge.  Also egal, nichts konnte mir an diesem Abend meinen unerwartet eingetroffenen Lauf einbremsen. Störungen waren da nur noch begleitendes Schmückwerk. Randglossen einer Rockerbiographie.

Musikalisch ziemlich ausgebuffte Burschen, dieses Thüringer Powertrio. Die Jungspunde  spielen einen beinharten Boogie, der in seinen starken Momenten fast  vergleichbar auf dem  aktuellen “Vanderbuyst“- Level tänzelt und den sie selbst  als “Gigantenrock“ bezeichnen. Die Band besteht aus

Fritze: Gitarre / Vocals   - Faible für rote Lackstiefel und Kapitänsmützen und Sonnenbrillen,
Acki : Bass /Backingvocals - Faible für knorzige Lederwesten und Sonnenbrillen,
Andi: Drums /Backingvocals – der Hippie als Trommelderwisch im (physikalischen) Hintergrund. Auch Sonnenbrille.

Nachnamen /Klarnamen  sind völlig unwichtig, hier heiligen allein die verwendeten Stilmittel alle und jedwede Zwecke.
“Introduction“ eröffnet den 39zigminüter, ein  Instrumentalstück, auch gleich ein Mikrokosmos der folgenden Kanonenschläge: forsche Gitarrenriffs, flinke Licks, eingeflochtene Melodieparts, treibender Groove.  
Im Kolorit eine leicht punkige Attitüde, irgendwo winken gar alte Michael Schenker und verschämte Parfitt / Rossi.  Alles auf einem hohen spielerischen Level. Gut, die Lyrics sind jetzt mal unter Augenzwinkern zu goutieren. "Power To Rock" in etwa wurde verbal aus den Baukasten der Rockmusik schabloniert, aber das bleibt eine gewollte Konstante, geht somit in Ordnung und beschert uns ein eher joviales Dauergrinsen-  “Children Of Satan“ etwa als bitterböse Abschlussprosa mit der Stimme des Hinkefüßigem im Of…oder der hier: „Electric –Diva; I want you wild and hot…. “ Grrrrrr....
Gleichwohl macht diese Platte mächtig Spaß, da das Songwriting zwar ständig um die Ecke gebogen wird aber dennoch existent ist, in den einzelnen Song verdammt viele abwechslungsreiche Variablen einegebosselt  sind und jederzeit ein unglaublich dynamisch drückender Spielfluss gehalten wird. Allerdings; die Klassikerabfolge: Strophe – Refrain – Bridge - sollte man  bei den kraftmeiernden Propagandisten nicht immer erwarten, iss nich Standart bei den Kollegen.  Fast ein bisschen verfrickelt, die ganze Kiste.
Die Gitarrenarbeit wird niemals langweilig, ist gekonnt gezockt  und facettenreich, „Elektric Diva" beginnt zum Beispiel als hendrixsches –Wah wah – Fuzz.  Die nötigen Breaks sitzen an der richtigen Stelle um 2013 für den guten alten Onkel Rock und die Tante Roll nicht langweilig zu klingen, Beispiel der Track Mammuth.  Fritzes Gesang passt perfekt dazu, obwohl man im ersten Durchgang fast etwas verprellt wird…  klar, er presst stellenweise ganz schön, aber die Stimmlage könnte eben auch nicht anders denkbar sein.

Doll.


Ich erlaube mir zur Abrundung ein Bandzitat:  

“ HERCULES PROPAGANDA sind Visionäre: Ihre Vision ist eine Orgie nackter, betrunkener und glücklicher Menschen, die einzig und allein dem Gott des Rock´n´Roll huldigen!"  

Zu derartigem Anspruch sind die Jungens bei meinerseits antennensensorisch gelagertem Auditorium passgenau an der richtigen Andockstation.Das alles atmet Spirit!
Wer hätte das gedacht: hier hagelt es doch bärenstarke 8,5 Punkte. Zudem die Produktionstechnik völlig in Ordnung geht.
Der Vertrieb der Platte erfolgt (auch als Vinyl) über die Bandhomepage oder das Label. Solltet Ihr Euch echt überlegen…

Stephan Schneider